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21.10.2013

15:53 Uhr

Gefangen in der Laufzeit

Leasingauto ist großes finanzielles Risiko

Leasing ist eigentlich eine komfortable Sache. Kann der Kunde aber die Raten nicht mehr bezahlen, steht er vor einem riesigen Problem: Vor Ende der Laufzeit kommt er nicht aus dem Vertrag. Das kann richtig teuer werden.

Wer seine Leasing-Raten nicht mehr bezahlen kann, hat ein großes Problem. Uwe Schmid

Wer seine Leasing-Raten nicht mehr bezahlen kann, hat ein großes Problem.

Neuss/MünchenLeasing scheint eine reizvolle Alternative zum Autokauf zu sein: Die große Anschaffungsinvestition entfällt, die monatlichen Raten sind überschaubar, und am Ende ist man den Wagen ohne viel Aufwand wieder los. Wer aber die monatlichen Zahlungen aus irgendeinem Grund nicht mehr aufbringen kann, hat ein großes Problem: Er kommt nicht aus dem Vertrag. „Das ist leider gar nicht möglich“, sagt Rechtsanwalt Tobias Goldkamp aus Neuss.

Die meisten Leasingverträge laufen drei Jahre. Vor Ablauf der Frist zu kündigen, geht nur in Ausnahmefällen: bei einem Totalschaden, bei Diebstahl des Wagens oder wenn der Leasingnehmer stirbt, erklärt ADAC-Rechtsexpertin Silvia Schattenkirchner. „Oder wenn das Fahrzeug gar nicht erst übergeben wird“, ergänzt Goldkamp. In allen anderen Fällen bleibt der Kunde in der Pflicht. „Und selbst wenn es ein Gewährleistungsproblem gibt, müsste der Kunde sich an den Autohändler halten.“

Die fünf Fallen beim Leasing

Restwertleasing

Finger weg vom Restwertleasing

Viele Leasingverträge enthalten Klauseln, nach denen der Leasingnehmer einen bestimmten Restwert des Fahrzeugs garantieren soll. Den setzen Leasingbanken und Händler häufig unrealistisch überhöht an und programmieren so eine Nachzahlung zum Vertragsende vor. Wer sich von niedrigen Raten locken ließ, kann so ein dickes Ende erleben. Leider bieten auch namhafte Herstellerbanken wie die Volkswagen Leasing und die Toyota Leasing Verbrauchern solche Verträge an.

Tipp: Lesen Sie den Vertrag vor der Unterschrift sorgfältig und in Ruhe durch. Unterschreiben Sie niemals beim Händler, sondern lassen Sie sich den Vertrag nach Hause mitgeben. Verweigert der Händler dies oder entdecken Sie eine Restwertklausel, wissen Sie, dass es sich um ein unseriöses Angebot handelt.

(Quelle: Rechtsanwalt Tobias Goldkamp)

Deckungslücke

Vorsicht Deckungslücke

Erleidet das Leasingfahrzeug während der Vertragslaufzeit einen wirtschaftlichen Totalschaden oder wird es gestohlen, kann es sein, dass trotz Vollkasko die Versicherungsleistungen nicht die fällige Ablösezahlung für die Leasingbank abdecken. Diese Lücke kann durch eine GAP-Versicherung geschlossen werden.

Tipp: Achten Sie darauf, dass eine GAP-Versicherung im Versicherungspaket enthalten ist.

Laufzeit

Feste Laufzeit

Finanzierungsleasingverträge werden fast immer auf eine bestimmte Laufzeit geschlossen und sind nicht vorzeitig kündbar. Das kann zum Problem werden, wenn sich Ihre Lebensumstände ändern und Sie das Auto nicht mehr brauchen oder nicht mehr bezahlen können.

Tipp: Manchmal kann über Leasingvertragsbörsen im Internet ein Interessent gefunden werden, der in einen laufenden Vertrag einsteigt. Trotzdem sollten Sie überlange Vertragslaufzeiten vermeiden.

Gewährleistung

Unzureichende Gewährleistung

Typischerweise schließen die Leasingbanken die mietrechtliche Sachmängelhaftung aus und treten dem Leasingnehmer stattdessen die kaufrechtlichen Sachmängelansprüche ab. Das bedeutet, dass sich der Leasingnehmer bei Mängeln an den Verkäufer halten muss und nicht ohne weiteres die Zahlung der Leasingraten an die Bank kürzen oder einstellen darf. Problematisch ist, dass die kaufrechtliche Gewährleistung nach spätestens zwei Jahren endet. Hat der Leasingvertrag eine längere Laufzeit, steht der Leasingnehmer im restlichen Zeitraum ohne Gewährleistung da.

So kann es dazu kommen, dass er das kaputte Auto nicht mehr nutzen kann, trotzdem weiter Leasingraten zahlen muss und das Auto am Ende auf eigene Kosten instand setzen muss, weil er gegenüber der Bank verpflichtet ist, es im ordnungsgemäßen Zustand zurück zu geben.

Tipp: Achten Sie auf eine möglichst weitgehende Herstellergarantie. Vermeiden Sie überlange Vertragslaufzeiten.

Abrechnungen

Falsche Abrechnungen

Jeden Tag erreichen uns falsche Leasingabrechnungen. Z.B. werden „Schäden“ in Rechnung gestellt, die nicht vorhanden oder als vertragsgemäße Gebrauchsspuren anzusehen sind. Nach wie vor schlagen viele Leasingbanken Mehrwertsteuer auf schadensbedingte Minderwerte auf, obwohl der BGH entschieden hat, dass diese Position nicht der Umsatzsteuer unterliegt.

Oft versuchen Banken und Händler, den Kunden bei der Rückgabe Protokolle und Formulare vorzulegen, mit denen zweifelhafte Begutachtungen oder Abrechnungspositionen anerkannt werden sollen.

Tipp: Unterschreiben Sie nichts, ohne es vorher sorgfältig und in Ruhe gelesen zu haben. Das ist Ihr gutes Recht! Reichen Sie Abrechnungen im Zweifel zur Prüfung ein.

Verliert der Leasingnehmer seine Arbeit und damit das Einkommen, um die Raten zu stemmen, kann er nicht auf die Nachsicht der Leasingbank hoffen. „Es gibt gar keine Kulanz“, betont Schattenkirchner. „Das ist die Krux des Leasings, dass sich manche finanziell übernehmen, weil sie denken, sie könnten die drei Jahre überblicken.“ Diese Gefahr besteht vor allem für Existenzgründer und Selbstständige, die nicht wissen, wie sich Firma und Einnahmen entwickeln. „Aber denen wird natürlich geraten zu leasen, weil man das als Betriebsausgaben abschreiben kann.“

Die Kompromisslosigkeit der Leasingbanken resultiert Goldkamp zufolge aus rein finanziellen Abwägungen: Aus Sicht der Bank ist es nötig, dass alle Raten voll bezahlt werden. „Sie zahlen als Kunde am Anfang manchmal eine Sonderzahlung, dann die Raten, am Ende geben Sie das Auto zurück, und die Leasingbank verkauft es.“ Darüber werde der Kaufpreis plus Kosten plus Gewinn gedeckt. „Könnte der Kunde jederzeit kündigen, funktioniert diese Kalkulation nicht mehr.“

Die Leasingbank wiederum kann den Vertrag kündigen, wenn der Kunde mit den Raten in Verzug gerät. „Dann wird es richtig teuer“, warnt Schattenkirchner. „Das ist das Schlimmste, was passieren kann.“ Beim Kilometerleasing müssen die ausstehenden Raten getilgt werden, beim Restwertleasing kommt noch der garantierte Restwert hinzu, der bei Vertragsbeginn festgesetzt wurde. Autofahrer ohne Rücklagen stehen dann vor einem finanziellen Fiasko. Die Juristin rät deshalb, eine Kündigung auf jeden Fall zu vermeiden. „Dann lieber Geld woanders leihen und notfalls den Onkel fragen.“

Kommentare (5)

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Thomas-Melber-Stuttgart

21.10.2013, 16:42 Uhr

Interessant ist auch, daß Leasinggeber (i.d.R. eine (Hersteller) Bank) und der für das Fahrzeug technisch Verantwortliche unterschiedliche Rechtssubjekte sind. D.h. während man sich mit dem Händler z.B. wg. einer Garantiesache auseinander setzt hat man dennoch die Raten zu zahlen.

Andrew6466

22.10.2013, 08:00 Uhr

Leasen bringt einen auch in die Miesen, so oder so. Dahinter steckt doch auch nur der alte Trick, sich ohne Wartezeit wie bei einem Kredit auch, gleich das gute Gefühl einer neuen Anschaffung ermöglichen zu können. Leasen = Schulden machen, noch dazu wie in dem hier beschriebenen Fall für eine Verbindlichkeit, die auch noch laufende Kosten verursacht. Meiner Meinung nach also keine gute Idee, Schulden sind schlecht!

Account gelöscht!

22.10.2013, 08:28 Uhr

Ein Auto wird entweder Bar gekauft oder gar nicht - lieber kleiner oder gebraucht aber sicher nicht auf Schulden

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