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21.10.2015

12:04 Uhr

In der Tradition verhaftet

Mittelständler schwimmen im Geld

VonThomas Luther

Viele mittelständische Unternehmen sitzen auf hohen Barreserven – und verzichten auf Investitionen zur Erweiterung des Geschäfts. Auch das Potenzial alternativer Finanzierungsquellen schöpfen sie meist nicht aus.

Die meisten mittelständischen Firmen setzen bei Ersatzinvestitionen auf eigene Mittel anstatt auf Kredite. dpa

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Die meisten mittelständischen Firmen setzen bei Ersatzinvestitionen auf eigene Mittel anstatt auf Kredite.

DüsseldorfDeutsche Mittelständler schwimmen im Geld. Nach einer von der Mittelstandsbank der Commerzbank veröffentlichten Studie der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) zum Finanzanlageverhalten mittelständischer Unternehmen verfügen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Schnitt über 5,9 Millionen Euro an Liquidität. Im Vorjahr war die Barreserve mit 2,7 Millionen Euro nicht mal halb so hoch. Zwar wird nicht jedes der 1400 befragten Unternehmen hohe Gewinne schreiben können. Doch insgesamt markiert die Studie einen Trend: Der deutsche Mittelstand verdient derzeit prächtig.

Statt dieses Geld zu investieren, hortet ein Großteil diese Mittel. „Viele Unternehmen sind weiterhin recht zurückhaltend, was Erweiterungsinvestitionen angeht. Und ein Großteil der Ersatzinvestitionen wird weitgehend über Eigenkapital finanziert“, beobachtet Andreas Killmaier, Bereichsleiter Firmenkunden bei der Südwestbank.

Wo der Mittelstand sein Geld anlegt

Sichteinlagen / Laufende Konten

Immerhin 86 Prozent aller Mittelständler lassen ihr Geld auf dem eigenen Konto liegen. Allerdings ihr Anteil deutlich gesunken. Im Vorjahr waren es noch 97 Prozent.

Quelle: Studie zum Finanzanlageverhalten und Finanzanlagebedürfnis mittelständischer Unternehmen von der Fachhochschule des Mittelstands

Festgeld / Termineinlagen

Auch beim Festgeld sind heutzutage keine hohen Zinsen mehr zu erwarten. Entsprechend sinkt die Nachfrage. Nur noch 82 Prozent legen ihr Geld mit Festgeldkonten oder Termineinlagen an, im Vorjahr waren es 87 Prozent.

Rentenfonds

Diese Anlageform hat im vergangenen Jahr rasant an Beliebtheit gewonnen. Mit 42 Prozent investierte fast jeder Zweite Mittelständler in Rentenfonds, im Vorjahr waren es gerade einmal 17 Prozent.

Gemischte Fonds

Wenn das Risiko steigt, hilft oft nur eine Differenzierung des Portfolios. Gemischte Fonds sind für 31 Prozent eine geeignete Anlageform (Vorjahr: 10 Prozent).

Aktienfonds

Während die Zinsen stagnieren, erreichen einige Aktienindizes neue Rekordhöhen. Darum wagen sich nun auch die Mittelständler an die Beteiligungen - 23 Prozent investieren in derartige Anlagen.

Geldmarktfonds

Auch die Geldmarktfonds sind wieder etwas stärker gefragt als im Vorjahr. Hier investieren 18 Prozent aller befragten Mittelständler.

Währungsanlagen

Die stagnierenden Wechselkurse sorgen für Verunsicherung. Keine Anlageform hat darum beim Mittelstand mehr Vertrauen eingebüßt. Nur noch 10 Prozent legen hier ihr Geld an, im Vorjahr waren es noch 31 Prozent.

Immobilienfonds

Die Immobilienkrise hat ihre Spuren hinterlassen. Nicht umsonst fragte kein einziger Mittelständler im Vorjahr nach Immobilienfonds. Dieses Jahr sind es immerhin rund zehn Prozent. Beruhigt sich die Lage?

Nachhaltige Anlage

Die Nachhaltigkeit bleibt auch bei der Geldanlage ein Trend - und wird damit auch interessant für den Mittelstand. Nach 5 Prozent im Vorjahr investiert mittlerweile jeder Zehnte Mittelständler in nachhaltige Geldanlageformen.

Alternative Anlagen

Gleiches gilt für die alternativen Anlagen, die vor allem in Niedrigzinsphasen an Attraktivität gewinnen. Sieben Prozent legen hier ihr Geld an, im Vorjahr waren es vier Prozent.

Garantiefonds

Auch die Garantiefonds sind zurück. Noch im Vorjahr hatte kein befragter Mittelständler in derartige Produkte investiert. Dieses Jahr sind es immerhin 7 Prozent.

Auch das Mittelstandspanel der KfW kommt zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Mittelständler ihre Investitionen aus Eigenmitteln finanziert. Danach folgt mit etwa 30 Prozent der klassische Bankkredit, dazu kommen Fördergelder.

Noch spielen Finanzierungsalternativen wie der Kapitalmarkt oder die Beteiligung privater Investoren vor diesem Hintergrund kaum eine Rolle - zumal Unternehmen derzeit wenig Schwierigkeiten haben, Kredite bei ihren Banken zu bekommen. Noch. Denn mit ihren Darlehen verfahren die meisten Geldhäuser wie etwa ein Verleih mit Regenschirmen: Bei gutem Wetter geben sie den Regenschutz gerne heraus, doch sobald dunkle Wolken aufziehen, fordern sie ihn zurück.

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