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22.05.2017

20:07 Uhr

Investieren in Start-ups

Vollgas für Mittelständler

VonTanja Könemann

Schnelligkeit und Innovationen – dafür stehen Start-ups. Investitionen in junge Unternehmen bringen träge Mittelständler auf Tempo. Doch dieser Schritt kostet sie viel Zeit und Geld.

Das Interesse etablierter Unternehmen an Start-ups aus der Tech-Branche steigt. AFP

Investitionen in junge Firmen

Das Interesse etablierter Unternehmen an Start-ups aus der Tech-Branche steigt.

DüsseldorfDie Welt der Likes, Fans und Follower hat längst ins Bankenwesen Einzug gehalten. Etwa im Social Trading. Der Begriff steht für Plattformen, auf denen Anleger ihr Finanzwissen anderen Anlegern zugänglich machen. Trader legen offen, wie sie welche Ergebnisse erwirtschaften, und machen ihre Strategie so kopierbar. Im besten Fall profitieren alle davon. Auch die Commerzbank will dabei sein. Die Social-Trading-Plattform Etoro war die erste Investition der 2014 gegründeten Commerz-Ventures. Das Tochterunternehmen der Bank wurde eigens ins Leben gerufen, um sich an innovativen Fintechs, also Start­ups in der Finanzbranche zu beteiligen.

Nicht nur die Commerzbank hat erkannt, dass die Investitionen in junge Unternehmen helfen können, den digitalen Wandel zu stemmen. Eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY ergab: Das Interesse etablierter Unternehmen an Start-ups aus der Tech-Branche steigt. Sie treten zum einen als Venture-Capital-Investoren auf, die sich in frühen Phasen beteiligen, oder kaufen die jungen Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt, heißt es dort. Auch der deutsche Mittelstand sei zunehmend an Startups interessiert, um Schützenhilfe beim digitalen Wandel einzukaufen.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

2016 gingen 97 Prozent aller Übernahmen auf etablierte Unternehmen zurück, lediglich drei Prozent auf Finanzinvestoren. Sie fanden hauptsächlich in den Bereichen Medien, Technologie und Einzelhandel statt. 2013 war die Rolle der Unternehmen bei Übernahmen von Start-ups aus der Tech-Branche mit 83 Prozent noch deutlich geringer. Was Beteiligungen angeht, ist für Firmen noch Luft nach oben. Zwar stecken nach EY-Angaben knapp sechs Milliarden Euro Beteiligungskapital in den 100 am höchsten finanzierten Start-ups. Unternehmen – auch der Mittelstand – seien aber eher unterrepräsentiert.

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