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15.04.2014

12:14 Uhr

Kleinere Unternehmen unter der Lupe

Ratingagenturen werben um den Mittelstand

VonAndreas Schulte

Standard & Poor's setzt auf Bonitätsbewertungen, die speziell auf die Bedürfnisse von Mittelständlern zugeschnitten sind. Auch die Zahl der Anbieter für das Rating von Anleihen wächst.

Bonitätswächter gehen davon aus, dass europäische Mittelständler in den nächsten fünf Jahren Finanzierungen von bis zu 3,5 Billionen Euro benötigen. dpa

Bonitätswächter gehen davon aus, dass europäische Mittelständler in den nächsten fünf Jahren Finanzierungen von bis zu 3,5 Billionen Euro benötigen.

KölnBekannt ist Standard & Poor's dafür, die Kreditwürdigkeit von Konzernen oder ganzen Volkswirtschaften zu bewerten – nun will die Ratingagentur auch kleinere Unternehmen unter die Lupe nehmen: Seit Mitte 2013 bietet Standard & Poor's eine Bonitätsprüfung an, die speziell auf die Bedürfnisse von Mittelständlern zugeschnitten sein soll: Anders als bei klassischen Ratings liegt es im Ermessen des Unternehmens, wer die Einschätzung zu Gesicht bekommt.

Nutzen können Firmen sie beispielsweise für Privatplatzierungen, Schuldscheindarlehen oder Direktkredite. „Bisher sind die Kreditrisiken für Investoren noch kaum vergleichbar, unsere Einschätzung kann hier mehr Transparenz schaffen“, sagt Deutschlandchef Torsten Hinrichs. Er erhofft sich gute Geschäfte: Nach Einschätzung der Bonitätswächter benötigen europäische Mittelständler in den nächsten fünf Jahren Finanzierungen von bis zu 3,5 Billionen Euro.

Glossar Rating-Deutsch

Investitionsklasse AAA, AA+, AA, AA-

Beste Bonität, geringstes Insolvenzrisiko. Die statistische Ausfallsquote nach fünf Jahren beträgt 0,1 Prozent

Investitionsklasse A+, A, A-

Gute Bonität, geringes Insolvenzrisiko. Die statistische Ausfallquote nach fünf Jahren beträgt 0,5 Prozent.

Investitionsklasse BBB+, BBB, BBB-

Stark befriedigende Bonität, geringes bis mittleres Insolvenzrisiko. Die statistische Ausfallquote nach fünf Jahren beträgt 2,0 Prozent

Schrottklasse BB+, BB, BB-

Befriedigende Bonität, mittleres Insolvenzrisiko. Die statistische Ausfallquote nach fünf Jahren beträgt 9 Prozent.

Schrottklasse B+, B, B-

Ausreichende Bonität, höheres Insolvenzrisiko. Nach fünf Jahren beträgt die statistische Ausfallquote 20 Prozent.

Schrottklasse CCC, CC, C

Kaum ausreichende Bonität, hohes bis sehr hohes Insolvenzrisiko. Nach fünf Jahren beträgt die statistische Ausfallquote 40 Prozent.

Um Mittelständler mit Finanzierungsbedarf wirbt auch Feri Eurorating. Dabei setzt der in Bad Homburg ansässige Dienstleister auf öffentlich zugängliche Ratings, mit denen Unternehmensanleihen beworben werden können. Die Basis dafür bilden Branchenbewertungen, die die Ratingagentur für Finanzinstitute erstellt.„Der Markt für Mittelstandsanleihen in Deutschland hat noch deutlich Entwicklungspotenzial“, sagt Tobias Schmidt, Sprecher des Vorstands von Feri Eurorating. „Wir erhalten ständig Anfragen.“

Konkurrenz macht Feri Eurorating mit dem neuen Angebot vor allem den Anbietern Euler Hermes, Scope und Creditreform - die großen Ratingagenturen wie Standard & Poor's spielen bei der Emission von Anleihen mittelständischer Unternehmen bisher kaum eine Rolle.

Neben den Ratings von Anleihen bieten die Dienstleister auch Unternehmensbewertungen an. Diese sollen beispielsweise helfen, die eigene Bonität gegenüber Geschäftspartnern darzustellen. Weil für Banken ab dem kommenden Jahr in Bezug auf das vorzuhaltende Eigenkapital strengere Regeln gelten, wird erwartet, dass die Geldinstitute mit der Kreditvergabe zurückhaltender werden. Der Bedarf an alternativen Finanzierungsformen könnte deswegen steigen.

Bewerten lassen können sich auch kleinere Firmen. So bietet Creditreform Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 15 Millionen Euro ein weniger aufwendiges Ratingverfahren an. In einem eintägigen Managementgespräch werden die Lage des Unternehmens sowie Chancen und Risiken analysiert. Hinzu kommt eine Bewertung der Bilanz. Dank eines standardisierten Auswertungsverfahrens soll das Rating binnen fünf Tagen fertig sein.

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