Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.04.2014

12:22 Uhr

Kommentar

Nur wenig Vertrauen

VonMartin-W. Buchenau

Nach den Autoproduzenten hat nun auch der erste Maschinenbauer die Vorzüge einer eigenen Finanzierung entdeckt. Der Einstieg von Trumpf ins Bankgeschäft sollte die etablierten Geldinstitute aufhorchen lassen.

„Wir sind Bank“: Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller ist sich sicher, dass sie ein Stück Schwäbische Wirtschaftsgeschichte schreibt. dpa

„Wir sind Bank“: Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller ist sich sicher, dass sie ein Stück Schwäbische Wirtschaftsgeschichte schreibt.

StuttgartWenn Trumpf jetzt ins Bankgeschäft einsteigt und die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller sagt: „Wir sind Bank“, sollte das vor allem den Banken selbst zu denken geben. Schon die Gründung der Autobanken hat das Finanzgewerbe Milliarden an Einlagen und Finanzierungsgeschäften gekostet. Wenn jetzt auch noch Maschinenbauer wie Trumpf Leasing und Finanzierung aus einer Hand anbieten, dann ist das ein Offenbarungseid für das Mittelstandsgeschäft der Banken.

Bei den Trumpf-Kunden geht es um die Finanzierung von deutschen High-Tech-Maschinen, die um die 500.000 Euro kosten. Die Nachricht platzt gerade in eine Zeit, in der fast alle Banken das solide Mittelstandsgeschäft wieder entdeckt haben. Mit Trumpf kommt ein Wettbewerber, den die Banken ernst nehmen sollten. Denn Trumpf kennt seine Kunden und deren Risiken immer besser, als ein angestellter Banker es je könnte. Macht das Beispiel Schule, dann könnte das erst der Anfang einer Erosion auch des Mittelstandsgeschäfts werden.

Auf diese Klauseln sollten Sie beim Leasing achten

Bearbeitungsgebühren

Der Unternehmer sollte sich den Effektivzins der Finanzierung ausrechnen lassen -- und mehrere Angebote miteinander vergleichen. Im Optimalfall kontaktieren Unternehmer Hersteller, Banken und Leasinggesellschaften. Bearbeitungsgebühren oder vierteljährliche Vorauszahlungen gehen oft zusätzlich ins Geld.

(Quelle: Creditreform-Magazin.de)

Hersteller

Clevere Unternehmer wenden sich im ersten Schritt an den Hersteller und klären die Einzelheiten des Kaufvertrags vorab. So haben sie gleich ein Angebot in der Hand, aus dem sich die genauen Angaben zum Objekt ergeben. Das wiederum braucht die Leasinggesellschaft. Und sie erfahren, ob der Leasinggeber mit dem Hersteller eventuell kürzere Gewährleistungsfristen vereinbart hat - zum Nachteil des Leasingnehmers.

Nutzungsänderungen

Hier ist Vorsicht geboten, zum Beispiel beim Firmenwagen. Werden mehr Kilometer gefahren als vertraglich vereinbart, kann es teuer werden. Clevere Unternehmer überlegen vorab, wie sie das Objekt nutzen wollen. Im Zweifel frühzeitig den Anbieter kontaktieren und den Vertrag anpassen.

Nutzungsdauer

Die Laufzeit des Vertrags sollte maximal der Dauer der Nutzung entsprechen - andernfalls zahlt die Firma die Raten weiter, obwohl das Objekt nicht mehr zur Wertschöpfung beiträgt. Zu unterscheiden sind die unkündbare Grundlaufzeit von 40 bis 90 Prozent der AfA, falls der Leasinggeber das Wirtschaftsgut bilanziert, und die vereinbarte nutzungsabhängige Laufzeit.

Reparaturen

Das Leasingobjekt gehört der Gesellschaft oder der Bank - entsprechende Vorgaben bei Reparaturen sind zu beachten. Der Unternehmer sollte die Details seines Vertrags genau prüfen.

Steuern

In jedem Fall sollte der Firmenchef vor Vertragsabschluss die steuerlichen Aspekte mit einem erfahrenen Berater erörtern. Wer zum Beispiel den Investitionsabzugsbetrag nutzt, muss diesen beim Leasing später wieder gewinnerhöhend auflösen. Der Vertrag sollte so gestaltet sein, dass die Leasingraten als Betriebsausgaben absetzbar sind.

Zinsanpassung

In der Regel haben die Gesellschaften bei langfristigen Verträgen die Option, den Zins bei Veränderungen am Markt anzupassen. Es sollte klar nachvollziehbar und transparent sein, wann das erfolgen darf.

Denn eines ist sicher, Trumpf kennt die Maschinen. Selbst bei einer Insolvenz eines Kunden kann Trumpf die gebrauchten Maschinen noch gut verwerten. Auch kann Trumpf die Zyklen des Maschinenbaus besser beurteilen als eine Bank. Im Zweifelsfall bringt der Familienkonzern in schweren Zeiten wie in der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise mehr Geduld auf als jeder Banker.

Aber sicher ist, das Bankgeschäft wird auch bei Trumpf keine Wohltätigkeitsveranstaltung. Denn die Schwaben schielen auf die Autobanken. Die haben sich zu Goldeseln und Cashcows der Fahrzeughersteller entwickelt und liefern BMW, Daimler oder Volkswagen steigende Ergebnisbeiträge.

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Banken hat durch die Zockergeschäfte in der Finanzkrise schwer gelitten. Trumpfs Einstieg in das Finanzgeschäft zeigt, dass Unternehmen das Bankgeschäft in der Realwirtschaft lieber selbst machen. Vielleicht können sie es sogar besser.

Der Autor ist Korrespondent in Stuttgart. Sie erreichen ihn unter: buchenau@handelsblatt.com

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×