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18.06.2016

16:55 Uhr

Kreditklemme verhindern

So finanzieren Sie die digitale Revolution

VonChristian Groschupp

Die neue Welt der Technologie hält Einzug im Mittelstand. Häufig gibt es jedoch Schwierigkeiten bei der Umsetzung. Wie sich Firmen auf die Finanzierung innovativer Vorhaben vorbereiten sollten.

Unternehmen erhoffen sich einen Mehrwert. dpa

Digitalisierung

Unternehmen erhoffen sich einen Mehrwert.

MünchenDie Digitalisierung ist im Mittelstand angekommen. Nach der Entwicklung einer digitalen Strategie steht die operative Umsetzung an. Spätestens dann ist die Finanzierungsfrage ein zentraler Punkt. Schlägt der Unternehmer ohne die richtige Vorbereitung bei seiner Hausbank auf, so sind die Probleme programmiert. Banken und Sparkassen sind mit der Beurteilung von Digitalisierungsvorhaben schlichtweg noch überfordert, Investitionen in die Digitalisierung eignen sich nicht für eine Besicherung im herkömmlichen Sinn.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Was muss der Unternehmer tun, damit nicht die digitale Kreditklemme droht? Die Digitalisierung muss zunächst als eine Investition mit Einfluss auf Bilanz und Zahlungsstrom transparent gemacht werden. Entgegen klassischen Investitionen liegt der Schwerpunkt meist in der Qualifizierung von Fachkräften und in Ausgaben für immaterielle Wirtschaftsgüter. Je nachdem, ob die Digitalisierung das Erlösmodell und oder die Wertschöpfung betrifft, muss die Quantifizierung des Outputs abgeschätzt werden. Dies kann in Form einer Investitionsrechnung oder eines Businessplans erfolgen.

Der Einfluss der Digitalisierung auf die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens ist von der Branche abhängig. Die strategischen Implikationen können grundlegend verschieden sein. Bei komplexer Wertschöpfung liegt der strategische Fokus der Digitalisierung in einer Vernetzung mit dem Kunden. Neben der quantitativen Abschätzung sind die strategischen Ziele im Kontext der Branchenentwicklung im Businessplan zu bestimmen.

Digitalisierungsansätze weisen je nach Branche unterschiedliche Risikoprofile auf. Dies können Basisthemen zur Generierung und Pflege smarter Daten, die Implementierung von smarten Prozessen in der Wertschöpfungskette, die digitale Veredelung von Produkten und Services bis hin zu Ansätzen radikal neuer Wert- und Servicekonzepte betreffen. Der Einfluss der Digitalisierung auf das Geschäftsmodell bewegt sich zwischen gradueller Weiterentwicklung und radikaler Erneuerung. Nicht jede Digitalisierung ist für eine Fremdkapitalfinanzierung geeignet, die Finanzierung muss sich nach dem individuellen Risiko richten.

Neben der Kreditfinanzierung kommen weitere Finanzierungsformen wie Mezzanine Kapital, Private Debt oder eine Stärkung des Eigenkapitals durch Beteiligungskapital infrage. Die passende Mischung verschiedener Finanzierungsklassen ist für den Mittelstand ohne Zugang zum Kapitalmarkt ein wichtiger Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche Digitalisierung.

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