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07.05.2014

12:33 Uhr

Kreditkonditionen auf dem Prüfstand

Das Zinstief als Chance

VonAndreas Schulte

Für viele Unternehmen lohnt es sich, die eigene Finanzierung auf den Prüfstand zu stellen. Mittelständler sollten hier nicht allzu lange warten – die Zinsen könnten bald wieder steigen.

Wer Geld sparen will, sollte möglichst rasch seine Kreditverträge überprüfen. dpa

Wer Geld sparen will, sollte möglichst rasch seine Kreditverträge überprüfen.

KölnWas seine Firma an Zinsen bezahlen musste, fand Christoph Loch eindeutig zu viel. Die Betriebsmittelkreditlinie des Getriebebauers Atek betrug 1,5 Millionen Euro, der Zinssatz sieben Prozent. Bei voller Ausschöpfung hätte das Unternehmen aus Rellingen in Schleswig-Holstein pro Jahr 105.000 Euro Zinsen bezahlen müssen. Geschäftsführer Loch verhandelte bei seiner Bank nach und drückte den Zins auf 1,7 Prozent.

Das Erfolgsrezept: „Mittelständler müssen ihre Kreditwürdigkeit mit guten Zahlen und einem Rating unterstreichen. Dann können Banken, die sieben Prozent und mehr verlangen, den Zinssatz kaum noch begründen“, sagt Loch. Denn die Geldinstitute können sich während der derzeitigen Niedrigzinsphase von der Europäischen Zentralbank Geld zu einem Zinssatz von 0,25 Prozent leihen. „Die Marge ist mitunter unangemessen hoch“, sagt Loch.

Die Gelegenheit, ihre Kreditverträge zu überprüfen, sollten Mittelständler möglichst rasch ergreifen. Denn die Zinsen könnten bald wieder steigen. Die US-amerikanische Notenbank hat bereits ein Ende ihrer lockeren Geldpolitik in Aussicht gestellt. Weltweit würden Zentralbanken bei einer weiteren Erholung der Konjunktur dem Beispiel folgen. „Mittelständler sollten schnell ihre Finanzierungsstruktur überprüfen, bei den aktuellen Niedrigzinsen kann mit jedem Tag gespart werden“, sagt Achim Schulz, Geschäftsführer der Münchener Beratung Schulz & Partner.

Für wen sich Leasing wirklich lohnt

Was heißt leasen?

Grundsätzlich bedeutet das Wort "mieten" oder "pachten": Das heißt, ein Objekt, wie ein Auto, wird für einen bestimmten Zeitraum vermietet. Das Objekt bleibt im Besitz des Leasinggebers, der für die Vermietung eine laufende Gebühr bzw. mehrere Einmalzahlungen erhebt.

Attraktivität des Leasing

Der wohl größte Vorteil ist es, dass ein Vertrag häufig nur drei bis vier Jahre läuft. Autobesitzer können sich also die schlimmsten Werkstattkosten sparen und müssen sich nicht mit den Reparaturproblemen älterer Autos herumplagen. Auch um den gewinnbringenden Verkauf des Autos muss sich der Halter nicht selber kümmern. Der Vertrag läuft aus und der Leasingnehmer ist das Auto los.

Wie läuft ein Leasing-Geschäft ab?

Wenn Sie sich Ihr Wunschauto ausgesucht haben, dann müssen sie nur noch einen Leasinggeber finden. Neben dem Autohaus gibt es noch andere andere Anbieter, die zum Teil bessere Finanzierungskonditionen bieten: Neben den schon angesprochenen Einmalzahlungen - häufig am Anfang und am Ende des Vertrags, wird auf Basis des Fahrzeuges eine monatliche Rate berechnet. Mit Ablauf des Vertrages geht das Fahrzeug zurück in den Besitz des Leasinggebers. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit den Vertrag zu verlängern bzw. das Fahrzeug gegen Zahlung eines Restwertes zu erwerben.

Für wen sich Leasing lohnt

Vor allem für Selbstständige und für Firmen ist das Leasing eine gute Finanzierungsvariante, die die Kosten sofort und in voller Höhe steuerlich verrechnen können - die Zahlungen an das Finanzamt reduzieren sich dadurch. Und für kleine mittelständische Unternehmen hat Leasing den Vorteil, dass sie nicht teuer in eine eigene Flotte investieren müssen.

Unterschiedliche Leasing-Möglichkeiten

Die meisten Privatkunden leasen bei den Leasingtöchtern der großen Autohersteller. Das muss allerdings nicht immer die günstigste Option sein. Schauen Sie sich auf dem Leasingmarkt um.

Wann lohnt sich Leasing?

Leasing lohnt sich immer dann, wenn der Leasingnehmer gerne einen Neuwagen möchte und den wieder loswerden will, bevor er anfängt, Krankheiten oder Macken zu kriegen. Schließlich besteht der Leasing-Vertag selten länger als vier Jahre.

Wann lohnt sich Leasing nicht?

Je günstiger der Fahrzeugkäufer an einen Neuwagen kommt, desto unrentabler ist ein Leasingvertrag. Manchmal gibt es auf die Autos zusätzliche satte Rabatte. Die Finanzierungsmöglichkeiten für Kredite können zudem besser sein.

Abrechnung über Kilometer

Die häufigste Abrechnungsvariante ist das Kilometer-Leasing: Hier ist genau definiert, wie viele Kilometer der Kunde zurücklegen darf. Fährt man weniger, bekommt man Geld zurück, fährt man mehr, muss man drauf zahlen.

Natürlich wird nicht genau auf den Kilometer geschaut, häufig bleiben bis zu 2.500 Kilometer bei der der Berechnung außen vor.

Was ist Restwert-Leasing?

Bei dieser Variante wird ein Wert definiert, den der Kunde dann als Abschlusszahlung an den Leasinggeber zahlen muss, wenn er das Vertragsende erreicht hat. Das ist der Betrag, den das Auto erzielen würde, wenn er es an einen Gebrauchtwagenhändler verkaufen würde. Der Kunde muss allerdings nachzahlen, wenn der ursprünglich errechnete Fahrzeugwert nicht erreicht wird.

Die größten Probleme...

... sind Steinschläge, Dreck und die kleine Delle vom letzten Unfall: Häufig gibt es Streit zwischen den Leasingpartnern darüber, welche Form der Abnutzung bei einem drei bis vier Jahre alten Wagen noch normal ist. Dinge, die beseitigt werden können, sollten auch beseitigt werden. Ansonsten müssen diese Reparaturen nachgezahlt werden und das kann teuer werden.

Vor allem an Kontokorrentkrediten lässt sich sparen. „Nicht immer geben die Banken eine Zinssenkung der EZB weiter“, sagt Schulz. Die Kreditkonditionen der Banken unterscheiden sich daher deutlich. Das Zinsniveau liegt zwischen nur einem und rund 13 Prozent. "Deshalb lohnt es sich für fast jeden Unternehmer, hier nachzuverhandeln", sagt Schulz.

Gut vorbereitet sollten Unternehmen in das Gespräch mit ihrer Bank gehen. Ein klassischer Fehler gerade bei kleineren Firmen sei es, unvollständige Unternehmenszahlen vorzulegen oder das eigene Geschäftsmodell mangelhaft zu präsentieren, sagt Carl-Dietrich Sander, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes freier Berater. Experte Schulz ist davon überzeugt, dass allein ein professioneller Auftritt bei dem Kreditinstitut den Zins um ein bis drei Prozentpunkte senken kann.

Einer Umschuldung muss die Bank nicht zustimmen, sofern der laufende Kreditvertrag keine Kündigungsmöglichkeit vorsieht. Meist aber verlangt sie eine Gebühr für die Ablösung des Kredits - als Kompensation für den Zinsausfall. Die Höhe dieser sogenannten Vorfälligkeitsentschädigung ist oft strittig. Denn die Banken genießen bei der Berechnung vor allem von Immobilienkrediten einen Ermessensspielraum. Das Gesetz erlaubt Entgelte, die den Zinsausfall der Bank weit übersteigen. Erst beim Doppelten des tatsächlichen Verlusts wird die Forderung als sittenwidrig erachtet.

Bei Investitionskrediten sind die Regeln zur Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung klarer gefasst. Diese entspricht in etwa dem realen Zinsausfall, der der Bank durch die Auflösung entsteht. Sparen lässt sich hier aber auch: durch einen sogenannten Doppelswap. Dabei wird die Vorfälligkeitsentschädigung nicht als einmalige Summe bezahlt, sondern auf den günstigeren neuen Kredit umgelegt - und damit allmählich abgetragen: „So sichern sich Unternehmen ihre Liquidität“, erläutert Schulz.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

07.05.2014, 14:03 Uhr

Wie kann man die Zinseszins-Hyperbel beenden? Schon vor mehr als 2000 Jahren gab es das "Jubeljahr". Das war der Zeitpunkt 50 Jahre nach Aufnahme der Schulden, dann wurden die Schulden wieder auf den Ausgangswert zurückgestellt, die Zinseszinsentwicklung ging von neuem los. Wer in 50 Jahren seine Schulden nicht bezahlt hatte, konnte sich über das Jubeljahr freuen. Daher der Ausspruch "das kommt nur alle Jubeljahre vor". Eine einfache Lösung!

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