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07.11.2015

15:15 Uhr

Leasing

Mieten statt kaufen

VonJürgen P. Hoffmann

Unternehmen, die häufig bis immer Leasing zur Realisierung ihrer Investitionsvorhaben einsetzen, sind erfolgreich. Die Strategie hat sich bei der Firmenfinanzierung etabliert. Wo liegt der Haken?

Leasing ist besonders wichtig bei „Produkten mit kurzen Innovationszyklen, wie etwa IT-Hardware und Software“. AFP

GE-Leasinggesellschaft

Leasing ist besonders wichtig bei „Produkten mit kurzen Innovationszyklen, wie etwa IT-Hardware und Software“.

HamburgDie leistungsstarken, zentralen Netzwerkrechner sind das Zentrum seines virtuellen Marktplatzes: Über die Server läuft das gesamte Geschäft des Internet-Kaufhauses Hitmeister – einschließlich aller Produkt- und Kundendaten. Trotzdem will Gerald Schönbucher, Geschäftsführer von Hitmeister, möglichst wenig mit diesen Computern zu tun haben, er hat die 20 Server geleast – und die Wartung gleich mit.

„Das spart uns Zeit und Geld“, stellt er klar. Die Rechner, die nicht dem Kölner Unternehmen, sondern der Agathon Group gehören, stehen in einem Rechenzentrum des Leasinggebers in Hamburg. In der Bilanz der Hitmeister GmbH stehen die Rechner nicht, die Leasingraten kann Schönbucher als Betriebsausgaben aber steuerlich absetzen.

Im Mittelstand ist Leasing seit Jahren ein beliebtes Finanzierungsinstrument – insbesondere, weil der Unternehmer mit gleichmäßigen Kosten kalkulieren kann: Baufirmen leasen Kräne, Bauern leasen Mähdrescher, in vielen Fertigungshallen stehen Maschinen und auf vielen Unternehmensparkplätzen stehen Fahrzeuge, die einer Bank gehören.

Auf diese Klauseln sollten Sie beim Leasing achten

Bearbeitungsgebühren

Der Unternehmer sollte sich den Effektivzins der Finanzierung ausrechnen lassen -- und mehrere Angebote miteinander vergleichen. Im Optimalfall kontaktieren Unternehmer Hersteller, Banken und Leasinggesellschaften. Bearbeitungsgebühren oder vierteljährliche Vorauszahlungen gehen oft zusätzlich ins Geld.

(Quelle: Creditreform-Magazin.de)

Hersteller

Clevere Unternehmer wenden sich im ersten Schritt an den Hersteller und klären die Einzelheiten des Kaufvertrags vorab. So haben sie gleich ein Angebot in der Hand, aus dem sich die genauen Angaben zum Objekt ergeben. Das wiederum braucht die Leasinggesellschaft. Und sie erfahren, ob der Leasinggeber mit dem Hersteller eventuell kürzere Gewährleistungsfristen vereinbart hat - zum Nachteil des Leasingnehmers.

Nutzungsänderungen

Hier ist Vorsicht geboten, zum Beispiel beim Firmenwagen. Werden mehr Kilometer gefahren als vertraglich vereinbart, kann es teuer werden. Clevere Unternehmer überlegen vorab, wie sie das Objekt nutzen wollen. Im Zweifel frühzeitig den Anbieter kontaktieren und den Vertrag anpassen.

Nutzungsdauer

Die Laufzeit des Vertrags sollte maximal der Dauer der Nutzung entsprechen - andernfalls zahlt die Firma die Raten weiter, obwohl das Objekt nicht mehr zur Wertschöpfung beiträgt. Zu unterscheiden sind die unkündbare Grundlaufzeit von 40 bis 90 Prozent der AfA, falls der Leasinggeber das Wirtschaftsgut bilanziert, und die vereinbarte nutzungsabhängige Laufzeit.

Reparaturen

Das Leasingobjekt gehört der Gesellschaft oder der Bank - entsprechende Vorgaben bei Reparaturen sind zu beachten. Der Unternehmer sollte die Details seines Vertrags genau prüfen.

Steuern

In jedem Fall sollte der Firmenchef vor Vertragsabschluss die steuerlichen Aspekte mit einem erfahrenen Berater erörtern. Wer zum Beispiel den Investitionsabzugsbetrag nutzt, muss diesen beim Leasing später wieder gewinnerhöhend auflösen. Der Vertrag sollte so gestaltet sein, dass die Leasingraten als Betriebsausgaben absetzbar sind.

Zinsanpassung

In der Regel haben die Gesellschaften bei langfristigen Verträgen die Option, den Zins bei Veränderungen am Markt anzupassen. Es sollte klar nachvollziehbar und transparent sein, wann das erfolgen darf.

Allein 2014 wurden laut Branchen-Verband gut 50 Milliarden Euro in Leasinggüter investiert, im ersten Halbjahr 2015 waren es noch einmal sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. An erster Stelle unter den geleasten Ausrüstungsgütern liegen Fahrzeuge (72 Prozent), gefolgt von Produktionsmaschinen (11 Prozent) und Büromaschinen/IT (sechs Prozent).

Bei Hitmeister machen die Leasingraten für die Server etwa zwei Prozent der gesamten Kosten aus. „Das ist nicht viel“, findet Schönbucher. „Außerdem garantiert uns der Leasinggeber, dass unsere Server-Landschaft immer auf dem aktuellen technischen Stand ist.“ Joachim Secker, Chef der Leasinggesellschaft GE Capital Deutschland: „Das ist besonders wichtig bei Produkten mit kurzen Innovationszyklen, wie etwa IT-Hardware und Software.“ Hitmeister muss sich auch nicht um die Versicherung kümmern und kein Gehalt an Wartungsspezialisten zahlen.

Kai Renchen, Geschäftsführer der Online-Parfümerie Parfumdreams.de, hat neben seiner IT-Infrastruktur auch die Ladeneinrichtung seines Geschäfts in Pforzheim über die Deutsche Leasing für Sparkassen und Mittelstand finanziert. Das Volumen des Rahmenvertrages ist sechsstellig. „Das Finanzierungsleasing schont unsere flüssigen Mittel“, erläutert er einen Vorteil für sein Unternehmen. Das Eigenkapital sei nicht gebunden, er könne flexibel investieren – zum Beispiel ins Marketing: „Hier ist unser Liquiditätsbedarf besonders hoch.“

Mittelständler, die Leasing nutzen, sollten auch die Nachteile im Blick haben: Leasing-Objekte lassen sich nicht als Sicherheit bei einer Finanzierung verwenden. Und ein Leasingvertrag kann bei Zahlungsverzug gekündigt werden.

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