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12.11.2014

10:47 Uhr

Leasingkooperationen

Der Partner fürs große Ganze

VonMatthias Laukin

Eine Expansion kann für Unternehmen zur finanziellen Herausforderung werden. Deutsche Hersteller und Händler gehen deshalb immer öfter Kooperationen mit Leasingfirmen ein – und sparen sich den Ärger mit lokalen Banken.

Expansion ins Ausland? Damit Unternehmen sich nicht mit örtlichen Banken und Krediten herumschlagen müssen, gehen sie Partnerschaften mit Leasingfirmen ein. dpa

Expansion ins Ausland? Damit Unternehmen sich nicht mit örtlichen Banken und Krediten herumschlagen müssen, gehen sie Partnerschaften mit Leasingfirmen ein.

WiesbadenTrotz oder gerade wegen der aktuell zurückhaltenden Konjunkturprognosen nehmen immer mehr deutsche Unternehmen den Weltmarkt in den Fokus und wollen ihre Maschinen „made in Germany“ im Ausland verkaufen. Viele gehen sogar einen Schritt weiter und investieren direkt in den jeweiligen Auslandsmärkten. Für die Leasingbranche ist das eine Herausforderung und Chance zugleich. Die Kunden von Leasinggesellschaften erwarten, dass ihr Asset-Finance-Partner sie auch außerhalb Deutschlands mit Finanzierungslösungen begleitet. Darunter fallen in erster Linie Absatzfinanzierung im Ausland sowie Lösungen für Direktinvestitionen.

Viele Hersteller gehen eine Kooperation oder ein Joint Venture im Zielland gemeinsam mit ihrem Leasingpartner ein. So können sie international expandieren und zu ihren Produkten gleichzeitig eine passende Finanzierung anbieten. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass der Partner über eine Präsenz vor Ort verfügt. So steht kurzfristig ein Ansprechpartner zur Verfügung, der bei Bedarf die Verkaufsverhandlungen begleiten kann und danach Kontakt zum Kunden hält.

Die fünf Fallen beim Leasing

Restwertleasing

Finger weg vom Restwertleasing

Viele Leasingverträge enthalten Klauseln, nach denen der Leasingnehmer einen bestimmten Restwert des Fahrzeugs garantieren soll. Den setzen Leasingbanken und Händler häufig unrealistisch überhöht an und programmieren so eine Nachzahlung zum Vertragsende vor. Wer sich von niedrigen Raten locken ließ, kann so ein dickes Ende erleben. Leider bieten auch namhafte Herstellerbanken wie die Volkswagen Leasing und die Toyota Leasing Verbrauchern solche Verträge an.

Tipp: Lesen Sie den Vertrag vor der Unterschrift sorgfältig und in Ruhe durch. Unterschreiben Sie niemals beim Händler, sondern lassen Sie sich den Vertrag nach Hause mitgeben. Verweigert der Händler dies oder entdecken Sie eine Restwertklausel, wissen Sie, dass es sich um ein unseriöses Angebot handelt.

(Quelle: Rechtsanwalt Tobias Goldkamp)

Deckungslücke

Vorsicht Deckungslücke

Erleidet das Leasingfahrzeug während der Vertragslaufzeit einen wirtschaftlichen Totalschaden oder wird es gestohlen, kann es sein, dass trotz Vollkasko die Versicherungsleistungen nicht die fällige Ablösezahlung für die Leasingbank abdecken. Diese Lücke kann durch eine GAP-Versicherung geschlossen werden.

Tipp: Achten Sie darauf, dass eine GAP-Versicherung im Versicherungspaket enthalten ist.

Laufzeit

Feste Laufzeit

Finanzierungsleasingverträge werden fast immer auf eine bestimmte Laufzeit geschlossen und sind nicht vorzeitig kündbar. Das kann zum Problem werden, wenn sich Ihre Lebensumstände ändern und Sie das Auto nicht mehr brauchen oder nicht mehr bezahlen können.

Tipp: Manchmal kann über Leasingvertragsbörsen im Internet ein Interessent gefunden werden, der in einen laufenden Vertrag einsteigt. Trotzdem sollten Sie überlange Vertragslaufzeiten vermeiden.

Gewährleistung

Unzureichende Gewährleistung

Typischerweise schließen die Leasingbanken die mietrechtliche Sachmängelhaftung aus und treten dem Leasingnehmer stattdessen die kaufrechtlichen Sachmängelansprüche ab. Das bedeutet, dass sich der Leasingnehmer bei Mängeln an den Verkäufer halten muss und nicht ohne weiteres die Zahlung der Leasingraten an die Bank kürzen oder einstellen darf. Problematisch ist, dass die kaufrechtliche Gewährleistung nach spätestens zwei Jahren endet. Hat der Leasingvertrag eine längere Laufzeit, steht der Leasingnehmer im restlichen Zeitraum ohne Gewährleistung da.

So kann es dazu kommen, dass er das kaputte Auto nicht mehr nutzen kann, trotzdem weiter Leasingraten zahlen muss und das Auto am Ende auf eigene Kosten instand setzen muss, weil er gegenüber der Bank verpflichtet ist, es im ordnungsgemäßen Zustand zurück zu geben.

Tipp: Achten Sie auf eine möglichst weitgehende Herstellergarantie. Vermeiden Sie überlange Vertragslaufzeiten.

Abrechnungen

Falsche Abrechnungen

Jeden Tag erreichen uns falsche Leasingabrechnungen. Z.B. werden „Schäden“ in Rechnung gestellt, die nicht vorhanden oder als vertragsgemäße Gebrauchsspuren anzusehen sind. Nach wie vor schlagen viele Leasingbanken Mehrwertsteuer auf schadensbedingte Minderwerte auf, obwohl der BGH entschieden hat, dass diese Position nicht der Umsatzsteuer unterliegt.

Oft versuchen Banken und Händler, den Kunden bei der Rückgabe Protokolle und Formulare vorzulegen, mit denen zweifelhafte Begutachtungen oder Abrechnungspositionen anerkannt werden sollen.

Tipp: Unterschreiben Sie nichts, ohne es vorher sorgfältig und in Ruhe gelesen zu haben. Das ist Ihr gutes Recht! Reichen Sie Abrechnungen im Zweifel zur Prüfung ein.

Auch im Zuge von Direktinvestitionen zur Markterschließung - zum Beispiel durch den Aufbau einer Produktionsstätte oder eines Vertriebs- und Servicenetzes - nehmen Unternehmen das Angebot von Leasinggesellschaften wahr. Denn die Hausbanken der Firmen haben häufig wenig Erfahrung im Auslandsgeschäft und schrecken vor dem Risiko zurück.

Ebenso wenig kommt eine Finanzierung durch Banken vor Ort häufig nicht infrage, denn insbesondere Mittelständler sind dafür im Ausland nicht ausreichend bekannt. Deshalb bekommen sie kaum Zugang zu lokalen Bankkrediten.

Hier können Leasinggesellschaften helfen - weil sie sozusagen in beiden Welten zu Hause sind. Sie kennen die deutschen Unternehmen und können deren Bonität verlässlich einschätzen. Auf der anderen Seite sind ihnen durch ihr Auslandsnetz viele Märkte beziehungsweise Länder bekannt. So können sie ihre deutsche Unternehmenskunden bei ihren Investitionen im Ausland unterstützen.

Für die Leasinggesellschaften selbst, die den Schritt ins Ausland machen, stellen sich zahlreiche Fragen. So müssen bei der Gründung einer Tochtergesellschaft jenseits der Grenze unter anderem gesellschaftsrechtliche Themen, wie etwa die Rechtsform oder die Besetzung von Kontroll- und Leitungsorganen, berücksichtigt werden. Danach richten sich auch etwaige Anforderungen an das Eigenkapital. Um Finanzierungsleasing anbieten zu können, müssen bei den jeweiligen Landesbehörden unter Umständen Lizenzen beantragt werden - mit entsprechenden regulatorischen Hürden auch über die Gründung hinaus. Außerdem müssen geeignete IT-Standards entwickelt werden, um ein aussagekräftiges Reporting der Auslandsgesellschaften an die Zentrale zu gewährleisten.

Leasingfirmen in Schwellenländern: So gefährlich kann der Sprung ins Ausland sein

Leasingfirmen in Schwellenländern

So gefährlich kann der Sprung ins Ausland sein

Schwellenländer sind attraktiv und bieten Wachstumschancen. Auch Leasingfirmen haben das erkannt und engagieren sich im Ausland. Doch das birgt auch Risiken – was vor allem das Beispiel Osteuropa zeigt.

Erst wenn all diese Hürden genommen sind, können sie für ihre Kunden das entsprechende Know-how über die Rechts- und Steuersysteme des jeweiligen Landes, die örtlichen Besonderheiten, Mentalitäten und Wirtschaftsstrukturen entwickeln. Ein Netzwerk von Rechtsanwälten, Steuerberatern und Außenhandelskammern ist dabei nützlich, die Kunden im Ausland ganzheitlich beraten und betreuen zu können. Im Idealfall hat der Kunde dann vom ersten Gespräch bis zum Vertragsabschluss einen deutschsprachigen Ansprechpartner bei seinem Asset-Finance-Partner.

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