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10.05.2016

13:33 Uhr

Mittelstand

Fehlende Transparenz im Förderdschungel

VonJürgen P. Hoffmann

Das Förderangebot für Unternehmen ist unübersichtlich. Doch bei der richtigen Kombination der Förderprogramme kommen Betriebe schneller an ihr Geld. Spezielle Berater weisen den Weg zum passenden Programm.

Die Förderangebote für Unternehmen sollen besser werden. Die KfW-Förderbank arbeitet bei ihrer Neuausrichtung daran. obs

KfW bringt neues Logo an

Die Förderangebote für Unternehmen sollen besser werden. Die KfW-Förderbank arbeitet bei ihrer Neuausrichtung daran.

HamburgMustafa Azim hatte eine gute Geschäftsidee, aber kein Kapital. Als er vor 4,5 Jahren smartvie gründete, eine E-Commerce-Plattform als Konkurrenz zu Ebay, bemühte er sich, von der niedersächsischen Förderbank 18.000 Euro aus dem Zuschuss-Programm „Gründercampus“ zu erhalten. „Wir mussten einen Businessplan erstellen, zahlreiche Formulare ausfüllen und uns einer Jury vorstellen.“

Es dauerte zwei Monate, bis Azim das Okay bekam. Danach musste er für jede Mittelanforderung aus dem Programm des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung von seinem Steuerberater bestätigte Rechnungen vorlegen. 2014 entdeckte der 29-Jährige einen weiteren Fördertopf. Der stand bei der Kapitalbeteiligungsgesellschaft für die mittelständische Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen (KBG) zur Verfügung. Diese stärkt, wie ihre „Schwestern“ in anderen Bundesländern, Existenzgründer und wachstumsorientierte Unternehmen mit Mikromezzanine-Kapital.

Die 10 besten Ratschläge für Unternehmer

Hab Spaß

„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“

Glaub an dich

Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“

Glück ist eine Einstellungssache

„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist.

Versuchen ist gut, machen ist besser

Reiter rät jungen Unternehmern nicht zu „entscheiden“, wann sie gescheitert sind. „Scheitern passiert und es bleibt keine andere Wahl, als das Scheitern zu akzeptieren und daraus zu lernen.“ Getreu dem Motto von Meister Yoda in Star Wars: „Do or do not. There is no try!“.

Nutze alle Ressourcen

Haben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen.

Manchmal hilt nur: Zähne zusammenbeißen!

Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“

Gib dein Wissen weiter

Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“

The winner shares it all

Steuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt.

Verändere das Spiel der Könige

Was hat Unternehmertum mit Schach zu tun? Reagieren Sie im Business nicht nur auf die Züge des Gegners, sondern gehen Sie einen Schritt weiter über die Grenzen des Bretts hinaus, rät Thorsten Reiter. So werden die Regeln des Spiels neu definiert, das Feld wird erweitert und die Möglichkeiten sind plötzlich unzählig. Wer als Unternehmer gelernt hat, das Spiel zu durchschauen, hält einen Trumpf in der Hand, der die Konkurrenz ins Chaos stürzen kann. Reiter: „Manchmal ist ein vermeintlich irrationaler Zug der entscheidende Schlag, und was von außen wie Chaos erscheint, ist lediglich die strategische Wendung hin zum eigenen Competitive Advantage und ein echter Game Changer.“

Finde deine Antworten

Sind Sie ein Unternehmer? Haben Sie den Mut dazu, Ihr Leben – egal ob angestellt oder selbstständig – nachhaltig zu verändern? Ist das der richtige, der einzige Weg? Diese Fragen möchten Thorsten Reiter jedem potentielen Gründer mit auf den Weg geben, denn er kann lediglich Denkanstöße geben. Die Antworten darauf muss jeder für sich selber finden. Reiter: „Ob du ins Abenteuer Unternehmertum aufbrechen wirst, ob diese Reise für dich bestimmt ist, kannst nur du selbst sagen. Nur du kannst diese Antworten geben.“

Ein Fördermittelberater half dem smartvie-Gründer, ein Darlehen über 50.000 Euro zu bekommen. Die Laufzeit: zehn Jahre. Der Clou: Mit der Tilgung muss die Company erst im achten Jahr beginnen. „Das hat uns finanziell Luft verschafft und unternehmerische Sicherheit gegeben“, sagt Azim. Wie Mustafa Azim erscheint vielen jungen, kleinen und mittelständischen Unternehmern (KMU) die deutsche Förderlandschaft wie ein Dschungel. Rund 2.000 Programme existieren, die aus Landes-, Bundes- oder Europa-Mitteln gespeist werden. Fördergelder gibt es für Gründer und strukturschwache Regionen, Forschungsprojekte und Innovationen.

„Die Anforderungskataloge und Regularien umfassen bei einigen Programmkombinationen Hunderte Seiten“, sagt Anne Alsfasser, auf KMU spezialisierte Unternehmensberaterin: Sie rät, sich frühzeitig um Fördergelder zu kümmern. Nicht selten ziehe sich das Antragsprozedere länger hin. Das bremse vor allem Gründer, die schnell starten möchten. Diese sollten, so die Expertin, genau die Angebote der KfW-Bankengruppe studieren.

Für Start-ups, Unternehmensnachfolger und junge Unternehmer gibt es hier beispielsweise Zuschüsse zu Beratungskosten von bis zu 4.500 Euro im Jahr. Die Gelder für das Programm „Gründercoaching Deutschland“ aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) werden von der KfW ausgezahlt. Über die Hausbank lassen sich bei der KfW außerdem ERP-Darlehen für junge Unternehmen bis zu 100.000 Euro beantragen. Jahreszins: ab ein Prozent.

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