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22.10.2014

15:39 Uhr

Mittelstandsanleihen

Die große Schar der Gestrandeten

VonFlorian Flicke

Nur vier Jahre nach Start des ersten Marktsegments für Mittelstandspapiere in Deutschland, Bondm in Stuttgart, droht Minibonds das Aus. Schuld am Niedergang tragen vor allem die schwarzen Schafe unter den Emittenten.

Wo Geld zu verdienen ist, da tauchen unter den Anbietern meist auch schwarze Schafe auf. Getty Images

Wo Geld zu verdienen ist, da tauchen unter den Anbietern meist auch schwarze Schafe auf.

DüsseldorfDie Null steht. Was im Fußball als Ausdruck höchster Verteidigungskunst gilt, ist im Emissionsgeschäft an den Börsen Ausdruck einer fulminanten Pleite. Das gilt auch für die jüngste Spielzeit. Weder am Stuttgarter Marktplatz Bondm noch am Mittelstandsmarkt der Börse Düsseldorf, dem Segment m:access in München oder der vereinigten Mittelstandsbörse Deutschland der beiden Börsen Hamburg und Hannover wagte sich seit Ende des dritten Quartals 2013 ein mittelständisches Unternehmen mit einer Anleihe neu an den Kapitalmarkt. Das errechneten die Wirtschaftsprüfer von PwC in ihrer regelmäßigen Studie zum Emissionsgeschehen in Deutschland.

Auch die Börse in Frankfurt am Main - bis dato einziger Lichtblick unter den fünf Handelsplätzen - kann sich dem Negativtrend seit geraumer Zeit nicht entziehen. Gerade einmal 40 Millionen Euro betrug das Gesamtvolumen der neuemittierten Mittelstandsanleihen im zweiten Quartal 2014 im Frankfurter Entry Standard - im Vorjahreszeitraum waren es laut PwC noch 440 Millionen Euro gewesen. Beim hauseigenen Schwestersegment, dem Prime Standard für Anleihen, tut sich bereits seit dem ersten Handelstag dieses Jahres nichts Neues mehr.

Anleihen

Staats- und Unternehmensbonds

Eine Staats- oder Unternehmensanleihe ist ein Kredit an einen Staat oder ein Unternehmen. Die jährliche Zinszahlung ist eine Risikoprämie, der Zinskupon.

Rendite

Wie hoch die Rendite ist, errechnet sich aus diesem Kupon und dem Kurs der Anleihe. Denn sie kann oberhalb oder unterhalb ihres Nennwertes, der in der Regel bei 100 Prozent liegt, notieren. Bei Kursen unter 100 Prozent steigt die Rendite, bei Kursen darüber sinkt sie.

Risiko

Grundsätzlich gilt: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Orientierungshilfen, um das Ausfallrisiko einzuschätzen, sind die Noten der Ratingagenturen. Die Mehrheit der Anleihen wird von S&P, Moody’s und Fitch bewertet. Die Skala reicht von „AAA“ (höchste Bonität und so gut wie kein Ausfallrisiko) bis „C“ beziehungsweise „D“ (Zahlungsverzug).  

Investment Grade oder High Yield

Am Markt wird unterschieden zwischen Investment Grade – bis einschließlich „BBB-“ – und Non-Investment Grade, auch High Yield genannt – ab „BB+“.

„Die Mittelstandssegmente an den Börsen sind kaputt“, sagt Johannes Führ. „Kein solides Unternehmen würde derzeit dorthin gehen, um sich Kapital zu besorgen“, meint der ehemalige Vermögensverwalter, der selbst einen Fonds für Mittelstandsbonds managte, und heute Aufsichtsratschef bei der Fondsgesellschaft AMF Capital ist. Gar so krass wie Führ formuliert es nicht jeder Marktbeobachter, aber unbestritten ist: Nur gut vier Jahre nach Start des ersten Marktsegments für Mittelstandspapiere in Deutschland, Bondm in Stuttgart, droht Minibonds das Aus.

Schuld am Niedergang tragen vor allem die vielen schwarzen Schafe unter den Emittenten. Von zu spät gezahlten Zinsen bis hin zur Totalpleite reicht das Spektrum des Schreckens in der jungen Geschichte der Mittelstandsmärkte.

Allein im vergangenen Jahr sind nach Untersuchungen des Berliner Ratinghauses Scope zehn Anleihen mit einem Volumen von 380 Millionen Euro gefloppt. Anfangs sorgten vor allem abgestürzte Erzeuger alternativer Energien wie Solar Millennium oder Windreich für die Negativschlagzeilen.

Kommentare (1)

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Herr Peter Spiegel

22.10.2014, 15:57 Uhr

Auf den Bild ist wohl ein Anleger zu sehen.

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