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15.04.2014

12:33 Uhr

Private-Equity für den Mittelstand

Finanzinvestoren auf Schmusekurs

VonFrederic Spohr

Beteiligungsgesellschaften interessieren sich zunehmend für kleinere Betriebe und verzichten darauf, die Firma komplett umzukrempeln. Sie sind nicht mehr nur Geldgeber, sondern auch Berater und Netzwerker.

Inexio-Gesellschafter David Zimmer (r) hat sich Kapital über einen Private-Equity-Investor beschafft. Die Jungen Unternehmer / Anne Kreuz

Inexio-Gesellschafter David Zimmer (r) hat sich Kapital über einen Private-Equity-Investor beschafft.

KölnDer IT-Dienstleister Inexio aus Saarlouis ist ein junges Unternehmen auf Wachstumskurs - und benötigt dafür Kapital. Rund 50 Millionen Euro hat die Firma seit 2007 in den Ausbau von Glasfaserkabelnetzen in Westdeutschland, Belgien und Luxemburg investiert. Jetzt will das Unternehmen auch in Süddeutschland an Boden gewinnen - mit Hilfe des Finanzinvestors DBAG.

„Die zehnprozentige Beteiligung ermöglicht uns eine deutliche Stärkung des Eigenkapitals ohne uns den Launen des Kapitalmarktes auszusetzen, wie dies bei einem Börsengang der Fall gewesen wäre“, sagt David Zimmer, Gesellschafter von Inexio.

Dass sich Mittelständler Kapital über einen Private-Equity-Investor beschaffen, ist mittlerweile keine Seltenheit mehr. Die Beteiligungsgesellschaften haben volle Kassen und gehen bei der Suche nach Investitionsmöglichkeiten deshalb zunehmend auch auf kleinere Unternehmen zu. „Das Interesse von Private-Equity-Unternehmen am deutschen Mittelstand ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen“, sagt Peter Englisch, Leiter des Bereichs Familienunternehmen bei der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY. „Dabei akzeptieren viele Investoren mittlerweile auch Minderheitsbeteiligungen.“

Deutschen Unternehmern käme das sehr entgegen - denn viele würden um den Einfluss in ihrem Betrieb fürchten, wenn sie sich einen Finanzinvestor ins Haus holen, sagt Berater Englisch. Doch die Sorge sei meist unbegründet. Stattdessen profitieren viele Firmen: „Private-Equity-Unternehmen sind nicht nur Geldgeber, sondern auch Berater und Netzwerker“, sagt Englisch.

Die Chemie sollte allerdings stimmen. Inexio ließ sich deswegen Zeit bei der Partnersuche. „Wir wollten nicht unsere Seele verkaufen“, sagt Gesellschafter Zimmer. Mit einem anderen Investor war man sich schon fast einig, brach die Verhandlungen aber ab. Die Werte des Investors hätten mit denen Inexios, das sich als klassischer familiengeführter Mittelständler sieht, nicht zusammengepasst - vor allem, was den Umgang mit Mitarbeitern betrifft.

Für Inexio stehe eben nicht nur die Rendite im Mittelpunkt, sagt Gesellschafter Zimmer. Diesen Kurs kann er auch mit dem neuen Investor halten: „Die DBAG hat nur wenige Sonderrechte, die uns im Tagesgeschäft allerdings nicht tangieren oder gar einschränken.“

EY-Experte Englisch rät den Eigentümern, die Einflussmöglichkeiten der Investoren vor dem Verkauf gut zu überdenken. Ausklammern würde er Mitentscheidungen über wichtige Personalfragen oder über die Aufnahme weiterer Investoren. Allerdings gilt es abzuwägen: Je weniger Rechte der Investor eingeräumt bekommt, desto weniger wird er für seine Anteile auch bezahlen.

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