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02.11.2015

07:09 Uhr

Rechnungen weiterverkaufen

So kommen Sie an schnelles Geld

VonThomas Luther

Der deutsche Mittelstand entdeckt das Finanzierungsinstrument Factoring für sich. Für Unternehmen bietet die Factoring-Branche gewisse Vorteile: Das Risiko sinkt, die Liquidität steigt – gegen eine Gebühr.

Beim Factoring übernimmt die Factoringgesellschaft das Inkasso und oft auch das Risiko des Zahlungsausfalls. dpa

Brief mit Forderungen

Beim Factoring übernimmt die Factoringgesellschaft das Inkasso und oft auch das Risiko des Zahlungsausfalls.

DüsseldorfDer deutsche Mittelstand entdeckt das Factoring zunehmend als Finanzierungsform für sich. Einer im Frühjahr vom Bundesverband Factoring für den Mittelstand veröffentlichen Umfrage zufolge planen 15 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen den Einsatz dieses Finanzierungsinstrumentes. 2012 lag dieser Wert noch bei zehn Prozent. Passend dazu sind die Umsätze der Mitgliedsunternehmen des Deutschen Factoring-Verbandes im ersten Halbjahr 2015 gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 90 Milliarden Euro um mehr als elf Prozent auf 100,5 Milliarden Euro gewachsen. Die Kundenzahl kletterte im Jahr 2014 auf 18.900 - ein Plus von fast sieben Prozent gegenüber 2013. Über 95 Prozent der Factoringkunden kommen aus dem Mittelstand, mit denen die Verbandsmitglieder rund zwei Drittel ihres Umsatzes machen.

Wo der Mittelstand sein Geld anlegt

Sichteinlagen / Laufende Konten

Immerhin 86 Prozent aller Mittelständler lassen ihr Geld auf dem eigenen Konto liegen. Allerdings ihr Anteil deutlich gesunken. Im Vorjahr waren es noch 97 Prozent.

Quelle: Studie zum Finanzanlageverhalten und Finanzanlagebedürfnis mittelständischer Unternehmen von der Fachhochschule des Mittelstands

Festgeld / Termineinlagen

Auch beim Festgeld sind heutzutage keine hohen Zinsen mehr zu erwarten. Entsprechend sinkt die Nachfrage. Nur noch 82 Prozent legen ihr Geld mit Festgeldkonten oder Termineinlagen an, im Vorjahr waren es 87 Prozent.

Rentenfonds

Diese Anlageform hat im vergangenen Jahr rasant an Beliebtheit gewonnen. Mit 42 Prozent investierte fast jeder Zweite Mittelständler in Rentenfonds, im Vorjahr waren es gerade einmal 17 Prozent.

Gemischte Fonds

Wenn das Risiko steigt, hilft oft nur eine Differenzierung des Portfolios. Gemischte Fonds sind für 31 Prozent eine geeignete Anlageform (Vorjahr: 10 Prozent).

Aktienfonds

Während die Zinsen stagnieren, erreichen einige Aktienindizes neue Rekordhöhen. Darum wagen sich nun auch die Mittelständler an die Beteiligungen - 23 Prozent investieren in derartige Anlagen.

Geldmarktfonds

Auch die Geldmarktfonds sind wieder etwas stärker gefragt als im Vorjahr. Hier investieren 18 Prozent aller befragten Mittelständler.

Währungsanlagen

Die stagnierenden Wechselkurse sorgen für Verunsicherung. Keine Anlageform hat darum beim Mittelstand mehr Vertrauen eingebüßt. Nur noch 10 Prozent legen hier ihr Geld an, im Vorjahr waren es noch 31 Prozent.

Immobilienfonds

Die Immobilienkrise hat ihre Spuren hinterlassen. Nicht umsonst fragte kein einziger Mittelständler im Vorjahr nach Immobilienfonds. Dieses Jahr sind es immerhin rund zehn Prozent. Beruhigt sich die Lage?

Nachhaltige Anlage

Die Nachhaltigkeit bleibt auch bei der Geldanlage ein Trend - und wird damit auch interessant für den Mittelstand. Nach 5 Prozent im Vorjahr investiert mittlerweile jeder Zehnte Mittelständler in nachhaltige Geldanlageformen.

Alternative Anlagen

Gleiches gilt für die alternativen Anlagen, die vor allem in Niedrigzinsphasen an Attraktivität gewinnen. Sieben Prozent legen hier ihr Geld an, im Vorjahr waren es vier Prozent.

Garantiefonds

Auch die Garantiefonds sind zurück. Noch im Vorjahr hatte kein befragter Mittelständler in derartige Produkte investiert. Dieses Jahr sind es immerhin 7 Prozent.

Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen gegen eine Gebühr an einen spezialisierten Dienstleister. Vorteil: Der Rechnungssteller kommt innerhalb von wenigen Tagen an sein Geld, zudem übernimmt die Factoringgesellschaft das Inkasso und oft auch das Risiko des Zahlungsausfalls. Immerhin hat rund ein Viertel der kleinen und mittleren Unternehmen bereits erhebliche Probleme durch Forderungsausfälle erlebt. Meist steht für die Finanzverantwortlichen jedoch der Zugewinn an Liquidität im Vordergrund. „Der Einsatz von Factoring hat uns in der Phase unseres starken Wachstums die Möglichkeit gegeben, unser Working Capital vollständig aus dem laufenden Geschäft zu finanzieren“, sagt Max H.-H. Schaber, Vorstandschef der Datagroup. Durch den Verkauf offener Forderungen hat der IT-Dienstleister seine laufenden Kreditlinien schonen können, um diese Mittel für die Finanzierung zahlreicher Übernahmen und Akquisitionen seit 2006 zu nutzen.

Factoring ist aber auch deswegen attraktiv, weil das Unternehmen damit verschiedene Sicherungs- und Liquiditätsmaßnahmen unter einen Hut bekommt. „Wir brauchen zum Beispiel keine eigene Überprüfung der Kreditwürdigkeit unserer Kunden vorzunehmen“, erläutert Schaber. Der Factorer entscheidet, bis zu welcher Gesamtsumme er Forderungen gegenüber einem bestimmten Zahlungspflichtigen ankauft und übernimmt damit das volle Bonitätsrisiko. „Zudem können wir durch den Einsatz von Factoring mit festen Einnahmen planen und auf diese Weise unsere Liquidität genau steuern. Die Kosten dafür, ob unser Kunde Zahlungsziele voll ausnutzt, eventuell überzieht oder aber unter Ausnutzung von Skonto vorzeitig zahlt, differieren am Ende nur wenig“, so der Datagroup-Chef. Die meisten Factoringgesellschaften berechnen für die Bevorschussung der Forderung derzeit zwischen eineinhalb und drei Prozent pro Jahr - das ist nur ein Bruchteil dessen, was Banken aktuell für einen klassischen Kontokorrentkredit verlangen.

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