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02.11.2016

14:43 Uhr

Wachstumsförderung

Gute Idee sucht frisches Kapital

VonFlorian Flicke

Beim Thema Innovation hinken viele Mittelständler hinterher – oder scheitern an der richtigen Finanzierung. Dabei gibt es viele Angebote und Geldgeber, die herausragenden Ideen eine Basis verschaffen.

Das Unternehmen 3M entwickelt innovative Folien für unterschiedliche Kundenwünsche. Quelle: 3M

Rennauto

Das Unternehmen 3M entwickelt innovative Folien für unterschiedliche Kundenwünsche.

Quelle: 3M

DüsseldorfWer nach dem Prototyp des innovativen Unternehmens sucht, landet unweigerlich bei 3M. Der Technologiekonzern aus Minnesota mit weltweit rund 90.000 Beschäftigen bringt Jahr für Jahr mehr als 100 neue Produkte auf den Markt. Zudem hat sich 3M zum Ziel gesetzt, 40 Prozent der Umsätze mit Produkten zu erzielen, die weniger als fünf Jahre am Markt sind. Doch zwischen der Innovationskultur von 3M, dessen Hauptsitz hierzulande Neuss ist, und der vieler deutscher Mittelständler klaffen Welten.

Checkliste Digitales für Mittelständler

Quelle

Häufig wissen Mittelständler nicht, wie sie die Digitalisierung angehen sollten. Experte Thomas Denk vom Beratungshaus Deliberate in Böblingen empfiehlt ein strukturiertes Vorgehen.

1. Situation analysieren

Vor der Gestaltung der digitalen Transformation steht die Analyse. Was passiert gerade in meiner Branche, wie stellen sich die Konkurrenten auf, wo stehen wir und welche Ideen haben wir?

2. Erwartungen der Kunden erfüllen

Digitalisierung heißt, die veränderten Bedürfnisse der Kunden zu berücksichtigen. Hilfreich dabei: eine offene Kommunikation – direkt und über soziale Medien.

3. Kulturwandel vorantreiben

Kontinuierliche Veränderung ist notwendig. Dafür muss man bereit sein, Geschäftsprozesse ständig auf den Prüfstand zu stellen.

4. Datenqualität sichern

Nicht die Menge an Daten ist entscheidend, sondern ihre Qualität und Verknüpfung. Mittelständler sollten nur Daten erheben, die sie benötigen.

5. Ressourcen bereitstellen

Digitale Transformation wird von Menschen vorangetrieben. Dafür muss ein Chef Ressourcen bereitstellen und Know-how aufbauen.

6. Kommunikation sicherstellen

Unternehmen, die in Silos strukturiert sind, werden bei der digitalen Transformation scheitern. Benötigt wird permanenter Austausch über Motive, Ansätze und Ziele.

7. Digitalisierungsstrategie verankern

Die digitale Strategie muss Bestandteil der Unternehmensstrategie sein, klar definiert und schriftlich festgehalten werden. So kann jeder Mitarbeiter nachlesen, welche Auswirkungen sie auf das Alltagsgeschäft hat.

8. Klare Verantwortlichkeit schaffen

Digitale Transformation braucht Führung. Hilfreich ist dabei ein Chief Digital Officer, der Stratege, Projektmanager, Impulsgeber und Change Manager ist.

9. Risiken im Auge behalten

Bei jeder Veränderung darf die Arbeit an betrieblichen Abläufen und internen Strukturen nicht den Blick auf den Kunden verstellen.

10. Flexibilität schaffen, Netzwerk pflegen

Digitale Geschäftsmodelle entwickeln sich oft rasant, das erschwert Planungen. Neben der Strategiearbeit ist ein gutes Netzwerk aus Kunden, Partnern und Zulieferern wichtig.

11. Reporting aufsetzen

Digitalisierung lässt sich messen. Um Chancen auszuschöpfen, ist ein Reporting für das ganze Unternehmen notwendig.

Die KfW und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warnen, dass die Zahl innovativer Mittelständler sinkt und große Konzerne bei der Innovationsaktivität bald enteilt sein könnten. Viele Mittelständler machten den Fehler, sich mit ihren Produkten auf ihrer Weltmarktführerschaft in Nischen auszuruhen – ein trügerischer Glaube, denn durch die immer kürzeren Innovationszyklen holt die Konkurrenz schnell auf.

„Wir haben es bei den aktuellen Herausforderungen rund um die vielfältigen Themen des technologischen Wandels nicht allein mit Innovationen auf Produktebene zu tun. Es geht auch um tiefgreifende Strategie-, Organisations- und Prozessinnovationen“, sagt Sven Oleownik, Deutschlandchef der Investitionsgesellschaft Gimv.

Die Digitalisierungswelle erfasst alle Branchen. „Viele Unternehmen haben kaum eine Chance, diese hohe Innovationsgeschwindigkeit allein mit eigenen Mitteln zu realisieren“, meint Philipp Haberstock, Professor an der International School of Management in Hamburg. Um mitzuhalten, benötigten sie Mut zum Umdenken, eine neue Innovationskultur und Kooperationen mit Start-ups sowie Konkurrenten. Diese Welle des Corporate Venturing schwappt aus den Vereinigten Staaten herüber nach Deutschland. Große deutsche Konzerne, wie Bosch oder BMW haben längst eigene Inkubatoren gegründet. Mehr und mehr Mittelständler eifern den Konzernen jetzt nach.

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