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06.11.2016

08:43 Uhr

Warenverkehr im Fokus

Der Exportmotor stottert

VonFlorian Flicke

Schwache Schwellenländer und mögliche Unsicherheiten drohen, die internationale Expansion wieder zu hemmen. Das wollen mehrere Banken in einer gemeinsamen Studie herausgefunden haben.

Mit anderen Banken wurde eine Studie zu Exportaussichten aufgelegt. dpa

Zentrale der DZ-Bank in Frankfurt

Mit anderen Banken wurde eine Studie zu Exportaussichten aufgelegt.

DüsseldorfDer deutsche Mittelstand ist ein Synonym für Globalisierung. Doch seit Kurzem gerät die Auslandsaktivität mittelständischer Unternehmen ins Stottern – von der Öffentlichkeit noch weitgehend unbemerkt. Das Engagement deutscher Firmen fernab der eigenen Landesgrenzen ist im Frühjahr dieses Jahres zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen.

Die Verlierer der Weltwirtschaft

Großbritannien

2014: 2,435 ; 2030: 3,586 ; 2050: 5,744 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Zwar wird Großbritannien auch 2030 noch im Ranking der Top-Volkswirtschaften mit Platz zehn in der Top Ten sein. Doch 2050 sieht das anders aus: Rang elf.

Italien

2014: 2,066 ; 2030: 2,591 ; 2050: 3,617 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Italien wird in 35 Jahren auf Rang 18 zurückfallen. Die Prognose zeigt deutlich, dass Europa im weltweiten Vergleich weiter an wirtschaftlichem Gewicht verliert.

Frankreich

2014: 2,587; 2030: 3,418; 2050: 5,207 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Frankreich kommt schafft es bereits 2030 auf Rang elf und rutscht bis 2050 auf Platz 13.

Russland

2014: 3,559 ; 2030: 4,854 ; 2050: 7,575 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Russland wird bis 2050 auf Platz acht verdrängt.

Deutschland

2014: 3,621 ; 2030: 4,590 ; 2050: 6,338 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Drei europäische Staaten gehören derzeit zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt: Deutschland, Frankreich und Großbritannien. 2050 wird nur noch die Bundesrepublik in den Top Ten der wirtschaftlich leistungsfähigsten Staaten vertreten sein. Deutschland wird bereits 2030 auf Rang acht zurückfallen.

Japan

2014: 4,788 ; 2030: 6,006 ; 2050: 7,914 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Während Japan auch 2030 den vierten Platz verteidigt, wird das Land bis 2050 drei Ränge abrutschen und auf Rang sieben landen.

USA

2014: 17,416 ; 2030: 25,451 ; 2050: 41,384 (BIP in Milliarden US-Dollar, gewichtet nach Kaufkraftparität in Dollar)

Auch wenn die USA 2020 den zweiten Platz noch verteidigen können, werden sie 2050 von Indien auf Platz drei verdrängt. Dann wird drittstärkste Volkswirtschaft USA fast zweieinhalbmal so groß sein wie Indonesien (2050: Rang vier).

Mittlerweile sind nur noch 53,7 Prozent der befragten Unternehmen im Ausland tätig – ob als Exporteure, Importeure, im Rahmen eines Joint-Venture mit einem Partner, einer Kooperation oder einem eigenen Produktionsstandort. Vor einem Jahr waren es noch 57,4 Prozent. Das geht aus einer Studie von DZ Bank, WGZ Bank und des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hervor, für die 1500 Unternehmen befragt wurden.

„Verantwortlich für diesen Rückgang dürfte die Schwäche der Schwellenländer sein“, heißt es in der Untersuchung. Allein die Ausfuhren deutscher Güter nach China sind 2015 um knapp vier Prozent zurückgegangen. Dadurch ist China in der Rangliste der Exportländer auf Rang fünf abgerutscht. Gegen den Trend stemmt sich immerhin der Mittelstand aus Ostdeutschland: Die Zahl der auslandsaktiven Unternehmen stieg von 41,5 Prozent auf 45,3 Prozent, so die Studie.

Doch nicht nur auf Schwellenmärkten läuft es derzeit schlecht. Auch der Brexit, der drohende Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union, belastet die Firmenchefs. Jedes dritte Unternehmen erwartet, dass bürokratische Hemmnisse im Geschäft mit Großbritannien im Brexit-Fall zunehmen würden. Zudem würde das Vereinigte Königreich für jedes fünfte Unternehmen aufgrund der Zölle als Markt uninteressant.

Die Studie ergab zudem, dass Banken bei der Auslandsexpansion für den Mittelstand nicht nur reine Finanzierer, sondern primär gefragte Ratgeber sind. 40 Prozent der Unternehmer wünschen sich von ihrer Bank Aufklärung über die lokale Wettbewerbssituation im Ausland. Auf den nächsten Plätzen folgen die Vernetzung mit Partnern vor Ort, Informationen über die rechtlichen Bedingungen sowie Hilfe bei bürokratischen Hemmnissen.

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