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29.10.2016

16:26 Uhr

Zusätzliche Geldquelle

Produktion flexibler steuern

VonGian Hessami

Beim Finetrading finanziert ein Zwischenhändler den Einkauf. Immer mehr Mittelständler nutzen die Vorteile dieser bankenunabhängigen Dienstleistung – nicht nur als neue Form der Finanzierung.

Zwischenfinanzierte Rohstoffe. dpa

Kupferproduktion

Zwischenfinanzierte Rohstoffe.

AachenZeit ist Geld. Per Finetrading gewinnen Unternehmen Zeit. Bei dieser bankenunabhängigen Dienstleistung finanziert ein Finetrader, eine Art Zwischenhändler, den Einkauf. Der Lieferant profitiert vom Wegfall des Zahlungsrisikos, da der Finetrader direkt nach der Lieferung die Ware für den Einkäufer bezahlt. Er gewährt dem Unternehmen für die Rückzahlung einen Zeitraum, zum Beispiel bis zu 120 Tage. Dafür erhebt er eine Gebühr, die von der Bonität des Unternehmens und der Dauer der Nutzung abhängig ist.

Auf diese Klauseln sollten Sie beim Leasing achten

Bearbeitungsgebühren

Der Unternehmer sollte sich den Effektivzins der Finanzierung ausrechnen lassen -- und mehrere Angebote miteinander vergleichen. Im Optimalfall kontaktieren Unternehmer Hersteller, Banken und Leasinggesellschaften. Bearbeitungsgebühren oder vierteljährliche Vorauszahlungen gehen oft zusätzlich ins Geld.

(Quelle: Creditreform-Magazin.de)

Hersteller

Clevere Unternehmer wenden sich im ersten Schritt an den Hersteller und klären die Einzelheiten des Kaufvertrags vorab. So haben sie gleich ein Angebot in der Hand, aus dem sich die genauen Angaben zum Objekt ergeben. Das wiederum braucht die Leasinggesellschaft. Und sie erfahren, ob der Leasinggeber mit dem Hersteller eventuell kürzere Gewährleistungsfristen vereinbart hat - zum Nachteil des Leasingnehmers.

Nutzungsänderungen

Hier ist Vorsicht geboten, zum Beispiel beim Firmenwagen. Werden mehr Kilometer gefahren als vertraglich vereinbart, kann es teuer werden. Clevere Unternehmer überlegen vorab, wie sie das Objekt nutzen wollen. Im Zweifel frühzeitig den Anbieter kontaktieren und den Vertrag anpassen.

Nutzungsdauer

Die Laufzeit des Vertrags sollte maximal der Dauer der Nutzung entsprechen - andernfalls zahlt die Firma die Raten weiter, obwohl das Objekt nicht mehr zur Wertschöpfung beiträgt. Zu unterscheiden sind die unkündbare Grundlaufzeit von 40 bis 90 Prozent der AfA, falls der Leasinggeber das Wirtschaftsgut bilanziert, und die vereinbarte nutzungsabhängige Laufzeit.

Reparaturen

Das Leasingobjekt gehört der Gesellschaft oder der Bank - entsprechende Vorgaben bei Reparaturen sind zu beachten. Der Unternehmer sollte die Details seines Vertrags genau prüfen.

Steuern

In jedem Fall sollte der Firmenchef vor Vertragsabschluss die steuerlichen Aspekte mit einem erfahrenen Berater erörtern. Wer zum Beispiel den Investitionsabzugsbetrag nutzt, muss diesen beim Leasing später wieder gewinnerhöhend auflösen. Der Vertrag sollte so gestaltet sein, dass die Leasingraten als Betriebsausgaben absetzbar sind.

Zinsanpassung

In der Regel haben die Gesellschaften bei langfristigen Verträgen die Option, den Zins bei Veränderungen am Markt anzupassen. Es sollte klar nachvollziehbar und transparent sein, wann das erfolgen darf.

Der Vorteil für die einkaufende Firma: Sie kann ihre Waren dann bestellen, wenn sie produzieren will, und bezahlt erst, wenn sie am Markt Umsatz generiert. „Unsere Kunden entlasten ihre liquiden Mittel durch gezielte Einkäufe und nutzen diese Zeit, bevor sie die Lieferungen bezahlen müssen“, sagt Petri Pennanen, Geschäftsführer von WCF Finetrading. Dies macht die Firmen zahlungskräftiger. Die Kosten, die dabei entstehen, steuert das Unternehmen durch den Zeitpunkt der Rückzahlung. Je kürzer die Laufzeit, desto geringer die Kosten. „Finetrading macht Unternehmen flexibler und reaktionsschneller“, so Pennanen.

Die Vorteile von Finetrading nutzt auch die Wilhelm Schulz GmbH aus Krefeld. Das Unternehmen produziert Rohrverbindungsstücke aus Stahl und liefert diese weltweit an die Öl-, Gas- und Energiegewinnungsindustrie. Materiallager in wichtigen Regionen, etwa in Brasilien, USA und Singapur, garantieren schnellstmögliche Materialverfügbarkeit. Um die Lieferfähigkeit vor Ort gewährleisten zu können, hat die Firma Warenlager am jeweiligen Hauptsitz eingerichtet.

„Vorfinanzierungen und lange Zahlungsziele unserer ausländischen Kunden stellen uns immer wieder vor die Herausforderung, unser Wachstum zu finanzieren“, sagt Rainer Floeth, Geschäftsführer bei Wilhelm Schulz. Per Finetrading kann seine Firma die Lager vorfinanzieren. Das Unternehmen erhält mehr Spielraum und ist permanent lieferfähig. Weiter werden die Bankenlinien mit den aufwendigen Einlagerungen nicht blockiert, und die ausländischen Vertriebsgesellschaften erhalten ein verlängertes Zahlungsziel bis zu 120 Tagen, wie Floeth erklärt: „Finetrading verschafft uns die zusätzliche Liquidität, um die Herausforderungen unseres Geschäftes zu meistern.“

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