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28.02.2017

12:52 Uhr

Lee Jae-yong

Anklage gegen Firmenerben erschüttert Samsung

Im Korruptionsskandal in Südkorea werden die Ermittler Anklage gegen Lee Jae-yong erheben. Der Samsung-Erbe muss sich wegen Bestechung und Untreue verantworten. Der Konzern kündigt zugleich einen Umbau an.

Die Sonderermittler wollen Anklage gegen den starken Mann des Samsung-Konzerns erheben. Reuters, Sascha Rheker

Lee Jae-yong

Die Sonderermittler wollen Anklage gegen den starken Mann des Samsung-Konzerns erheben.

SeoulDer Korruptionsskandal um Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye erschüttert Samsung bis ins Mark. Die Staatsanwaltschaft erhob am Dienstag Anklage gegen den Chef des größten Konzerns des Landes, Jae Yong-Lee, und vier weitere Spitzenmanager. Ihnen wird Bestechung und Veruntreuung vorgeworfen.

Als Reaktion kündigte die Samsung-Gruppe einen Umbau an. Das Strategiebüro des Konglomerats wird aufgelöst und die einzelnen Töchter vom Handy-Bau bis hin zur Biotechnologie sollen künftig unabhängig tätig sein sowie von eigenen Vorstandschefs und Führungsgremien geleitet werden. Mehrere Top-Manager traten zurück. Davon ist auch der Smartphone-Riese Samsung Electronics betroffen, der noch mit den Folgen des milliardenschweren Brand-Debakels beim Vorzeige-Handy Galaxy Note 7 kämpft.

„Wir bitten für die gesellschaftliche Kontroverse und die Probleme, die wir verursacht haben, um Entschuldigung“, erklärte die Samsung-Gruppe. Lee befindet sich bereits seit dem 17. Februar in Untersuchungshaft. Hintergrund ist ein Ringen um die Erbfolge in der Firmen-Gruppe. Diese wird von ihm geführt, seit sein Vater Lee Kun-hee 2014 durch einen Herzinfarkt außer Gefecht gesetzt wurde.

Wie Samsungs Debakel mit dem Galaxy Note 7 immer größer wurde

2. August 2016

Samsung stellt das „Phablet“ mit der Bildschirm-Diagonale von 5,7 Zoll vor. Das Vorzeigemodell soll im oberen Preissegment punkten, in dem Apple mit seinem iPhone stark ist. Der Finanzdienst Bloomberg berichtet später, Samsung habe sich beeilt, es deutlich vor dem September-Marktstart des iPhone 7 auf den Markt zu bringen.

19. August

Das Galaxy Note 7 kommt in mehreren Ländern in den Handel. Nach und nach gibt es Berichte von Nutzern über brennende oder zumindest überhitzte Telefone. Ein Überblick über das Ausmaß des Problems fehlt zunächst.

2. September

An dem Tag, an dem das Note 7 unter anderem auch in Deutschland breit in den Handel kommen sollte, gibt Samsung eine weltweite Umtauschaktion bekannt. Zunächst ist von 35 bestätigten Zwischenfällen die Rede.

8. September

Die US-Flugaufsicht FAA und dann auch ihr europäisches Pendant EASA verbieten, Geräte des Modells in Flugzeugen zu nutzen oder aufzuladen. Sie dürfen auch ausgeschaltet nicht ins aufgegebene Gepäck.

16. September

In den USA gibt es auch einen offiziellen Rückruf über die Verbraucherschutz-Behörde CPSC. Dabei werden deutlich mehr Fälle bekannt. Allein in dem Land seien demnach 26 Verbrennungen und 55 Fälle von Sachbeschädigung gemeldet worden.

19. September

Samsung leitet den Austausch der Geräte ein. Zugleich wird der Verkauf von Beteiligungen an anderen Tech-Unternehmen im Wert von rund einer Billion Won (etwa 800 Mio. Euro) bekannt. Die Kosten des Rückrufs für Samsung werden auf mindestens eine Milliarde Dollar (rund 900 Mio. Euro) geschätzt.

22. September

Die südkoreanische Behörde für Technologie und Standards (KATS) fordert von Samsung vor der Wiederaufnahme des Verkaufs zusätzliche Sicherheitsprüfungen. Unter anderem solle jede Batterie für das Gerät einem Röntgentest unterzogen werden.

27. September

Samsung kündigt an, dass das Note 7 in Europa am 28. Oktober wieder regulär in den Handel kommen soll.

5. Oktober

Ein gerade ausgeschaltetes Note 7-Gerät in einem Flugzeug, das vor dem Abflug noch am Gate steht, gerät in Brand. Nach Darstellung des Besitzers ist es bereits ein Austauschgerät.

9. Oktober

Es werden vier weitere Fälle bekannt, in denen US-Verbraucher von Bränden mit Ersatzgeräten berichten. Zwei davon füllten demnach in der Nacht ein Schlafzimmer mit Rauch. Ein Telefon soll sich in den Händen eines 13-jährigen Mädchens in einer Schule entzündet haben. Die Mobilfunk-Anbieter AT&T, Verizon und T-Mobile US geben an ihre Kunden gar keine Note 7 mehr heraus.

11. Oktober

Innerhalb weniger Stunden stoppt Samsung erst den Verkauf der Geräte und gibt dann bekannt, dass die Produktion komplett eingestellt wird. Verbraucher werden aufgefordert, auch die Ersatzgeräte nicht mehr zu benutzen und zurückzugeben - oder gegen andere Modelle einzutauschen.

23. Januar 2017

Nach monatelangen Untersuchungen stellt Samsung seinen Bericht vor. Demnach gab es zwei verschiedene Fehler in den ersten Batterien und den Akkus der Austauschgeräte. Das Design des Smartphones selbst sei nicht das Problem gewesen.

Um seine Macht zu festigen, soll der 48-jährige Enkel des Unternehmensgründers Schmiergeld gezahlt haben, um die Zustimmung der Regierung zu einer wichtigen Fusion innerhalb des Mischkonzerns zu bekommen. Das Geld soll an Organisationen einer Freundin von Präsidentin Park geflossen sein.

Gegen die 65-jährige Park hat das Parlament wegen der Affäre im Dezember ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Lee drohen bis zu 20 Jahre Haft. Angeklagt wurden auch Lees Vize und Strategiechef Choi Gee-sung sowie Park Sang-jin, der Präsident von Samsung Electronics. Beide räumten daraufhin ihre Posten.

Parks Freundin Choi Soon-sil steht im Zentrum des Skandals, der das Land seit Monaten in seinen Grundfesten erschüttert. Sie soll sich in Regierungsgeschäfte eingemischt und mehr als 50 Konzerne zu Spenden an zwei Stiftungen genötigt haben, die politische Initiativen der Präsidentin unterstützen sollten. Lee, Park und Choi bestreiten ein Fehlverhalten. Am 6. März will der Sonderermittler seinen Abschlussbericht vorlegen.

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