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11.01.2017

18:43 Uhr

Lee Junior unter Verdacht

Samsung droht ein neuer Schlag

VonMartin Kölling

Samsung-Erbe Lee Jae-yong wird vom Zeugen zum Verdächtigen im Korruptionsskandal um Südkoreas Präsidentin Park. Ein Verlust des Thronfolgers wäre ein schwerer Schlag für den Familienkonzern.

Der Firmenerbe ist im Korruptionsskandal vom Zeugen zum Verdächtigen geworden. Reuters

Lee Jae-yong

Der Firmenerbe ist im Korruptionsskandal vom Zeugen zum Verdächtigen geworden.

TokioKorruptionsklagen sind für südkoreanische Konzernchefs ein Berufsrisiko. Nun droht dieses Schicksal auch Samsungs Thronfolger Lee Jae-yong. Ein Sonderermittler kündigte am Mittwoch an, den Vize-Chairman von Samsung Electronics am Donnerstagmorgen im Skandal um die ihres Amtes enthobene Präsidentin Park Geun-hye erneut zu vernehmen. Und zwar nicht als Zeugen, sondern erst einmal als Verdächtigen. Die Ermittler wollten nicht einmal eine Verhaftung ausschließen. „Alles ist möglich“, sagte der Sprecher des Ermittlerteams.

Ein Verlust des designierten Chefs wäre ein schwerer Schlag für den Familienkonzern. Denn Südkoreas größtes Unternehmen baut sich gerade drastisch um. Nur sind die Konzernstrukturen darauf ausgerichtet, dass das amtierende Oberhaupt der Gründerfamilie die Richtung vorgibt und riskante Investitionen absegnet. Und diese Person ist nicht der amtierende, schwer kranke Chairman Lee Kun-hee, sondern sein 48-jähriger Sohn Jae-yong.

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Es sind turbulente Zeiten, in denen Lee Jae-Yong an die Spitze von Samsung rückt. Was sich wie ein kleiner Schritt für den Enkel des Gründers anhört, ist ein großer Schritt für Südkoreas größten Konzern.

Ob Lee Junior die juristische Attacke parieren kann, ist ungewiss. Denn die Vorwürfe der Ermittler wiegen schwer. Demnach hat die Staatschefin die Großkonzerne gebeten, an Stiftungen und Unternehmen ihrer engen persönlichen Beraterin Choi Soon-sil zu spenden. Insgesamt flossen über 60 Millionen Euro an Choi. Doch Samsung war am spendabelsten.

Die Firmengruppe habe unter anderem 17,4 Millionen Euro an eine deutsche Firma von Choi und ihrer Tochter Chung Yoo-ra überwiesen, zur Unterstützung von Chungs olympischem Reittraining. Fast die gleiche Summe ist offenbar an zwei Stiftungen Chois geflossen. Die Ermittler gehen nun dem Verdacht nah, dass Choi eine wertvolle Gegenleistung erbracht hat. Sie soll 2015 über die Regierung Druck auf Südkoreas nationalen Pensions-Investmentfonds ausgeübt haben, eine umstrittene Fusion von zwei Samsung-Firmen zu unterstützen.

Dieser Zusammenschluss von Samsung C&T mit der damaligen De-facto-Holding der Gruppe Cheil Industries gilt als Schlüsselstein für die Kontrolle der Lee-Erben über die Samsung-Gruppe und vor allem das Flaggschiff Samsung Electronics. Aktionäre von Samsung C&T, darunter der Investmentfonds Elliott, hatten jedoch lautstark protestiert, dass die Firma zum Wohle der Familie unterbewertet worden wäre.

Die Geschichte von Samsung

Konzern mit langer Geschichte

Smartphones, Fernseher, Computer, Kameras, und und und: Samsung ist einer der größten Elektronikhersteller der Welt. Die Geschichte des südkoreanischen Mischkonzerns begann Ende der 30er Jahre.

Trockennahrung und Getreidemühlen

Den Grundstein des Konzerns legte der Südkoreaner Lee Byung Chul bereits 1938 mit gerade einmal 25 US-Dollar in der Tasche. Er verkaufte Trockennahrung nach China. Nur ein Jahrzehnt später hatte sein anfangs kleines Unternehmen bereits eigene Getreidemühlen und Maschinen zur Herstellung von Konfekt.

Umzug im Korea-Krieg

Während des Koreakrieges (1950-53) musste Lee Byung Chul die Hauptstadt Seoul verlassen, in Busan eröffnete er eine Zuckerraffinerie. Nach dem Krieg gründete er auch eine Textilienfirma und baute eine Fabrik.

Lebensversicherungen

1963 kauft das Unternehmen die Dongbang Lebensversicherungen auf und macht sie zur heutigen Samsung Lebensversicherung. Die Tochtergesellschaft ist größter Versicherer in Südkorea.

Fernseher und Kühlschränke

Ende der 1960er Jahre fängt Samsung an, Elektronik zu produzieren. So kommt 1970 ein Schwarz-Weiß-Fernseher auf den Markt. Vier Jahre später erweitert der Konzern seine Palette um Waschmaschinen und Kühlschränke.

Telekommunikationsausrüstung

1980 übernahm Samsung einen Hersteller von Telekommunikationsausrüstung – die Grundlage für das heutige Handygeschäft.

Generationswechsel und Umstrukturierung

Nach dem Tod von Firmengründer Lee Byung Chul 1987 übernimmt dessen Sohn Lee Kun Hee die Geschäfte. Er teilte den Konzern in vier Gruppen, darunter die heute so bekannte Elektroniksparte.

Autotelefone und Smartphones

In den 1980er Jahren brachte Samsung erste Autotelefone heraus. In den 1990er Jahren verkaufte der Konzern Handys, seit den 2000er Jahren auch Smartphones. Inzwischen ist Samsung der größte Anbieter in diesem Segment, noch vor Apple und Nokia.

Tablet-Computer und intelligente Uhren

Apple hat mit dem iPad den Tablet-Markt geschaffen, Samsung macht dem kalifornischen Konzern mit seinen Galaxy-Tab-Geräten aber inzwischen enorm Konkurrenz. Außerdem hat der südkoreanische Hersteller mit der Galaxy Gear eine Smartwatch herausgebracht.

Der Pensionsfonds hatte lange Zeit abgestritten, dass die Regierung Druck ausgeübt habe. Aber Ende Dezember nahmen die Ermittler den Fondschef Moon Hyung-pyo in Untersuchungshaft. Moon war zur Zeit der Fusion Gesundheitsminister und damit für die Kontrolle des Fonds zuständig.

Lee Junior hatte zwar bisher in Verhören und einer Anhörung des Parlaments abgestritten, dass die Zahlungen mit Gegenleistungen verbunden wären. Seine Zukunft hängt davon ab, dass er diese Linie verteidigen kann. Nur bröckelt die Front.

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