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22.03.2013

15:43 Uhr

Leighton

Führungseklat bei Hochtief-Tochter

Der Verwaltungsratschef der australischen Hochtief-Tochter Leighton tritt ab - und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Essener Baukonzern. Die Aktien des Baukonzern gehen auf Tiefflug.

Für den Essener Baukonzern Hochtief galt Leighton lange als Sorgenkind. Reuters

Für den Essener Baukonzern Hochtief galt Leighton lange als Sorgenkind.

Sydney/Düsseldorf/MadridBeispielloser Eklat bei der australischen Hochtief -Tochter Leighton : Der Chef des Verwaltungsrats, Stephen Johns, wirft ebenso wie zwei seiner Kollegen aus Ärger über die Essener Konzernmutter die Brocken hin. Der gegen erbitterten Widerstand von der spanischen ACS -Gruppe übernommene Hochtief-Konzern wolle Leighton die Unabhängigkeit nehmen, begründete Johns seinen Abgang. Hervorgetan habe sich dabei der von ACS an die Hochtief-Spitze entsandte Ex-ACS-Manager Marcelino Fernandez Verdes. "Wir stehen voll hinter der verbliebenen Leighton-Spitze", sagte ein Hochtief-Sprecher. Hochtief-Aktien schickte Johns' Rücktritt in den Sinkflug, sie waren am Freitag größter Verlierer im Nebenwerteindex MDax.

"Stephen Johns (..), Wayne Osborn und Ian Macfarlane haben heute ihren Rücktritt eingereicht", erklärte Leighton in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht. Damit kehrte die Hälfte der eigentlich sechs unabhängigen Mitglieder dem Gremium den Rücken. Die drei Kontrolleure seien der Ansicht, dass Hochtief entgegen früheren Vereinbarungen nicht mehr eine unabhängige Führung bei Leighton unterstütze. Das führte zum offenen Bruch: Die verbleibenden Leighton-Manager teilten diese Ansicht nicht, hieß es in einer später verbreiteten zweiten Mitteilung Leightons.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Der spanische ACS-Konzern habe sich die Mehrheit bei Hochtief gesichert und danach seinen Einfluss durch die Entsendung des ehemaligen ACS-Managers Verdes an die Hochtief-Spitze zementiert, schrieb Johns in einem offenen Brief. Verdes vertrete Hochtief auch bei Leighton - und habe dort etwa versucht, Einfluss auf die Besetzung eines eigentlich einem unabhängigen Kandidaten zustehenden Führungspostens zu nehmen. Es bestehe die ernsthafte Sorge um die Unabhängigkeit Leightons. Verdes habe trotz mehrfacher Aufforderungen nichts unternommen, um die Sorgen zu zerstreuen. ACS wollte sich nicht zu den Vorgängen bei Leighton äußern.

Hochtief ist mit rund 53 Prozent an Leighton beteiligt, 2011 hatten sich die Essener dort die Mehrheit gesichert. Hochtief selbst gehört nach einer erbittert geführten Übernahmeschlacht seit 2011 zur Baugruppe ACS. Verdes, der im November den Chefposten in Essen übernommen hatte, baut Hochtief nun um und will das Unternehmen auf Rendite trimmen. Der Spanier erwartet, dass auch Leighton höhere Margen erarbeitet und sich auf das Kerngeschäft fokussiert.

ACS: Hochtief-Mutter mit großen Verlusten

ACS

Hochtief-Mutter mit großen Verlusten

Die gute Nachricht: Das Unternehmen konnte seine Schuldenlast beinahe halbieren.

Zahlreiche Vorstände und Manager hatten Hochtief im Zuge der Machtübernahme durch ACS verlassen. In der Belegschaft hatte es immer wieder Befürchtungen gegeben, der unter Milliarden-Schulden ächzende ACS-Konzern könne Hochtief zerschlagen. Auch Gerüchte um einen Verkauf der Ertragsperle Leighton hatten die Runde gemacht - bewahrheitet haben sie sich indes bislang nicht.

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