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20.08.2011

10:08 Uhr

Leiharbeit

Zu viele Zeitarbeiter schaden dem Wettbewerb

VonAnna K. Bernzen

Deutsche Unternehmen setzen massiv auf Leiharbeiter. Dabei schieben sie gerne das Argument "Flexibilität" vor. Doch Wissenschaftler haben festgestellt, dass zu viele Zeitarbeiter die Wettbewerbsfähigkeit gefährden.

Motorenmontage bei BMW: Der Autobauer setzt im Aufschwung massiv auf Zeitarbeit. Quelle: PR

Motorenmontage bei BMW: Der Autobauer setzt im Aufschwung massiv auf Zeitarbeit.

DüsseldorfEine "Form moderner Sklaverei" sei die Zeitarbeit, wetterte Verdi-Chef Frank Bsirske unlängst. Auf die Beschäftigten warten eine miese Bezahlung, schlechte Arbeitszeiten und eine ungewisse Zukunft, zürnte der Gewerkschaftschef.

Bsirske weiß: Vom Autobauer BMW über den Flugzeughersteller Airbus bis zum Mischkonzern Thyssen-Krupp setzt die deutsche Wirtschaft im Aufschwung massiv auf Zeitarbeit. "Wir brauchen die Flexibilität", kontert BMW-Chef Norbert Reithofer. Der Autobauer steuert 2011 auf einen Rekordgewinn zu.

Jetzt haben die Kritiker neue Argumente. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) riskieren Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit, wenn zu viele Stammkräfte durch Leiharbeiter ersetzt werden. "Zu viel Leiharbeit erhöht die Lohnstückkosten", so das Institut.

Mehr als zehn Prozent Leiharbeiter sind zu viel, glauben Forscher.

Die Uni Erlangen hat das Problem bereits im vergangenen Jahr analysiert - und ist zu diesem Ergebnis gekommen: Überschreitet der Anteil der Zeitarbeiter zehn Prozent der Belegschaft, drohen die negativen Effekte der Zeitarbeit die positiven zu überwiegen.

Zwei negative Einflussfaktoren haben die Wissenschaftler des DIW nun identifiziert: Leiharbeitern mangelt es an unternehmensspezifischem Wissen und der Motivation, sich für den Arbeitgeber auf Zeit einzusetzen. Während die Unternehmen zunächst davon profitieren, dass Zeitarbeiter den Firmen zusätzliche Flexibilität verschaffen, wird dieser Effekt rasch verspielt, wenn dauerhaft Festangestellte ersetzt werden. Das gelte besonders für Fertigungsberufe in der Industrie.

Florian Lehmer vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bestätigt dies: Oft sei spezielles Wissen zur Branche, zu dem Unternehmen oder seinen Produkten wichtig. "Wo das der Fall ist, kann Leiharbeit zu Qualitätsverlust führen", so der Zeitarbeitsexperte.

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