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15.01.2010

09:52 Uhr

Leo Apotheker

Bei SAP geht die One-Man-Show weiter

VonJens Koenen

In der schwersten Krise baut der Softwarekonzern das Management um. Trotz Kritik soll der Vorstandschef Leo Apotheker erst mal allein weitermachen. Doch die Diskussion um einen zweiten Manager an der Konzernspitze ist damit nicht endgültig vom Tisch.

Leo Apotheker bleibt vorerst alleiniger SAP-Vorstandschef. Doch über eine Doppelspitze wird immer wieder diskutiert. dpa

Leo Apotheker bleibt vorerst alleiniger SAP-Vorstandschef. Doch über eine Doppelspitze wird immer wieder diskutiert.

FRANKFURT. Geduldig lauscht der Mann den Vorwürfen und nickt bestätigend. Sein Bemühen ist deutlich erkennbar. Leo Apotheker, bis dato alleiniger Chef des Softwareriesen SAP, hat dazugelernt. "Ja", die Kommunikation bei der Erhöhung der jährlichen Wartungspreise sei unglücklich gewesen, räumt er ein, und weiter: "Wir haben Verständnis für den Kostendruck, unter dem unsere Kunden stehen."

Es ist trübe an diesem Wintertag. Draußen, an den Fenstern des großen Konferenzraums in der SAP-Repräsentanz in Berlin, rauscht ein gewaltiger Guss nieder. Drinnen scheint auch nicht gerade die Sonne. Seit Monaten steht SAP unter Druck - und damit auch der Mann an der Spitze: Leo Apotheker. Der jahrelange Wachstumskurs ist vorbei, erstmals musste der Konzern im vergangenen Jahr Mitarbeiter entlassen.

Vor allem die gestern mit einem Einlenken von SAP beigelegte Wartungspreis-Debatte wird Apotheker angelastet, scheint sie doch genau das zu bestätigen, was einige schon beim Amtsantritt des frankophilen Weinkenners und ausgebufften Vertriebsprofis befürchtet hatten: Bei SAP regiert künftig Rendite vor Innovation.

Im Mai vergangenen Jahres übernahm Apotheker das Ruder beim weltgrößten Anbieter von Firmensoftware. Er ist einer, der blitzschnell denkt, gnadenlos analysiert und seine Ziele mit einer bis dahin bei SAP unbekannten Wucht und zuweilen frei von Diplomatie durchsetzt.

Bis heute ist es dem 57-Jährigen nicht so recht gelungen, seine Kritiker zu besänftigen, angesichts der harten Entscheidungen in der Krise auch ein kaum zu bewältigendes Vorhaben. Gleichwohl zeichnet sich ab, dass der in diesem Jahr auslaufende Vertrag von Apotheker verlängert wird. Schon in den nächsten Wochen werde die Entscheidung fallen, heißt es im Umfeld von SAP.

Gerüchte um "Co-CEO" belasten Leo Apotheker

Für den sprachbegabten Manager wäre das ein wichtiges Signal. Immer wieder tauchen Gerüchte auf, ihm würde schon bald ein "Co-CEO" zur Seite gestellt. Etwa vor wenigen Wochen, nachdem er nicht selbst vor wichtigen Entscheidern in Boston die neue Strategie vorstellte, die eine Reaktion darauf ist, dass Software immer stärker über das Internet genutzt oder gemietet wird. Für SAP ist das ein radikaler Wandel, lebt das Unternehmen doch vor allem von großen Lizenzkäufen der Konzerne.

Zahlreiche Manager von SAP waren nach Boston gereist, nur Apotheker fehlte. Sofort machte in den Technologie-Blogs die Runde, dass "Leo" wohl demnächst jemanden zur Seite gestellt bekommen werde. Auch Helmuth Gümbel vom Beratungshaus Strategy Partners und langjähriger Beobachter von SAP, forderte jüngst einen Umbau des SAP-Managements: "Ich denke, dass SAP einen Management-Wechsel braucht, und bin sicher, dass dieser im Jahr 2010 stattfinden wird", schrieb er in seinem Blog.

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