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15.07.2012

09:32 Uhr

Libor-Affäre

Privatbankier Metzler verklagt Deutsche Bank

VonPeter Köhler, Robert Landgraf

Nach dem Libor-Skandal verlangt Friedrich von Metzler Schadensersatz von der Deutschen Bank. In Frankfurt sorgt die Klage für Aufsehen. Denn der Bankier und das Geldhaus vertreten zwei völlig verschiedene Philosophien.

Die Deutsche Bank muss sich nach dem Libor-Skandal auf Klagen einstellen. dapd

Die Deutsche Bank muss sich nach dem Libor-Skandal auf Klagen einstellen.

Frankfurt„Goethe und das Geld“ - das Motto der Festwochen rund um den berühmtesten Sohn der Stadt Frankfurt könnte dieses Jahr angesichts der Affäre um den Libor-Zins nicht besser gewählt sein. Höhepunkt ist der „Faust“, das Drama von Johann Wolfgang von Goethe, das sich „wohl am intensivsten mit den Chancen und Risiken der modernen Wirtschaft auseinandersetzt“, wie es in der Ankündigung heißt. Und Friedrich von Metzler, der wohl bekannteste Privatbankier Deutschlands, wird im September seinen Beitrag leisten, indem er aus dem „Faust II“ liest, ein Werk, das ihn besonders umtreibt.

Schließlich geht es in dem Stück um Mephisto, den Kaiser und das überall fehlende Geld. Das Papiergeld wird nicht mehr durch Gold gedeckt, sondern durch „ungehobene Schätze“.

Die Parallele zur akuten Krise? Beim Libor-Skandal, der das Bankgewerbe derzeit erschüttert, geht es wie in dem literarischen Werk auch um Tricksereien. In den Hauptrollen sind dabei Geldhändler der Deutschen Bank. Sie halfen, einen Referenzzinssatz zu manipulieren, der als Basis für Finanzprodukte dient. Und von diesen Tricksereien ist auch das altehrwürdige Bankhaus Metzler betroffen, das sich jetzt mit der Deutschen Bank und anderen Großbanken anlegt und als eines der ersten Geldhäuser Klage in den USA einreichte.

Die Klage lässt die Finanzgemeinde in Frankfurt aufhorchen. Denn der Ratschlag des 69-jährigen Bankiers Friedrich von Metzler ist in der Branche gefragt wie nie. Schließlich hat sein Geldhaus in fast 340 Jahren schon ganz andere Desaster überlebt als die jetzige Finanzkrise. Zwei Weltkriege, eine Währungsreform - und schon zu Zeiten Napoleons wussten Metzlers Vorfahren Risiken richtig einzuschätzen.

Zuverlässigkeit schätzt auch der heutige Friedrich von Metzler, der Vermögensverwalter, Mäzen und graue Eminenz am Finanzplatz in einer Person ist. Zu Aktionismus neigt der gebürtige Dresdner nicht. Seine Entscheidungen sind stets wohlüberlegt. So auch im Fall des Libor-Skandals. Hier fordern die Privatbanker in den USA über ihre Tochtergesellschaft Metzler Investment im Rahmen einer Sammelklage Schadensersatz von der Deutschen Bank, mit der von Metzler eigentlich ein gutes Verhältnis pflegt. Schließlich hat er dort in jungen Jahren gearbeitet, kennt den Vorstand gut und ist Mitglied im Aufsichtsrat der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Doch es gibt Grenzen: Das Interesse der Kunden hat Vorrang. Für Metzler ist das keine Worthülse, sondern gelebte Realität.

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