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12.01.2009

09:36 Uhr

DÜSSELDORF

Heute wird Robert J. Koehler nicht in sein Vorstandsbüro in der Zentrale der SGL Carbon kommen: Es ist sein Geburtstag, an diesem Montag wird er 60. Eigentlich ein Tag für eine große Feier, aber der Chef des Wiesbadener Kohlenstoff-Herstellers bleibt lieber im kleinen Kreis. Selbst enge Vertraute in der Firma wissen nicht, wo Koehler sein wird. „Er will keinen Trubel um seine Person“, heißt es in seinem Umfeld.

Ganz von der Arbeit wird der Jubilar nicht lassen können, denn spurlos geht die globale Wirtschaftskrise nicht an der SGL-Gruppe vorbei. „Ich werde schon ein wenig arbeiten müssen“, sagt er selbst. Es gibt viel zu tun, auch wenn Koehler Gelassenheit anmahnt: „Die Frage ist, inwiefern die Finanzkrise tatsächlich auf die Realwirtschaft durchschlägt“, meint der gebürtige Münchner. Noch könne man die Folgen nicht absehen: „Vor uns ist eine Nebelwand.“

Koehler muss wachsam sein. Das global aufgestellte Unternehmen ist eng mit vielen Industriezweigen verflochten. Für Koehler galt dies als Garant gegen Ergebnisausfälle. Schwächelt eine Weltregion, gleicht eine andere die Rückgänge aus. Diese Krise aber ist anders, globaler.

Wie andere Unternehmer tritt Koehler daher bei den Ausgaben auf die Bremse. „Unsere Investitionen, die sich weiterhin auf einem hohen Niveau befinden, schauen wir uns genau an.“ Einige könnten um drei bis fünf Monate verschoben werden. Als Wachstumsfirma investiert SGL viel Geld in Forschung und neue Standorte. Letztes Jahr waren es 220 Millionen Euro – rund 15 Prozent des Umsatzes.

Fraglich, ob die Quote in diesem Jahr gehalten wird, denn die Einschläge kommen näher. Ein Kundensegment nach dem nächsten wird in den Strudel der Finanzkrise gerissen. Erst war es die Elektrostahlindustrie, an die SGL Elektroden liefert; dann folgten die Aluminiumhütten, die ihre Produktion drosseln mussten. Beide Branchen sind wichtige Kunden der Sparte Performance Products, die für knapp zwei Drittel des Umsatzes steht. Mittlerweile trifft es selbst die Windrad-Bauer, für die der Konzern Rotorblätter produziert.

SGL steckt als Weltmarktführer für Kohlenstofffasern mitten in der Krise. Koehler muss kämpfen, dass sein Lebenswerk – und das ist die SGL-Gruppe – nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen wird.

Der Zigarrenraucher und Beethoven-Freund steht seit Gründung der SGL-Gruppe im Jahr 1992 an der Spitze der früheren Hoechst-Tochter. Viele Höhen und Tiefen hat er erlebt. Prägend dürfte der Fast-Zusammenbruch sein, der durch eine Kartellstrafe und die Asienkrise ausgelöst wurde. Um eine Pleite abzuwenden, greift Koehler 2003 mit harter Hand durch, schließt Standorte und verkauft defizitäre Randbeteiligungen.

Die Sanierung war erfolgreich, im Jahr 2008 steht das Unternehmen so gut da, wie nie zuvor. Bei der Bilanzvorlage am 18. März wird Koehler, intern „RJK“ genannt, ein Rekordergebnis bekannt geben. 2008 sei planmäßig zu Ende gegangen: „Wir hatten trotz der Finanzkrise ein gutes viertes Quartal und müssen an unserer gegebenen Prognose keinerlei Abstriche machen.“ Der Umsatz ist damit auf 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro und der operative Gewinn (Ebit) auf rund 300 Millionen Euro geklettert.

Mit diesem Wachstum im zweistelligen Prozentbereich im Rücken kann Koehler morgen entspannt zum ersten Investorentreffen des Jahres nach New York fliegen. Das Pendeln zwischen den Kontinenten ist der kompakt gewachsenen Mann gewohnt, arbeitete er doch lange Zeit in Südamerika und Großbritannien.

Die von Dresdner Kleinwort geladenen Anleger werden Koehler vor allem eine Frage stellen: Wie geht es weiter in der Krise? Der Vorstandschef wird dann einen ersten Blick nach vorne wagen: „Beim Ergebnis werden wir vor dem Hintergrund der Finanzkrise zwar unter dem Rekordergebnis des Jahres 2008 liegen, aber beim Umsatz sollten wir einen Zuwachs schaffen.“ Ein kleiner Lichtblick im Nebel.

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