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27.04.2014

16:04 Uhr

Lidl, Aldi & Co. buhlen um Fachkräfte

Karriere beim Discounter

Lange standen Discounter im Ruf ihren Mitarbeitern miese Arbeitsbedingungen zu bieten. Doch die Ketten arbeiten an ihrem Image: Nur Paletten in den Laden schieben und die Kartons aufreißen - das war einmal.

Als Arbeitgeber hatte der Discounter lange Zeit keinen guten Ruf. Reuters

Als Arbeitgeber hatte der Discounter lange Zeit keinen guten Ruf.

NeckarsulmBespitzelung von Mitarbeitern, Leistungsdruck Kontrolle und Willkür - fast zehn Jahre ist es her, dass die Gewerkschaft Verdi in einem „Schwarzbuch“ die Lage bei der Schwarz-Gruppe anprangerte, zu der unter anderem die Handelskette Lidl gehört. „In der Vergangenheit hatte Lidl als Arbeitgeber keinen guten Ruf“, sagt Bernhard Franke, Handelsexperte bei der Gewerkschaft Verdi in Baden-Württemberg. „In den vergangenen Jahren gibt sich das Unternehmen mehr und mehr Mühe.“

Der Handel habe in den letzten Jahren viel in die Verbesserung der Arbeitgeberattraktivität investiert, bestätigt auch Winfried Malcher, als Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands (HDE) für Bildung zuständig. Nach Frankes Einschätzung ist der Wandel nicht ganz freiwillig geschehen: „Der Handel konkurriert auch verstärkt mit anderen Branchen“, sagt er. Insbesondere die Discounter buhlten mehr und mehr um gutes Personal.

So gewinnen Unternehmen neue Mitarbeiter

Platz 7

Wenn die Deutschen nach einem Job suchen, ist für sie der Ruf des Unternehmens als ausgezeichneter Arbeitgeber sehr wichtig. Besonders für Leistungsträger ist dieser Punkt von Bedeutung: Bei der Befragung nannten sie ihn als viertwichtigsten Aspekt. Nachwuchstalente hingegen halten den Ruf einer Firma für nicht so bedeutend: Bei ihnen schaffte es das Ansehen nur auf den zehnten Platz.

Platz 6

Wer neue Mitarbeiter an Bord holen will, sollte ihnen auch Chancen einräumen, die Karriere voranzutreiben. Gerade für Nachwuchstalente zählt dies zu den wichtigsten Bedingungen: Sie wählten den Aspekt auf den zweiten Platz.

Platz 5

Auch die Anbindung ihres Standorts sollten die Unternehmen berücksichtigen. Denn der Punkt „Bequem zu erreichender Arbeitsort“ holt den fünften Platz bei Beschäftigten und Leistungsträgern. Nachwuchstalenten macht eine lange Anreise dagegen offenbar wenig aus - der Punkt gehört bei ihnen nicht zu den zehn wichtigsten Punkten.

Platz 4

Eine herausfordernde Arbeit wünschen sich viele Mitarbeiter. In der Rangliste kommt dieser Treiber auf den vierten Platz. Leistungsträger sehen ihn sogar als wichtigste Voraussetzung für ihren Job, bei den Nachwuchstalenten ist es die drittwichtigste.

Platz 3

Mitarbeiter fordern zudem ein hohes Maß an Eigenständigkeit. Nur für Nachwuchstalente ist der Aspekt (noch) nicht ganz so wichtig: Während Beschäftigte und Leistungsträger den Punkt auf den dritten Platz wählten, schafft er es bei den Hoffnungsträgern lediglich auf den vierten.

Platz 2

Geld gehört für die Deutschen zu einer ganz wichtigen Voraussetzung, wenn sie einen Job annehmen. Das Grundgehalt holt in der Rangliste daher Silber. Interessant dabei: Für Leistungsträger (Platz neun) und Nachwuchstalente (Platz fünf) spielt der Lohn nur eine untergeordnete Rolle.

Platz 1

Und es siegt - die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Für die Beschäftigten in Deutschland ist ein sicherer Job das wichtigste - auch bei Nachwuchstalenten. Für Leistungsträger ist ein fester Arbeitsplatz zwar auch wichtig (Platz zwei), aber nicht am wichtigsten.

Denn die Anforderungen steigen. Die Hoch-Zeit der Billig-Läden ist genauso vorbei, wie das Lagerhallen-Ambiente der Vergangenheit angehört. Das Sortiment wächst seit Jahren, mit frischem Obst und Brot - aber auch Fisch und Fleisch bewegen sich Lidl, Aldi & Co. inzwischen immer mehr in Richtung eines Supermarktes. Nur Paletten in den Laden schieben und die Kartons aufreißen - das war einmal.

Das bleibt nicht ohne Folgen. Bei Lidl ist die Anzahl der Mitarbeiter je Filiale in den vergangenen zehn Jahren von 11 auf 17 gestiegen. Die Verkaufsflächen waren 2013 um 11 Prozent größer als 2003. Bei Aldi sieht es ähnlich aus. Die Verantwortung steigt - insbesondere für die Filialleiter, die nicht nur Mitarbeiter organisieren, sondern auch mal selber Kisten auspacken und an der Kasse sitzen.

Lidl will deshalb genau diese Position aufwerten: Die 3300 Filialleiter in Deutschland bekommen Schulungen, sollen besser bezahlt werden und einen Dienstwagen erhalten. Die Rede ist von der größten Weiterbildungsmaßnahme in der Unternehmensgeschichte. Sie soll den neuen Filialleitern auch weitere Aufstiegschancen bieten.

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