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20.05.2011

00:00 Uhr

Literatur zum Thema

Frauen, wir schaffen das!

VonTanja Kewes

Zu wenige Frauen in Führungspositionen? Endlich äußert sich nach Journalistinnen, Politikerinnen und Beraterinnen eine Managerin zum Thema: Marianne Heiß, Finanzchefin der Werbeagentur BBDO.

Marianne Heiß (38) ist Finanzchefin der BBDO-Werbeagenturen in Europa. Quelle: Pressefoto BBDO

Marianne Heiß (38) ist Finanzchefin der BBDO-Werbeagenturen in Europa.

DüsseldorfWarum, warum, warum? Warum gibt es so wenige Frauen in Führungspositionen in Deutschland? Warum sind gerade einmal nur 3,2 Prozent oder 29 von 906 Vorständen der 100 größten deutschen Unternehmen weiblich? Diese Frage trieb Marianne Heiß um und an. Denn schließlich hat sie selbst es ja geschafft. Die 38-Jährige ist Finanzchefin der BBDO-Werbeagenturen in Europa.

Warum haben es nicht noch andere Frauen so weit gebracht? Heiß grübelte erst selbst und ging dann in der wissenschaftlichen Literatur auf Spuren- und Ursachensuche. Die Antworten reichten ihr jedoch nicht aus. Deshalb stellte sie diese Frage schließlich 40 anderen Frauen in Führungspositionen. Die Antworten spiegelte sie mit den Forschungsergebnissen und trug beides in ihrem Buch "Yes she can" zusammen. Nur das letzte Kapitel überließ sie einem Mann, ihrem Ehemann.

"Yes she can!" - der Titel natürlich angelehnt an den Leitspruch des ersten schwarzen US-Präsidenten Barack Obama - ist das Buch einer Managerin, die einer Sache unaufgeregt auf den Grund gegangen ist. Herausgekommen ist eine sachliche Analyse, die Frauen auf dem Weg nach oben Mut machen und praktische Hilfe geben will und zugleich auch Unternehmenslenker überzeugen will, sich des Themas (endlich) anzunehmen - und zwar nicht aus Gutmenschentum, sondern aus ökonomischer Notwendigkeit und Überzeugung. "Es ist doch eine einfache wirtschaftliche Gleichung. Wenn wir so weitermachen wie bisher, kann in fünf Jahren die deutsche Wirtschaft nicht mehr wachsen, weil uns schlichtweg die Arbeitskräfte fehlen", schreibt Heiß.

Das im Redline-Verlag erschienene 200-Seiten-Werk ist nach "Die Feigheit der Frauen" der früheren taz-Chefredakteurin Bascha Mika, und "Verschenkte Potenziale?" der Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung Jutta Allmendinger ein weiteres Buch, das um die Frage kreist, warum es so wenige Frauen in Führungspositionen gibt. Anders als Mika und Allmendinger, die sich in Berlin auch zu Streitgesprächen und -lesungen getroffen haben, ist Heiß' Buch eine eher sachliche Analyse. Die direkte Auseinandersetzung scheut sie aber nicht. Das Thematisieren unbequemer Wahrheiten wie die niedrige Frauenquote in deutschen Führungsetagen ist sie gewohnt: "Als Finanzverantwortliche bin ich häufig der 'bad guy'."

40 Managerinnen machten mit - blieben aber bis auf eine anonym.

"Yes she can" ist nicht das erste Buch der Managerin. Ihr erstes Werk "Strategisches Kostenmanagement in der Praxis" erschien 2004 im Gabler Verlag. Der Stil ihres Zweitlings ist vielfältig und kurzweilig. Beobachtungen und Zitate, wie jenes von US-Präsidenten Barack Obama, in dem er erklärte, dass seine Frau "intelligenter und beeindruckender" sei als er selbst, wechseln sich mit Zahlen und Statistiken ab. Heiß verfällt dabei aber nicht in die typische Expertensprache. Begriffe wie "gläserne Decke" und Phänomene wie das der "homosozialen Reproduktion" erklärt sie direkt.

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