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23.04.2013

16:36 Uhr

Lizenzgebühr kommt

Preisexplosion beim Warentest-Siegel

ExklusivWer bislang ein Produkt mit einem Siegel der Stiftung Warentest bewerben wollte, musste 500 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen. Nach Informationen des Handelsblatt gibt es demnächst einen kräftigen Preissprung.

Titelseite einer Ausgabe von „test“ vor der Zentrale der Stiftung Warentest in Berlin. dapd

Titelseite einer Ausgabe von „test“ vor der Zentrale der Stiftung Warentest in Berlin.

DüsseldorfOb in TV-Werbespots, in Zeitungsanzeigen oder Internet-Bannern: Firmen werben gerne damit, wenn die Stiftung Warentest eines ihrer Produkt mit einer Note wie „gut“ oder „sehr gut“ bewertet. „Ein betriebswirtschaftlicher Effekt ist in gewissem Umfang da“, sagt ein Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft zu Handelsblatt Online. Und da die Stiftung um den Nutzen weiß, ist sie selbstbewusst genug, jetzt eine deutliche Preiserhöhung für die Siegel durchzusetzen.

Nach Informationen des Handelsblatts will die Stiftung zum 1. Juli ein Lizenzsystem einführen. Statt bisher 500 Euro Bearbeitungsgebühr, um mit dem Logo zu werben, sollen dann mindestens 7000 Euro fällig werden. Für diesen Betrag soll es das Recht geben, ein Jahr lang auf Verpackungen, in Zeitungen und Zeitschriften oder im Internet mit dem Gütesiegel zu werben. Zwei Jahre sollen 10.000 Euro kosten, für Fernseh- und Kinowerbung gelten deutlich höhere Sätze. Der ZAW sieht in der Gebührenerhöhung einen Trend von Verbraucherorganisationen „an die Fleischtöpfe der Wirtschaft zu wollen.“

Die wertvollsten deutschen Einzelhandelsmarken (2013)

Rang 10

Douglas

Markenwert: 238 Millionen Dollar
im Vorjahr nicht in den Top 10

Rang 9

Netto

Markenwert: 262 Millionen Dollar
minus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 8

Obi

Markenwert: 283 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 7

Rewe

Markenwert: 459 Millionen Dollar
plus 5 Prozent gegenüber 2012

Rang 6

dm

Markenwert: 485 Millionen Dollar
plus 19 Prozent gegenüber 2012

Rang 5

Kaufland

Markenwert: 551 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 4

Media Markt

Markenwert: 1,3 Mrd. Dollar
minus drei Prozent gegenüber 2012

Rang 3

Edeka

Markenwert: 1,5 Mrd. Dollar
plus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 2

Lidl

Markenwert: 1,52 Mrd. Dollar
plus acht Prozent gegenüber 2012

Rang 1

Aldi

Markenwert: 2,9 Mrd. Dollar
minus sieben Prozent gegenüber 2012

Quelle

Interbrand, März 2013

Beim Konsumgüterriesen Procter & Gamble (P&G) freut man sich, regelmäßig bei den Tests gut abzuschneiden und die Siegel verwenden zu können. Jüngst hätten etwa elektrische Zahnbürsten der Marke Oral-B gut abgeschnitten. „Von der Stiftung selbst haben wir noch keine Informationen über das künftige Modell“, sagt eine P&G-Sprecherin. Doch es könnte möglicherweise „Kategorien geben, wo wir das Siegel nicht mehr einsetzen werden.“ Beim Lebensmittelkonzern Nestlé setzt man das Siegel ebenfalls ein, aber immer abhängig vom Einzelfall. Die angepeilten Preise ließen das Warentest-Siegel dann aber in Konkurrenz zu anderen kostenpflichtigen Siegeln wie Ökotest treten. Und je nach Produkt gebe es unterschiedlich attraktive Siegel – bei Cremes etwa auch Verträglichkeitssiegel.

Die Stiftung Warentest ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts. Ihr Ziel ist die Förderung des Verbraucherschutzes, ihr Glaubenssatz die Unabhängigkeit. Ihre Einnahmen generiert die Stiftung durch den Verkauf der werbefreien Zeitschriften „Test“ und „Finanztest“ sowie aus den Erträgen des Stiftungskapitals von 50 Millionen Euro.

Letzteres ist vermutlich der Grund dafür, warum die Stiftung eine neue Erlösquelle braucht. Das Jahresergebnis für 2012 wird voraussichtlich im Minus liegen. Schuld daran sei die Niedrigzinsphase, sagte Stiftungsvorstand Hubertus Primus dem Handelsblatt. Seinen Berechnungen nach werden die künftigen Lizenzgebühren einen Anteil im einstelligen Prozentbereich des Gesamterlöses ausmachen.

Bedenken, die Stiftung könnte ihre Unabhängigkeit verlieren, wenn sie mit den Unternehmen Geschäfte macht, weist er zurück. Die Verträge würde nicht die Stiftung selbst abschließen, sondern die gemeinnützige RAL gGmbH. „Wir nutzen die zusätzlichen Einnahmen, um die Unternehmen besser kontrollieren zu können“, sagt Primus. So werde man künftig Nachkontrollen durchführen, um zu verhindern, dass die Hersteller, wenn sie von einem Test erfahren, die Produktqualität kurzfristig erhöhen.

Kommentare (4)

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Wolfsfreund

23.04.2013, 17:56 Uhr

Wer gibt schon was auf das Warentestsiegel? Ich jedenfalls nicht. Die Test von (Digital-)Kameras (vom Photographieren verstehe ich berufsbedingt einiges) führen bei mir regelmäßig zu schallendem Gelächter. Diese Test waren schon zu Zeiten der analogen Photographie ein schlechter Witz und heute sind sie keinen Deut besser. Wer immer da testet, vom Photographieren hat er null Ahnung!

sons_of_liberty

23.04.2013, 19:29 Uhr

Leider ist StiftungWarentest aber noch das Wohl m.M.n. objektivste Siegel welches auf dem Markt ist.

DLG, QS, Ökotest, EG-Bio und co. sind doch das Papier nicht Wert auf dem sie stehen ...

Wolfsfreund

23.04.2013, 20:02 Uhr

Klar ist das mit den anderen Siegeln nicht optimal. Aber was nützt den Verbraucher SWT, wenn z.B. (Digital-)Kameras (davon verstehe ich halt wirklich was und kann die Ergebnisse fachmännisch beurteilen) so idiotisch beurteilt werden, daß µFT-Modelle vor ausgewachsenen Profi-Cams einsortiert werden? Oder wenn (das war mein erstes Aha-Erlebnis mit dem Verein) eine Vivitar-Plastikknipse vor einer Leica R6 rangiert und argumentiert wird, mit SWT sparen sie 2000 Mark (damals noch)? Oder wenn einer Kamera, die auf die Bewältigung extremer Spitzlichter ausgelegt ist und heute noch in diesem Bereich das Maß aller Dinge ist, eine mangelnde Eingangsdynamik bescheinigt, andererseits aber z.B. Handhabung und Geschwindigkeit moniert werden? Holla!? Das ist nicht Oma Eusebias Taschenknipse, das ist eine lupenreine, hochspezialisierte Profi-Cam.
SWT ist überhaupt nicht in der Lage, solche Spezialkameras zu testen, geschweige denn, deren Handhabung zu verstehen. Daran scheitern ja ausgewachsene, phototechnische Labore, wie ich leider feststellen mußte.
Solche Ergebnisse sind, mit Verlaub gesagt, reine Kundenvera***** und absolut unbrauchbar. Wenn man daraus einen Schluß auf die Tests anderer Warenkategorien zieht, dann "Gute Nacht, Marie!"
Manche Waren können eben nur von echten Experten beurteilt werden, die sie täglich benutzen. Da geht's halt net um Grillkohle, Klopapier oder Staubsauger, sondern um High Tech.
Just my two cents.

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