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25.10.2013

13:05 Uhr

Lockere Geldpolitik

Japans Dumping-Währung rüttelt an deutschen Firmen

VonDana Heide, Martin Kölling

Deutsche Unternehmen haben mit der lockeren Geldpolitik Japans heftige Probleme. Viele Konzerne melden Umsatz- und Gewinnrückgänge aufgrund des stark gesunkenen Yen. Und es kann noch schlimmer kommen.

Container-Schiff in Yokohama: Importe nach Japan lohnen sich für deutsche Firmen weniger. dpa

Container-Schiff in Yokohama: Importe nach Japan lohnen sich für deutsche Firmen weniger.

DüsseldorfDie Besitzer der Top-Restaurants in Japan sind ihrem Ministerpräsidenten dankbar wie nie. Seitdem Shinzo Abe im Amt ist, verkaufen sie so viel teuren Wein und edle Speisen wie selten. Der Grund: Abe hat die einheimische Währung Yen seit seinem Amtsantritt im zweistelligen Prozentbereich im Vergleich zu Dollar und Euro abgewertet. Das bedeutet für Gäste aus dem Ausland, dass sie umgerechnet weitaus weniger für Essen und Wein zahlen müssen. Das hebt den Umsatz der Gourmet-Tempel.

Doch wo Sonne ist, gibt es auch Schatten – und der fällt unter anderem auf deutsche Konzerne. „Die Währung, die uns am meisten gekniffen hat, ist der Yen“, sagte Kurt Bock, Vorstandschef des Chemiekonzerns BASF, am Freitag bei der Präsentation der jüngsten Quartalsergebnisse. Zwischen 150 und 200 Millionen Euro habe das Ergebnis des Ludwigshafener Unternehmens gelitten – nicht nur wegen des Yen, aber zu großen Teilen.

Entwicklung ausgewählter asiatischer Währungen

Euro/Yen

1 Euro entspricht derzeit 134 Yen.
Kursgewinn des Euro gegenüber dem Yen seit Jahresbeginn: 17,4 Prozent
(Stand: 25.10., 9.30 Uhr)

Dollar/Yen

1 Dollar entspricht derzeit 97 Yen.
Kursgewinn des Dollar gegenüber dem Yen seit Jahresbeginn: 12,2 Prozent
(Stand: 25.10., 9.30 Uhr)

Südkoreanischer Won

1 Euro entspricht derzeit 1466 südkoreanischen Won.
Kursgewinn des Euro gegenüber dem südkoreanischen Won seit Jahresbeginn: 4,5 Prozent
(Stand: 25.10., 9.30 Uhr)

Thailändischer Baht

1 Euro entspricht derzeit 42,95 thailändischen Baht.
Kursgewinn des Euro gegenüber dem thailändischen Baht seit Jahresbeginn: 6,5 Prozent
(Stand: 25.10., 9.30 Uhr)

Vietnamesischer Dong

1 Euro entspricht derzeit 28.742 vietnamesischen Dong.
Kursgewinn des Euro gegenüber dem vietnamesischen Dong seit Jahresbeginn: 5,9 Prozent
(Stand: 25.10., 9.30 Uhr)

Malaysischer Ringgit

1 Euro entspricht derzeit 4,35 malaysischen Ringgit.
Kursverlust des Euro gegenüber dem malaysischen Ringgit seit Jahresbeginn: -3,5 Prozent
(Stand: 25.10., 9.30 Uhr)

Was Bock in den Büchern sieht, ist die Folge eines Versprechens, das die im Dezember an die Macht gekommene Regierung unter Shinzo Abe gegeben hatte: Sie hatte zugesichert, mit enormen Konjunkturmaßnahmen 15 Jahre fallender Preise zu beenden. Doch der rasante Abstieg des Yens macht viele unglücklich. „Nur wenige deutsche Unternehmen können von der Währungsentwicklung profitieren, da nur wenige in Japan produzieren“, sagt Manfred Hoffmann, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Japan im Gespräch mit Handelsblatt Online. Dem Großteil bereite die Abwertung Probleme, vor allem jenen, die viel nach Japan exportieren.

Durch die Abwertung des Yen kosten europäische Produkte die Japaner dementsprechend mehr, wenn der Preis in Euro oder Dollar ausgehandelt wurde. Dadurch werden Produkte von Rivalen attraktiver. Dies trifft vor allem Unternehmen, die Serienprodukte oder Konsumartikel liefern und weniger die Hersteller von Spezialmaschinen und Luxusprodukten.

Aber alle Landesniederlassungen leiden bei der Umrechnung ihrer japanischen Umsätze in die Währung ihrer Zentrale: In Yen gibt es zwar gutes Wachstum zu verzeichnen, in Euro ist davon am Ende aber nicht mehr viel zu sehen, sagt Wirtschaftsdelegierter Hoffmann. Bei der BASF hat es in Asien in lokaler Währung ein Umsatzplus von vier Prozent gegeben – in Euro gerechnet gab es jedoch ein Minus von vier Prozent.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

25.10.2013, 13:30 Uhr

Der Bericht suggeriert, dass in den genannten Unternhemen nur Amateure am Werk sind. Dass der Yen massiv abwerten wird, war klar seit dem Abe im Amt ist. Dann gab es die Möglichkeit sich gegen das Wechselkursrisiko kurzfristig abzusichern und für die Zeit danach eine neue Strategie zu erarbeiten.

DerTaoist

25.10.2013, 13:41 Uhr

Der aktuelle EUR/JPY Wechselkurs liegt ziemlich gut dort, wo er im Durchschnitt der letzten 10 Jahre auch lag. Und das soll deutschen Firmen auf einmal Probleme machen?

Dann müsste man aber auch dazuschreiben, dass ebendiese Firmen noch vor wenigen Jahren entsprechenden Profit durch die damals gegenteilige Entwicklung des EUR/JPY Kurses gemacht hatten. Volatilitäten hat es bei diesem wie bei jedem anderen Währungspaar ja immer gegeben.

Insgesamt daher wie eingangs schon geschrieben, im Durchschnitt alles gleich geblieben,

kuac

25.10.2013, 13:42 Uhr

Massive Probleme wegen der massiven Abwertung des Yens? 2007-8 hatte man 165-170 Yen für ein Euro bekommen. Heute nur 134 Yen.

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