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07.12.2014

15:18 Uhr

Autopilot

Mit Bertha durchs Silicon Valley

VonThomas Jahn

Wild im Gas, manchmal verunsichert: Wie von Geisterhand bewegt aber alles in allem zuverlässig steuert der Autopilot „Bertha“ den Mercedes durch den Verkehr. Nur Hippies und Eichhörnchen bringen Bertha aus dem Konzept.

Auf dem Bild präsentiert Daimler-Chef Dieter Zetsche den neuen Mercedes S500 Intelligent Drive bei der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) 2013 in Frankfurt am Main. AFP

Auf dem Bild präsentiert Daimler-Chef Dieter Zetsche den neuen Mercedes S500 Intelligent Drive bei der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) 2013 in Frankfurt am Main.

SunnyvaleGünther Krehl fährt den S500 vom Parkplatz. Der schwarze Mercedes schnurrt durch die Straßen, es ist nachmittags, nicht allzu viel Verkehr. Ein paar Fußgänger sind auf dem Weg zu den Bürogebäuden in Sunnyvale, einer Stadt im Süden vom Silicon Valley.

Vor einer Kreuzung ist es so weit. Der Mercedes-Ingenieur nimmt die Hände vom Steuer. „System is active“, sagt eine Frauenstimme nüchtern. Das ist Bertha.

Es ist ein irrer Moment.

Wie von Geisterhand schwingt das Lenkrad nach links, die Luxuslimousine biegt ab, achtet auf Gegenverkehr und Fahrstreifen. Auf der Geraden dreht sie auf, etwas wild im Gas, aber sicher auf der Straße. Vor der roten Ampel bleibt das Fahrzeug stehen. „Traffic light turns green“: Bertha biegt links ab.

Dann geht es auf die Autobahn. Beim Einfädeln zieht ein hellblauer Toyota Prius auf die gleiche Höhe wie der Mercedes. Der Toyota-Fahrer ist ein Valley-Hippie, lange graue Haare, Zottelbart. Er merkt gar nicht, dass neben ihm Bertha in große Not kommt.

Sie erkennt den Prius mit ihrem Seitenradar. Was sie nicht begreift: Der Hippie wird sie nicht reinlassen, weil er anscheinend in ganz andere Dinge vertieft ist. Der Mercedes bremst und bremst und wäre auf dem Einfädelungsstreifen zum Stehen gekommen, wenn Krehl nicht eingegriffen, Gas gegeben hätte und hinter dem Prius eingeschwenkt wäre.

Mercedes testet derzeit zwei autonom fahrende S500 auf den Straßen im Silicon Valley: Bertha und Sunny. Auch in Deutschland fahren autonome Mercedes, rund um Sindelfingen sind drei Fahrzeuge unterwegs. 300 Ingenieure arbeiten bei Daimler im Bereich „Aktive Sicherheit“, davon 20 Softwareexperten im Labor im Silicon Valley. Spätestens 2020 soll ein selbstfahrender Mercedes bereit stehen - eine Revolution im Autofahren.

Wie wichtig das Thema bei Daimler ist, zeigt ein Termin: Am Abend des 5. Januar 2015 hält Vorstandschef Dieter Zetsche auf der Elektrokonsumentenmesse CES in Las Vegas eine Grundsatzrede - und stellt ein selbstfahrendes Auto vor. Das Projekt ist noch geheim. Nur so viel ist bekannt: Es ist ein völlig neu entwickeltes „Forschungsfahrzeug“, wie eines zuletzt 2011 auf der Automesse IAA vorgestellt wurde.

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