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24.07.2017

10:36 Uhr

Billigflieger leidet unter Preiskampf

Die verrückte Ryanair-Welt

VonJens Koenen

Billigflieger Ryanair glänzt mit einem Gewinnsprung von 55 Prozent im abgelaufenen Quartal. Und doch sind die Investoren offensichtlich enttäuscht. Die Aktie sackt am Montagmorgen ab. Das sind die Gründe dafür.

Auch der aggressivste Treiber des Wettbewerbs in der europäischen Luftfahrt spürt den Konkurrenzkampf zunehmend. Reuters

Ryanair

Auch der aggressivste Treiber des Wettbewerbs in der europäischen Luftfahrt spürt den Konkurrenzkampf zunehmend.

FrankfurtAuf den ersten Blick gibt es nichts zu meckern. Wieder einmal hat der irische Billigflieger Ryanair Zahlen vorgelegt, von denen die meisten Konkurrenten nur träumen können. Das Nettoergebnis schnellte im ersten Quartal (bis Ende Juni) des zeitlich versetzen Geschäftsjahres um eindrucksvolle 55 Prozent auf 397 Millionen Euro in die Höhe. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit rund 340 Millionen Euro gerechnet.

Auch viele andere Zahlen scheinen der schier unendlichen Erfolgsstory des europäischen Billig-Anbieters neue Nahrung zu geben. Die Zahl der Passagiere legte um zwölf Prozent auf 35 Millionen zu. Für das Gesamtjahr erhöhte das Unternehmen die Prognose sogar leicht von 130 auf 131 Millionen Fluggäste. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Die Nettomarge wuchs damit von 15 auf 21 Prozent. Dabei ist die traditionell starke Buchungssaison im Sommer in diesen Zahlen noch nicht einmal eingerechnet.

Billigflieger: Ryanair will Preise weiter senken

Billigflieger

Ryanair will Preise weiter senken

Ryanair ist weiter im Aufwind: Der irische Billigflieger hat seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal um mehr als 50 Prozent gesteigert. Airline-Chef Michael O'Leary will jetzt den Konkurrenzkampf noch verschärfen.

Und doch sind die Investoren offensichtlich enttäuscht. Statt eines Kursfeuerwerks erlebte die Aktie von Ryanair am Montagvormittag leichte Verluste. Das hat gute Gründe. Erstens: Das erste Quartal wurde durch die späten Osterfeiertage verzerrt. Sie fielen in diesem Jahr in den April und damit in das erste Quartal. Im vergleichbaren Vorjahresquartal fehlte diese reisestarke Zeit, weil Ostern deutlich früher war.

Zweitens und viel wichtiger: Auch Ryanair, einer der aggressivsten Treiber des Wettbewerbs in der europäischen Luftfahrt, spürt den Konkurrenzkampf zunehmend. Ausdrücklich weist das Management im Quartalsbericht darauf hin, dass das Umfeld in den kommenden Monaten sehr wettbewerbsintensiv werden wird. Deshalb geht die Ryanair-Spitze um Unternehmenschef Michael O’Leary auch davon aus, dass die Ticketpreise im Gesamtjahr um acht Prozent fallen werden. Niedrigere Preise bedeuten aber auch niedrigere Gewinne, sofern es nicht gelingen sollte, auf der Kostenseite gegenzusteuern.

Ryanair ist zwar stets überaus erfolgreich, wenn es darum geht, die Effizienz zu erhöhen und die Kosten im Griff zu halten. So erwartet das Management, dass die Kosten jenseits der Treibstoffrechnung in diesem Geschäftsjahr um rund ein Prozent sinken werden. Hinzu kommt eine geringere Treibstoffrechnung. Schon im ersten Quartal fiel sie um ein Prozent niedriger aus, trotz des rasanten Wachstums. Für das gesamte Jahr erwartet das Management eine Ersparnis beim Flugbenzin von rund 70 Millionen Euro.

Doch all das reicht nicht aus. Darauf deutet jedenfalls der Ausblick des Unternehmens hin, Denn der bleibt mit einem prognostizierten Ergebnis von 1,4 bis 1,45 Milliarden Euro auf dem bisher schon angepeilten Niveau. Und das, obwohl Ryanair mehr Passagiere transportieren will als zunächst geplant. Doch der Preisdruck ist gewaltig.

„Der Ausblick auf die Durchschnittserlöse ist negativ“, stellen die Experten von Bernstein in ihrer ersten Analyse der Ryanair-Zahlen nüchtern fest. „Mit den niedrigen Treibstoffpreisen sind da Leute im Markt, die möglicherweise nicht dort sein sollten“, kommentierte Ryanair-Finanzchef Neil Sorahan die aktuelle Situation gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Besser kann man einen durch massive Überkapazitäten gezeichneten Wettbewerb wohl nicht beschreiben.

Reportage – die Geheimnisse Ryanairs

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