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27.11.2014

14:21 Uhr

Fedex

Lockruf der Freiheit

VonChristoph Schlautmann

Der amerikanische Logistikriese Fedex baut schon einmal um und rüstet auf: Von dem möglichen Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und der EU verspricht er sich einen deutlichen Umsatzzuwachs.

Ein Fedex-Paketwagen in Chagrin Falls, Ohio. Der Konzern macht den Löwenanteil seines Geschäfts in den USA - das soll sich ändern. dapd

Ein Fedex-Paketwagen in Chagrin Falls, Ohio. Der Konzern macht den Löwenanteil seines Geschäfts in den USA - das soll sich ändern.

DüsseldorfOb sich die USA und die Europäische Union 2015 auf das geplante transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) einigen, bleibt auch nach dem jüngsten G20-Treffen in Brisbane ungewiss. Noch entzündet sich Widerstand an einem von den USA geforderten Schiedsgericht. Den amerikanischen Expressriesen Fedex scheint das Gerangel nicht zu stören. Er trifft bereits jetzt umfangreiche Vorkehrungen, um von dem künftigen US-europäischen Binnenmarkt zu profitieren.

„Wir haben das Netz unserer deutschen Stationen seit 2012 auf mehr als 50 fast verdreifacht“, berichtet David Binks, als Senior Vice President bei Fedex verantwortlich fürs Geschäft in Europa, Nahost und Afrika. In ganz Europa wuchs es um 105 Standorte auf 189.

Wie viel Geld der DHL-Rivale dazu in die Hand genommen hat, will Binks nicht verraten. Dafür aber, wozu er näher an den Kunden rücken will: „Wir wollen auch kleinen Unternehmen den Zugang zu den Weltmärkten öffnen“, sagte der Fedex-Manager, „vor allem im Online-Versandhandel.“

Was Paketlogistik im E-Commerce-Zeitalter leisten muss

Packstation

Ende 2001 wurden in Dortmund und Mainz die ersten Packstationen in Betrieb genommen, heute stehen mehr als 2.500 dieser Automaten in ganz Deutschland den Kunden von DHL zur Verfügung. An sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr können sie hier ihre Pakete abholen. Insbesondere für Berufstätige ist die Zustellung an eine Packstation eine sinnvolle Alternative zur Heimzustellung.

Online-Retoure

Für den Betreiber fällt damit die kostenintensive und wenig umweltfreundliche Produktion vieler ungenutzter Retouren-Label weg. Der Käufer muss nicht wie bisher üblich diese Label lange aufbewahren, sondern kann sie bei Bedarf zuhause ausdrucken. Der Shop-Betreiber wiederum hat die Möglichkeit zu wissen, welche Retouren überhaupt zu ihm unterwegs sind – und kann sie bereits für den Wiederverkauf einplanen, wenn sie noch gar nicht wieder bei ihm angekommen sind. Das erhöht die Umlaufgeschwindigkeit der Ware und verringert die Kapitalbindung.

Wunschzustellung

Registrierte DHL-Kunden können bei der Bestellung ihrem Händler ihre DHL-Kundennummer angeben. Sie werden dann von DHL per SMS kostenlos über den voraussichtlichen Zustelltag informiert. Ebenfalls per SMS kann der Kunde antworten und, für einen geringen Preisaufschlag, einen anderen Zustelltag vereinbaren und damit selbst bestimmen, wann er sein Paket empfangen möchte.

Internationale Retouren

Dank dieses vollständig webbasierten Verfahrens können Kunden die Sendungen bei allen Filialen der Postgesellschaften im Zielland zurückgeben. Den Online-Händlern stehen dabei drei unterschiedliche Varianten zur Verfügung, von einer Online-Buchungsmaske mit Link zum Retouren-Label bis zur Vollintegration in den eigenen Webauftritt.

Angebote für Shop-Betreiber

Vom Aufbau eines Web-Shops über die logistische Abwicklung und Lagerhaltung bis hin zum Kunden- und Debitoren-Management reichen die Fulfillment-Lösungen, die DHL für Versandhändler offeriert. Damit kann der Händler sehr flexibel auf die Nachfrage in seinem Shop reagieren und die von seinen Kunden erwartete Servicequalität sichern. Hinzu kommen spezielle Angebote für Powerseller wie der kostenlos herunterladbare DHL Versandhelfer: Mit Portorechner, Ausfüllhilfe, Online-Frankierung, Sendungsverfolgung, Postfinder und Adressbuch.

Das Potenzial scheint gewaltig, glaubt man den Zahlen der Europäischen Kommission: Danach sind es lediglich 13 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen, die auch jenseits der EU-Grenzen aktiv sind. 75 Prozent begnügen sich sogar mit ihrem Heimatmarkt. „Solchen Unternehmen können wir gezielt helfen, neue Kunden zu gewinnen“, erklärt Binks die neue Fedex-Strategie.

Nicht nur bei den Annahmestationen in Europa hat der US-Konzern mächtig aufgerüstet. Das konzerneigene „Global Trade Center“, eine Einrichtung mit 3000 Mitarbeitern, soll Mittelständler bei der Dokumentation ihrer Auslandslieferungen unterstützen. Auch zu den möglichen Transportwegen und Zollbestimmungen will Fedex Ratschläge erteilen und Lösungen anbieten.

Die Hoffnungen setzt der Express-Riese auf die derzeitigen Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Kommission. „Das Freihandelsabkommen könnte den internationalen Handel deutlich beflügeln“, erwartet Binks. Schließlich würden Transaktionen harmonisiert und einfacher, Internetbestellungen jenseits des Atlantiks erleichtert.

Ein Vorzeigeprojekt hat Binks schon parat. Der Unternehmer Christian Kleinschmidt bedient mit Hilfe von Fedex Märkte in den USA, Neuseeland und Australien. „Germanplates“, wie der Berlin sein Start-up genannt hat, fertigt deutsche Auto-Nummernschilder für Souvenirjäger und lässt sie über den US-Expressdienst ausliefern.

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