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30.11.2014

16:59 Uhr

Frachtkartell

Bahn klagt gegen Lufthansa und andere Airlines

Die Bahn will Wirtschaftsgeschichte schreiben: 1,76 Milliarden klagt der Konzern bei Fluggesellschaften ein, die sie mit Luftfrachttarifen betrogen haben sollen. Das Bundesunternehmen setzt auf Abschreckung.

Kartellstreit zwischen Airlines und DB

Airlines sollen 1,7 Milliarden Euro Schadensersatz zahlen

Kartellstreit zwischen Airlines und DB: Airlines sollen 1,7 Milliarden Euro Schadensersatz zahlen

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Berlin Ein Briefumschlag reicht da nicht: 50 Umzugskisten voller Dokumente wird die Deutsche Bahn an diesem Montag am Kölner Landgericht abladen. In dem Lastwagen der Frachttochter DB Schenker: Eine umfassende Klageschrift und Tausende weiterer Dokumente. Die Bahn will gegen etliche Fluggesellschaften vor Gericht ziehen. Sie will Wiedergutmachung von einem der „größten Kartelle in der Wirtschaftsgeschichte“, wie der Konzern mutmaßt.

Allein von der Lufthansa und zehn weiteren Airlines will das Bundesunternehmen 1,76 Milliarden Euro Schadenersatz. Die Bahn bestätigte am Sonntag entsprechende Informationen der „Wirtschaftswoche“. Weitere Verfahren sollen die Einnahmen auf mehr als zwei Milliarden Euro treiben. Es ist nicht der erste Fall, in dem die Bahn Kartellsünder zur Kasse bittet. Aber in dieser Größenordnung hat sie es bisher nicht versucht.

Als sich die Fluggesellschaften sich zur Preisabsprache trafen sollen sie das intern als „Kaffeerunde“ getarnt haben. Die Airlines sollen sich über Kerosinzuschläge wegen rasant steigender Ölpreise und Sicherheitszuschläge nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verständigt haben. Ziel soll es gewesen sein, einheitliche Preise für die Luftfracht anzubieten. Damit haben sie nach Meinung der Bahn von 1999 bis 2006 die Bahn-Tochter Schenker als Luftfrachtspediteur geschädigt. Der Vorwurf: Die Lufthansa und andere Airlines hätten Schenker für Frachtflüge zu viel berechnet.

Die Absender der 50 Umzugskartons sitzen in der gläsernen Bahnzentrale in Berlin. Eine Sondereinheit von sechs Juristen kämpft seit einem guten Jahr unter dem internen Kürzel CRK4 um Schadenersatz für Kartelle. Mehr als 60 Kartelle hat CRK4 im Blick, in knapp jedem dritten Fall dringt die Bahn schon auf Schadenersatz: eine Milliarde Euro insgesamt, mit Zinsen möglicherweise zwei - und das ohne das Cargo-Kartell.

Viele andere deutsche Unternehmen überlassen die Ermittlungen allein dem Bundeskartellamt - das Bußgeld geht dann aber in den Staatshaushalt. „Geschädigte Unternehmen haben davon nichts“, erklärte Tilman Makatsch, der leitende Bahn-Kartellermittler kürzlich im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Das soll ein Ende haben. Denn die Bahn wird immer wieder Opfer von Preisabsprachen - sei es bei Bahnsteigkanten, Rolltreppen, Kaffee für Speisewagen oder durch überhöhte Gebühren von Kreditkartenanbietern.

Das sind die größten Airlines der Welt

Platz 10

Air China ist die zweitgrößte Fluggesellschaft der Volksrepublik – und die einzige zivile Linie, der es erlaubt ist, die chinesische Nationalflagge auf ihren Flugzeugen anzubringen.
Passagiere 2014: 54,58 Millionen

Platz 9

Die Lufthansa ist die größte deutsche Fluggesellschaft und befördert den Großteil ihrer Passagiere auf internationalen Flügen.
Passagiere 2014: 59,85 Millionen

Platz 8

Easyjet aus Großbritannien ist nach Ryanair die zweitgrößte Billigfluggesellschaft der Welt.
Passagiere 2014: 62,31 Millionen

Platz 7

China Eastern Airlines hat seine Basis in Shanghai, fliegt trotz des Namens nicht nur Ziele im Osten des Landes an, sondern ist sowohl in ganz China als auch internationale unterwegs.
Passagiere 2014: 66,17 Millionen

Platz 6

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair liegt im weltweiten Ranking auf Platz 6, in Europa ist aber keine Airline größer als das Unternehmen aus Dublin. Interessant: Ryanair bietet ausschließlich internationale Flüge an.
Passagiere 2014: 86,37 Millionen

Platz 5

American Airlines mit Sitz in Texas ist eine der ältesten Fluglinien der Welt, sie wurde bereits 1930 gegründet.
Passagiere 2014: 87,83 Millionen

Platz 4

Noch ein wenig älter ist United Airlines, ebenfalls aus den USA. Die Unternehmensgeschichte geht bis ins Jahr 1926 zurück.
Passagiere 2014: 90,44 Millionen

Platz 3

China Southern Airlines ist die größte Fluggesellschaft Asiens. Den Großteil ihrer Passagiere befördert die Airline auf Flügen innerhalb Chinas.
Passagiere 2014: 100,68 Millionen

Platz 2

Southwest Airlines aus den USA ist eine Billigfluggesellschaft mit Sitz in Dallas. 1967 gegründet, ist das Unternehmen Pionier des Billigflugsegments. Sie bietet fast ausschließlich Flüge innerhalb der USA an.
Passagiere 2014: 129,09 Millionen

Platz 1

Delta Air Lines gehört zu den drei verbliebenen traditionsreichen Linienfluggesellschaften in den USA. Ganz knapp verweist das Unternehmen die Southwest Airlines auf Rang zwei.
Passagiere 2014: 129,43 Millionen

Quelle: IATA

Damals hatte die Lufthansa selbst das Kartell auffliegen lassen. Wegen der Kronzeugenregel sei die Airline weltweit von allen Bußgeldern freigesprochen worden, sagte ein Unternehmens-Sprecher am Sonntag.

Doch die Fluggesellschaft ahnte, dass das Kapitel dennoch nicht geschlossen war. So fand man noch im Geschäftsbericht 2013 auf Seite 185 das Kapitel: „Risiko aus erfolgreicher Durchsetzung zivilrechtlicher Schadensersatzansprüche in einem laufenden Kartellverfahren.“ Der Konzern weist darin vorsorglich auf ein Gutachten hin, wonach bei Kunden - also auch bei Schenker - kein Schaden durch das Kartell entstanden sei. Und selbst wenn dem doch so sei, so heißt es weiter, müsse geprüft werden, ob der Schaden nicht über höhere Preise an die Endkunden weitergeleitet wurde.

Viel zu tun also für die Kölner Richter. Ob das Verfahren überhaupt bis zum Urteil kommt, ist offen. Die Bahn setzte bislang auf Vergleiche. Acht Fälle brachten ihr nach eigenen Angaben einen dreistelligen Millionenbetrag ein. Ein lohnendes Geschäft, wie Makatsch betont. „Das Verhältnis Aufwand-Ertrag ist mindestens eins zu zehn.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Albert Saphir

01.12.2014, 13:02 Uhr

Das ist gut das ein Grosskunde wie DB Schenker jetzt klagt. Die Frage die natuerlich offen ist, wie wird der eigentlihe Kunde der zu viel gezahlt hat entschaedigt? Als Spediteur ist DB Schenker ja nur Mittlemann, und haben somit natuelich die ueberhoehten Kosten einfach an die Kunden weitergeleitet. Das wird sicher noch intressant werden.

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