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10.03.2012

09:04 Uhr

Großflughafen Berlin

Platz für Firmen in Hülle und Fülle

VonSilke Kersting

Um den neuen Berliner Flughafen gibt es reichlich Platz für neue Unternehmen. Auch im Ausland wird bereits kräftig die Werbetrommel gerührt: Das Interesse an der Region ist groß - aber kein Selbstläufer.

Der neue Hauptstadtflughafen ist noch im Probebetrieb - im Umfeld können sich Unternehmen ansiedeln. dpa

Der neue Hauptstadtflughafen ist noch im Probebetrieb - im Umfeld können sich Unternehmen ansiedeln.

BerlinUnternehmen, die sich rund um den neuen Berliner Großflughafen ansiedeln wollen, haben reichlich Auswahl. Platz bieten Berlin und Brandenburg in Hülle und Fülle, mancherorts wuchert sogar noch das Unkraut. Allein im engeren Brandenburger Flughafenumfeld, das ist der 30-Minuten-Radius um den Airport herum, zählt die brandenburgische Wirtschaftsförderungsagentur ZAB 34 Gewerbegebiete mit 1350 Hektar Gewerbefläche, davon sind 500 Hektar noch zu vergeben.

Die Wirtschaftsförderer rühren auch im Ausland kräftig die Werbetrommel: Gerade ist eine Delegation der ZAB in Singapur und Malaysia unterwegs. Seit einem Jahr sucht der ehemalige Rolls-Royce-Manager Axel Arendt als „Türöffner“ den Kontakt zu potenziellen Investoren. „Ich habe den Zugang zu vielen Chefetagen in der Luft- und Raumfahrt“, begründet der 62-Jährige sein Engagement. Auch sein früherer Arbeitgeber hat jüngst entschieden, den Standort im brandenburgischen Dahlewitz um ein Logistikzentrum zu erweitern.

Die Logistik galt zuletzt als Wachstumstreiber in der Region. „Keine andere Branche hat 2011 solch einen Ansiedlungsschub gegeben wie die Logistik“, sagt Steffen Kammradt, Sprecher der ZAB-Geschäftsführung. Er hofft vor allem auf weitere Investitionen von Online-Händlern wie Zalando: Das Berliner Unternehmen, das Schuhe und Mode im Internet anbietet, weihte im vergangenen Jahr ein Logistikzentrum in der Region ein.

Fakten zum neuen Flughafen Berlin-Brandenburg

Tegels Tage sind gezählt

TXL ist bald Geschichte. Die drei Buchstaben sind zwar nur eine Flughafenkennung, doch für Vielflieger gilt der Berliner Flughafen Tegel als ideal – beinahe jedenfalls. Binnen 15 Minuten war fast jeder Termin in der Hauptstadt zu erreichen, auf dem Flughafen garantierten kurze Wege auch kurze Eincheckzeiten. Einziger Nachteil: Der Nachkriegsairport mit dem kaum bekannten offiziellen Namen „Otto Lilienthal“ ist mittlerweile hoffnungslos überlastet. Tegels Tage sind gezählt. Am 2. Juni 2012 zwischen 22 und 23 Uhr wird hier das letzte Flugzeug abheben. Dann wird der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) eröffnet. Hier die wesentlichen Fakten zum Airport.

Start

Am 3. Juni eröffnet der neue Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld, 25 Kilometer von Berlins Mitte entfernt. Gegen sechs Uhr starten nach den Plänen der Flughafengesellschaft zwei Maschinen – je ein Flugzeug von Air Berlin und von Lufthansa.

Kapazität

Der neue Flughafen ist auf dem Gebiet des alten Airports Schönefeld entstanden. Die Grundfläche beträgt rund 1470 Hektar, das entspricht annähernd 2000 Fußballfeldern. Berlin-Brandenburg verfügt über zwei Start- und Landebahnen, die parallel angelegt sind. Zwischen ihnen befindet sich das Terminal. Das Abfertigungsgebäude hat sechs Geschosse, die Kapazität wird zu Beginn des neuen Flughafens bei jährlich 27 Millionen Passagieren liegen. Das Terminal kann aber durch neue Module auf bis zu 45 Millionen Passagiere erweitert werden. Zum Vergleich: Der Frankfurter Flughafen fertigte voriges Jahr 56 Millionen Passagiere ab.

Anbindung

Der neue Airport wird ein Flughafen der kurzen Wege, wirbt die Flughafengesellschaft: Direkt unter dem Terminal liegt der Bahnhof. Die Flugreisenden sollen in fünf Minuten die Check-in-Schalter erreichen und ebenfalls zügig die Gates. Ziel: Jeder zweite Reisende soll mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen kommen.

Der Airport-Express wird viermal stündlich pendeln. Fahrzeit: 30 Minuten bis zum Hauptbahnhof. Auch Direktverbindungen mit dem ICE nach Hamburg, Hannover, Münster und Amsterdam wird es geben.

Der Clou ist noch in Vorbereitung: das verkehrsmittelübergreifende Informations- und Störfallmanagementsystem Airvis. Reisende können damit kostenlos über ihr Smartphone alle Informationen beziehen – welches Verkehrsmittel zu bevorzugen ist, welche Route gewählt werden sollte sowie Infos über Flugverspätungen, Gates und Check-in-Schalter. Typischen Hauptstadtstreit leistet sich das Taxigewerbe. Denn noch ist unklar, welcher Tarif gelten soll, der preiswertere aus Berlin oder der des Landes Brandenburg. Bei rund 40 Euro bis ins Regierungsviertel spielt das schon eine Rolle.

Check-in

Im Flughafen Berlin-Brandenburg soll deutlich werden, dass das Papierticket bald der Vergangenheit angehören wird und elektronische Tickets das Einchecken bestimmen werden. Im Airport gibt es zunächst 104 Check-in-Schalter, zugleich werden aber rund 200 Check-in-Automaten der Airlines aufgestellt.

Zudem bräuchten große Seehäfen wie Hamburg Umlade- und Verteilzentren im Binnenland, gerade mit Blick auf die Warenströme nach Osteuropa, glaubt Kammradt. „Da gibt es noch viel Entwicklungspotenzial.“ Das Interesse an der Region sei groß, aber kein Selbstläufer, erklärt Arendt: „Wir sind schließlich nicht die einzigen, die für ihren Standort werben.“ Dennoch: Wer in die 1A-Lage will, müsse sich beeilen: „Noch zwei bis drei Jahre - dann sind die Sahnestückchen weg.“

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