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08.06.2017

15:18 Uhr

Katar-Konflikt

Hapag-Lloyd im Golf-Schlamassel

VonChristoph Schlautmann

Der neue Konflikt am Golf trifft die deutsche Reederei gleich doppelt: Im Aufsichtsrat sitzen seit neuestem Vertreter der verfeindeten Länder Katar und Saudi-Arabien. Deren Streit macht auch auf hoher See nicht Halt.

Die Fusion mit dem Wettbewerber UASC stellt die größte deutsche Reederei auch vor politische Probleme. dpa

Containerschiff von Hapag-Lloyd

Die Fusion mit dem Wettbewerber UASC stellt die größte deutsche Reederei auch vor politische Probleme.

DüsseldorfBisher waren es nur die vier Milliarden Dollar Finanzschulden, die sich Hapag-Lloyd durch die Fusion mit dem Wettbewerber United Arab Shipping Company (UASC) als Risiko ins Haus holte. Seit vergangenem Montag, nur zwölf Tage nach der endgültigen Übernahme, steht für Vorstandschef Rolf Habben Jansen fest: Deutschlands größte Reederei hat sich auch einen neuen Konfliktherd im Nahen Osten an Hamburgs Alster gezogen.

Das erschwert dem mit 4,4 Milliarden Euro bewerteten Schifffahrtkonzern die Navigation in der andauernden Branchenkrise: Durch den Zusammenschluss mit UASC steigen die verfeindeten Staaten Saudi-Arabien und Katar zu Großaktionären auf – mit jeweils einem Sitz im Aufsichtsrat.

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Die neue Eigentümer-Konstellation bereitet wegen der Spannungen zwischen Saudi-Arabien und Katar große Sorgen. So ziehen Analysten des Branchendienstes Alphaliner in Zweifel, dass es wie geplant in den kommenden sechs Monate zu einer 400 Millionen Dollar schweren Kapitalerhöhung kommen wird. Sie soll eigentlich zur Hälfte von Katar und Saudi Arabien gezeichnet werden – und ist angesichts der Gesamtverschuldung von 8,3 Milliarden Dollar dringend notwendig.

Um das Vertrauen der Anleger nicht vollends zu verlieren – immerhin sackte die Aktie seit Montag um 3,3 Prozent ab – bekräftigte Hapag-Lloyd am heutigen Donnerstag, die beiden Reedereien möglichst schnell zusammenführen zu wollen. „Wir sind zuversichtlich“, schrieb der Konzern, „die komplette Integration im vierten Quartal 2017 sicherzustellen.“

Anders als den Schuldenberg konnte Habben Jansen die sich seit Montag abzeichnenden Querelen nicht ahnen. Schon vor 14 Monaten akzeptierte der gebürtige Niederländer, dass die verlustreichen Araber ihr komplettes Geschäft bei den Hamburgern einbringen dürfen, um im Gegenzug 28 Prozent der Reederei-Stimmrechte zu erhalten. Weil viele Geldgeber den Eigentümerwechsel der verschuldeten Golf-Reederei nutzten, um ihr Kreditengagement zu kündigen, verzögerte sich der Zusammenschluss um Monate – bis kurz vor Ausbruch des Katar-Konflikts.

Da aber war es schon zu spät. Im Zuge des Deals hat der Staatsfond Qatar Investment Authority (QIA) seine 51-Prozent-Beteiligung an UASC gegen 14,4 Prozent der Aktien von Hapag-Lloyd getauscht. Saudi-Arabien, dem bislang 35 Prozent an UASC zustanden, bekam 10,1 Prozent der Hapag-Stimmrechte. Zählt man die Anteile der ehemaligen UASC-Gesellschafter Bahrain und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) hinzu, die sich auf 3,6 Prozent addieren, entsteht zwischen den neuerdings verfeindeten Lagern nahezu ein Patt.

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