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28.04.2017

10:14 Uhr

Kreditkarten für Vielflieger

Wo sich das Meilensammeln auszahlt

VonChristoph Schlautmann

Bei Lufthansa, Eurowings oder Air Berlin können Vielflieger Flugmeilen sammeln. Aber welche Meilenkreditkarte bringt das Meiste? Reicht Sparsamen auch die Payback-Karte? Das Handelsblatt hat elf Meilen-Programme getestet.

Privilegien wie Lounge-Zugänge sind für die meisten Vielflieger ein wichtiger Grund für die Wahl der Meilenkarte. Lufthansa

Lufthansa-Lounge in Frankfurt

Privilegien wie Lounge-Zugänge sind für die meisten Vielflieger ein wichtiger Grund für die Wahl der Meilenkarte.

DüsseldorfFlugmeilen sammeln mit der Kreditkarte – was Lufthansa seit Jahren mit „Miles & More“ vormacht und Air Berlin per „Topbonus“-Programm kopierte, ist längst auch bei Eurowings („Boomerang Club“) oder American Express zu haben: Wer über das Plastikgeld der Anbieter bucht oder einkauft, erhält als Belohnung Bonuspunkte und Privilegien. Vor neun Monaten legte die Einkaufs-Rabattkarte Payback nach und ermöglicht nun auch American-Express-Kunden Gratis-Flüge.

Das Kleingedruckte ist üppig, der Zusatzgewinn ernüchternd. Zumindest auf den ersten Blick. Wer sich bei Lufthansa einen freien Business-Class-Flug von Frankfurt nach Chicago (2.840 Euro vor noch zu zahlenden Steuern und Gebühren) erfliegen will, hat dazu exakt 55.000 Meilen zu sammeln. Weil die erst bei einem Umsatz von 110.000 Euro gutgeschrieben werden, beträgt der effektive Preisnachlass gerade einmal 2,6 Prozent.

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Vor 27 Jahren hat die Lufthansa Miles & More gestartet. Heute ist es eines der bekanntesten Kundenbindungsprogramme der Welt. Chef Roland Adrian will das Vielfliegerprogramm ausbauen – und reagiert damit auf Kritik.

Lohnt sich das Meilensammeln trotzdem? Und welches Programm bietet am meisten? Der frühere McKinsey-Berater Alexander Koenig, Inhaber der Vielfliegerberatung First Class & More, hat dazu für das Handelsblatt die führenden Anbieter unter die Lupe genommen.

Seine Erkenntnis aus 800 Kundenbefragungen: Zwar sind die Meilengutschriften pro Euro Umsatz das wichtigste Wettbewerbskriterium – hier gab es eine Zustimmung von 100 Prozent. Gleichzeitig aber spielen die unbegrenzte Gültigkeit der gesammelten Meilen (96,3 Prozent), das Sammeln von Statusmeilen (93,8 Prozent) und Annehmlichkeiten wie Lounge-Zugang und Versicherungen (jeweils 58 Prozent) eine wichtige Rolle. Mehr als ein Drittel der Befragten honoriert nicht nur Rabatte bei Mietwagen-Anbietern, Hotels und anderen Partnerfirmen, sondern auch den Verzicht auf Auslandsgebühren für Kreditkartenzahlungen.

Meilen-Tipps für Vielflieger

Prämienmeilen

Es gibt Prämienmeilen und Statusmeilen. Prämienmeilen sind eine Art Währung. Damit kann man später Flüge bezahlen, oder man kann sie für Sachprämien einsetzen wie Teegläser oder eine Sporttasche. Prämienmeilen können Teilnehmer überall sammeln. In Läden, mit Zeitungsabonnements, bei Autovermietern oder in Hotelketten. Und natürlich auch beim Fliegen.

Statusmeilen

Statusmeilen dagegen gibt es nur beim Fliegen. Wer genügend Meilen zusammen hat, schafft es in den Silber-, Gold- oder Platinstatus. Bei der Lufthansa heißt der höchste Status „Hon-Circle“. Der Status verschafft in der Regel Zutritt zu Lounges, gewährt Freigepäck oder eine schnellere Abfertigung am Schalter.

Was sich bei Prämienmeilen lohnt

Beim Sammeln von Prämienmeilen lohnt es sich meist nicht, einen teuren Pullover zu kaufen, nur damit ein paar Meilen herausspringen. Günstiger ist schon ein Zeitungsabonnement. Da können ein paar Hundert Euro den Programmteilnehmer rasch einem Businessclass-Flug näher bringen.

Was sich bei Statusmeilen lohnt

Vielen Fluggästen kommt es vor allem auf Statusmeilen an. Hier raten Profis zum Beispiel, einen Fernflug ab Mailand oder Amsterdam zu planen. Das senkt die Kosten und erhöht häufig die Meilenzahl. Oft bieten Airlines in Aktionen für einen Flug die mehrfachen Meilen. Auf solche Angebote machen spezielle Newsletter aufmerksam. Vorsicht bei der Buchungsklasse P der Lufthansa. Sie gehört zur Businessclass, bietet aber weniger Meilen als der teuerste Economy-Flug.

Gut zu wissen

„Die günstigste Art, Meilen einzulösen, ist fast immer ein Prämienflug in der Business- oder First Class“, sagt Wolfgang Riegert vom Reiseportal „Vornesitzen.de“. Der Gegenwert für eine eingelöste Meile kann locker bis zu vier Cent betragen. Economyclass-Flüge als Prämie lohnen sich selten. Die Gebühren der Prämienflüge sind so hoch, dass es oft günstigere Flüge auf dem freien Markt gibt. Die Gebühren mit Meilen zu bezahlen ist ebenfalls zu teuer. Upgrades in die Businessclass sind nicht von allen Economy-Buchungsklassen aus möglich; umbuchen kann teuer werden. Wesentlich mehr machen Sammler aus ihren Meilen, wenn sie Schnäppchenflüge nutzen.

Individuell mögen die Präferenzen unterschiedlich ausfallen, für den durchschnittlichen Meilensammler ergibt sich daraus jedoch ein klarer Sieger unter den elf wichtigsten Bonusprogrammen: Mit Abstand die meisten Leistungen bietet die „American Express Platinum Card“. Die Vorzugsbehandlung an Flughäfen („Priority Pass“) ist dort inbegriffen und ebenfalls für den mitreisenden Partner enthalten – und das in der höchsten Kategorie „Prestige“ mit unbeschränktem Lounge-Zugang, die üblicherweise 399 Euro kostet. Hinzu kommen zahlreiche Versicherungen, darunter Vollkasko für bestimmte Mietwagen.

Vom Handelsblatt bekommt die „American Express Platinum Card“ die Spitzenbewertung, vom Ranking der Meilenkreditkarten hat sie Koenig aber ausgeschlossen. Aus gutem Grund. Das viereckige Plastik kostet 600 Euro im Jahr – zu viel, um die Karten mit den deutlich günstigeren Wettbewerbern zu vergleichen.

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