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27.02.2012

16:18 Uhr

Lkw-Hersteller

MAN greift Daimler an

VonMarkus Fasse, Mark Christian Schneider

ExklusivMAN hat große Pläne: Der Münchner Dax-Konzern will bis 2020 zum führenden Hersteller von Lastwagen aufsteigen. Ein interner Brief offenbart die klare Kampfansage an Daimler.

MAN-Lkw auf dem Messegelände in Hannover. dpa

MAN-Lkw auf dem Messegelände in Hannover.

MünchenGeorg Pachta-Reyhofen hat eine simple Botschaft für seine 52 000 Beschäftigten. "Wir wollen bis 2020 die Nummer eins im Geschäftsfeld der Commercial Vehicles werden", schreibt der MAN-Chef an seine Mitarbeiter. Die Aussage ist eine Kampfansage an Daimler. Der Konkurrent aus Stuttgart steht derzeit da, wo MAN nach Pachta-Reyhofens Worten hin will, an die "Weltspitze der Nutzfahrzeughersteller".

MAN setzt dabei auf die Macht des Volkswagen-Konzerns, der seit kurzem 56 Prozent der Aktien hält. "Dabei erhalten wir Rückenwind durch Kooperationen innerhalb der Volkswagen-Gruppe", teilt der Vorstandschef seiner Mannschaft in dem Schreiben mit, das dem Handelsblatt vorliegt. Unterstützt wird der Lkw-Hersteller zudem "durch erfahrene Berater von Porsche Consulting".

Der Brief, den Pachta-Reyhofen vor wenigen Tagen gemeinsam mit Betriebsratschef Jürgen Dorn verschickte, ist in mehrfacher Sicht bemerkenswert. Zum einen strebt MAN nach dem Vorbild von Großaktionär Volkswagen, der sich im Pkw-Geschäft die Branchenspitze bis 2018 zum Ziel nimmt, jetzt die Weltmarktführerschaft bei Lastwagen an - obwohl die aktuelle Nummer eins derzeit wesentlich größer ist. Zum anderen sendet Pachta-Reyhofen auch eine Botschaft an Scania, dem anderen Lastwagenhersteller, an dem VW beteiligt ist. Die Schweden werden in der neuen MAN-Strategie namentlich gar nicht erwähnt. Stattdessen bündeln jetzt VW und MAN ihre Kräfte.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller nach Absatz

Platz 10

Ashok Leyland - Indien
Mit 80.000 verkauften Lkws kommen die Inder international auf einen Marktanteil von 2,8 Prozent. Allerdings beschränkt sich das Geschäft im Wesentlichen auf den Heimatmarkt.

Platz 9

Bejing Automotive Industry - China
Der Staatskonzern landet mit 109.400 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 3,8 Prozent ebenfalls unter den größten Herstellern der Welt. Auch hier sind die internationalen Ambitionen begrenzt.

Platz 8

Torch - China
Ein weiterer im Westen eher unbekannter Hersteller, der mit einem Lkw-Absatz von 113.200 auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent kommt.

Platz 7

Volvo - Schweden
Beim Profit gehören die Schweden zu den absoluten Top-Marken weltweit. Bei den abgesetzten Fahrzeugen landen sie mit 125.800 verkauften Einheiten nur bei einem Marktanteil von 4,3 Prozent.

Platz 6

MAN/Scania - Deutschland/Schweden
Das neue Doppel des VW-Konzerns kommt gemeinsam auf 152.400 verkaufte Fahrzeuge und einen Marktanteil von 5,2 Prozent. Von der Spitze sind die Marken selbst gemeinsam noch weit entfernt.

Platz 5

Tata-Motors - Indien
In Europa machten die Inder vor allem mit der Übernahme von Jaguar und einem Billigauto Furore. Doch auch bei Trucks ist der Konzern vorne mit dabei. 194.900 abgesetzte Exemplare bescheren einen Marktanteil von 6,7 Prozent.

Platz 4

China Heavy National Duty Truck - China
Zu den chinesischen Spitzenreiter gehört auch dieser Staatskonzern, der 1935 gegründet wurde. Mit 199.900 verkauften Lkws erreicht der Konzern einen Marktanteil von 6,9 Prozent.

Platz 3

First Automotive Works - China
Bronze geht nach China. Der Volkswagen-Partner in der Volksrepublik setzte 2011 rund 274.300 Trucks ab und kommt damit auf einen Marktanteil von 9,5 Prozent.

Platz 2

Daimler Trucks - Deutschland
Was Umsatz und Profit angeht, kann kein anderer Lkw-Hersteller den Stuttgartern das Wasser reichen. Doch beim Absatz muss sich der Branchenprimus geschlagen geben: Mit 280.700 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 9,7 Prozent erreicht Daimler nur Silber.

Platz 1

Dongfeng - China
Kein Hersteller verkaufte im Jahr 2011 so viele Lkws wie die Chinesen. Ein Absatz von 300.100 Fahrzeugen ist ein Marktanteil von 10,3 Prozent und damit Gold.

Der Angriff auf Branchenprimus Daimler erfolgt zunächst im Kleinen. MAN plant eine völlig neue Familie von Kleinlastern mit einem zulässigen Gesamtgewicht unterhalb von 7,5 Tonnen, die bereits 2015 auf den Markt kommen soll, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfuhr. Der Clou: Wichtige Komponenten wie Motoren und Getriebe sollen dabei kostengünstig aus dem großen Autoreich von Volkswagen stammen. Die Produktion erfolgt bei der österreichischen MAN-Tochter in Steyr. Das Konzept, hoffen die Beteiligten, soll weltweit ausgerollt werden, so dass VW und MAN auch bei leichten Nutzfahrzeugen in den Schwellenländern wettbewerbsfähig werden.

Für MAN kommt die Hilfe zur richtigen Zeit. "Die finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern sich, der Wettbewerbsdruck verschärft sich, die Lebenszyklen unserer Produkte werden immer kürzer", schreiben Pachta-Reyhofen und Dorn im Brief an die Belegschaft.

Möglich wird der schnelle Schulterschluss durch die Übernahme von MAN durch VW. Seit November 2011 halten die Wolfsburger mit 55,9 Prozent der Stimmrechte die Mehrheit. Firmenpatriarch Ferdinand Piëch steht den Aufsichtsräten von VW und MAN vor.

Kommentare (1)

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lamefe

27.02.2012, 07:52 Uhr

Klopfen gehört ja zur Konzernphilosophie von VW. Jetzt also auch in großem Maßstab.
siehe Audi, siehe VFL Wolfsburg, siehe die 100'000 km "Qualität" der PKW.

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