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21.03.2012

16:32 Uhr

Logistik-Spezial

Binnenhäfen kämpfen um jede Tonne Güter

VonTobias Döring

Der Duisburger Hafen brummt. Mit seiner Lage und neuen Logistikangeboten kann der weltgrößte Binnenhafen punkten. Doch insgesamt profitiert die Binnenschifffahrt in Deutschland nicht von der steigenden Verkehrsnachfrage.

Im Duisburger Hafen wurden im vergangenen Jahr mehr Güter umgeschlagen. dpa

Im Duisburger Hafen wurden im vergangenen Jahr mehr Güter umgeschlagen.

Duisburg/Düsseldorf15 Meter hoch ragen die zwei Tanks in den trüben Duisburger Himmel. Facharbeiter montieren die letzten Teile. Die Großbehälter werden bald in der Getränkeindustrie zum Einsatz kommen. Hier im Duisburger Hafen erfolgt nicht nur die Endmontage, hier werden die Tanks anschließend auch verpackt und aufs Schiff verladen. Deutschlands größter Binnenhafen ist längst mehr als nur ein Umschlagplatz für Waren aus aller Welt, unter dem Markennamen „Duisport“ wird die ganze Palette an Logistikdienstleistungen angeboten.

Endmontage, Verpackung, Einlagerung und natürlich Versand. „Wir wollen eine geschlossene Kette an Leistungen anbieten“, sagt Jan Heitmann, Sprecher der Duisburger Hafen AG. Gleich neben den Tanks lagern vollständig verpackte Maschinen- und Anlagenteile. Nowosibirsk steht auf einer großen Holzkiste, die daneben ist für einen Kraftwerksbau in Südafrika bestimmt. Im vergangenen Jahr wurde sogar die indische Polarstation „Bharati“ in Einzelteilen angeliefert und zur Probe aufgebaut. Wieder verpackt wurden die Einzelteile dann von Duisburg aus ins ewige Eis verschifft.

Der Hafen Duisburg brummt. Für das Jahr 2011 meldete der weltgrößte Binnenhafen einen Gesamtgüterumschlag von 125,6 Millionen Tonnen. Ein Plus von gut zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Davon entfallen allerdings nur 51 Millionen Tonnen auf den Umschlag per Schiff (Vorjahr: 49 Millionen Tonnen). In den meisten Bereichen des Hafengeländes ist mittlerweile eine Verladung auf drei Verkehrsträger möglich. Schiene und vor allem die Straße spielen neben dem Fluss dementsprechend eine große Rolle.

Die 15 größten deutschen Binnenhäfen

Kehl - Rang 15

Der Rheinhafen Kehl liegt verkehrsgünstig nahe der französischen Metropole Straßburg. Kehl verfügt über drei Hafenbecken. Die erste Hafenanlage entstand bereits zwischen 1842 und 1847. Im Jahr 2010 wurden in Kehl 3,2 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Für das vergangene Jahr gibt es noch keine Daten des Statistischen Bundesamtes.

Mainz - Rang 14

Der Mainzer Hafen ist im Umbruch. Die Hafenbetrieb wurde bis zum vergangenen Jahr in das neue Güterverkehrszentrum (GVZ) am Rhein flussabwärts verlegt. Im alten Zollhafen entsteht ein neues Stadtquartier. 2010 wurden in Mainz 3,4 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen.

Berlin - Rang 13

In Berlin werden Güter an drei Binnenhäfen umgeschlagen. 2010 betrug der Umschlag am Westhafen, Südhafen und am Hafen Neukölln insgesamt 3,8 Millionen Tonnen. Die Häfen wurde alle zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut. Der Osthafen in Friedrichshain hat seit 2006 keine Umschlagfunktion mehr.

Marl - Rang 12

Das „Umschlag Terminal Marl“ liegt am Weser-Datteln-Kanal. Dort werden Waren des Chemieparks Marl umgeschlagen. Hauptnutzer ist Evonik. Gesellschafter ist unter anderem der Duisburger Hafen. In Marl betrug der Güterumschlag 2010 insgesamt 3,8 Millionen Tonnen.

Gelsenkirchen - 11

Der Gelsenkirchener Hafen liegt am Rhein-Herne-Kanal. Der Hafen wurde 1914 eröffnet, dort werden vor allem Mineralölprodukte und Getreide umgeschlagen. Im Jahr 2010 wurden 3,8 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen.

Heilbronn - Rang 10

Im Hafen Heilbronn wurden im Jahr 2010 3,9 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Der Hafen hat den größten Umschlag am Neckar. Die Betriebsfläche ist verteilt auf den Kanalhafen, Osthafen, Salzhafen und Anlagen am alten Neckar.

Frankfurt am Main - Rang 9

In Frankfurt am Main gibt es zahlreiche Binnenhäfen. Im Jahr 2010 erreichten sie zusammen einen Güterumschlag von 4,0 Millionen Tonnen. Die wichtigsten Häfen sind der Osthafen und der Gutleuthafen.

Karlsruhe - Rang 8

Der Karlsruher Hafen teilt sich auf in den Stadthafen und den Ölhafen. Der Stadthafen wird auch als Rheinhafen Karlsruhe bezeichnet, er ging 1901 in Betrieb. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2010 in Karlsruhe 5,2 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen.

Bremen/Bremerhaven - Rang 7

Die Häfen der Gruppen Bremen und Bremerhaven, genannt Bremische Häfen, sind Universalhäfen. Sie werden sowohl von See-, als auch von Binnenschiffen angelaufen. Im Jahr 2010 wurden dort 5,3 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen.

Neuss - Rang 6

Der Hafen Neuss am Rhein verzeichnete im Jahr 2010 einen Güterumschlag von 7,0 Millionen Tonnen. 2003 schlossen sich die Hafengesellschaften von Neuss und Düsseldorf zu der Neuss-Düsseldorfer Häfen GmbH zusammen. In der amtlichen Statistik werden die Umschläge der Häfen jedoch weiterhin getrennt aufgelistet.

Mannheim - Rang 5

Die Becken des Hafens Mannheim verteilen sich auf rund um den Zusammenfluss von Rhein und Neckar. Die Anbindung an den Güterbahnhof Mannheim spielt eine bedeutende Rolle. 7,6 Millionen Tonnen Güter wurden im Mannheimer Hafen 2010 umgeschlagen.

Ludwigshafen - Rang 4

Der Ludwigshafener Hafen liegt am linken Ufer des Rheins - gegenüber des rechtsrheinischen Hafens Mannheim. Er besteht aus mehreren Becken, unter anderem dem Ölhafen und dem Landeshafen Nord bei BASF. 2010 wurden insgesamt 8,0 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen.

Hamburg - Rang 3

Der Hamburger Hafen ist der größte Seehafen in Deutschland und der zweitgrößte in Europa. Doch auch Binnenschiffe legen in Hamburg an. Dazu dienen unter anderem Flusshäfen. 9,2 Millionen Tonnen Güter wurden 2010 in Hamburg per Binnenschiff umgeschlagen.

Köln - Rang 2

Der Kölner Hafen ist der zweitgrößte Binnenhafen in Deutschland. Die vier Häfen Niehl I, Niehl II, Deutzer Hafen und Godorfer Hafen werden zum Frachtumschlag genutzt. Insgesamt wurden 2010 11,9 Millionen Tonnen umgeschlagen. Im Februar 2012 hat das Bundeskartellamt eine Fusion der Hafengesellschaften Köln und Neuss-Düsseldorf genehmigt.

Duisburg - Rang 1

Der Duisburger Hafen ist der weltgrößte Binnenhafen - und damit auch der größte Deutschlands. 50,8 Millionen Tonnen Güter wurden laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2010 dort am Rhein umgeschlagen.

Mit der Erweiterung um das ehemalige Areal des Krupp-Hüttenwerks in Duisburg-Rheinhausen, auf der dem Hafen gegenüberliegenden linksrheinischen Seite, hat die Gruppe zudem seit 1998 ein Logistikzentrum aufgebaut. Auf dem insgesamt 265 Hektar großen Gelände von „Logport“ ist nicht mehr viel Platz. 40 Unternehmen mit rund 4000 Arbeitsplätzen haben sich laut Hafenbetreiber bisher angesiedelt. Seit Januar baut Kühne + Nagel ein neues Logistikzentrum. Der Dienstleister betreibt dort in Zukunft für einen Konsumgüterkonzern ein Großlager und liefert Reinigungs- und Pflegemittel aus.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

12.06.2012, 12:01 Uhr

100 Jahre alte Schleusen, Brückenhöhen an den Kanälen, die einen wirtschaftlichen 3-lagigen Containertransport unmöglich machen, Lächerlichkeiten wie die, daß direkt hinter dem Milliardenaufwand gebauten Rhein-Main-Donau-Kanal aus Umweltgründen(!) ein Flachwasserstück - zwischen Straubing und Vilshofen - nicht ausgebaut wird und damit den teuren Kanal obsolet macht, wen wundert es da, daß die Binnenschifffahrt permanent Marktanteile verliert?
Solange Binnenschifffahrt im Wesentlichen nur an Rhein, Mosel und Neckar betrieben werden kann, also in Nord-Süd-Richtung, das Verkehrswachstum aber als Folge zunehmender europäischer Integration schwerpunktmäßig in Ost-West-Richtung stattfindet, wo der Zustand von Kanälen und Donau einen wirtschaftlichen Schiffsbetrieb verhindert, wird sich das auch nicht ändern. Die folgenlosen Lippenbekenntnisse der Politik nützen da mal gar nichts.
Hinzu kommt noch, daß an vielen Hafenstandorten Hafenflächen umgenutzt werden, weil die jeweiligen Kommunen anderen Nutzungen (Freizeit, Wohnen) den Vorzug geben. So werden dann trotz ausreichender Kapazität der Wasserstraßen die Häfen zu Flaschenhälsen.

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