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19.03.2012

09:16 Uhr

Megaübernahme

UPS greift mit TNT-Übernahme die Deutsche Post an

Der Deutschen Post droht schärferer Wettbewerb im Paketgeschäft. Der US-Konzern UPS kauft den niederländischen Rivalen TNT Express. Es ist ein Deal im Wert von über fünf Milliarden Euro. Die Branche dürfte das verändern.

UPS umwirbt TNT schon lange Reuters

UPS umwirbt TNT schon lange

New York / London Der US-Paketdienst UPS übernimmt den niederländischen Rivalen TNT Express. Die UPS-Offerte bewerte TNT Express mit 5,16 Milliarden Euro, teilte TNT Express am Montag mit. Vorstand und Aufsichtsrat von TNT Express wollten den Aktionären die Annahme der Offerte empfehlen. Diese beinhalte einen Aufschlag von 53,7 Prozent im Vergleich zum TNT-Express-Aktienkurs vom 16. Februar.

TNT Express war Mitte 2011 vom Briefgeschäft der niederländischen Post abgespalten worden. Mit einem Marktanteil von 18 Prozent ist TNT in Europa führend vor DHL, der Tochter der Deutschen Post, die auf 15 Prozent kommt.

Das TNT-Management habe der höheren Offerte zugestimmt, sagten am frühen Montagmorgen zwei mit den Gesprächen vertraute Personen. UPS wolle demnach 9,50 Euro pro TNT-Aktie zahlen.

Die Deutsche Post rechnet damit, dass die EU die Übernahme umfassend untersucht. „Wir gehen davon aus, dass es eine vertiefte Prüfung durch die EU-Kommission geben wird“, sagte ein Post-Sprecher am Montag. Mit der Übernahme stärke ein „wesentlicher Player“ seine Marktmacht in einer Branche, in der es nur wenige große Teilnehmer gebe.

Die Amerikaner umwerben die europäische Firma schon seit langem. Ein erstes Angebot lag im vergangenem Jahr bei 8,25 Euro pro Aktie, auch bei 9,00 Euro blieb TNT im Februar noch standhaft. In den vergangenen zehn Jahren habe es immer wieder Gespräche zwischen den beiden Unternehmen gegeben, schrieb das „Wall Street Journal“. Das Zusammengehen solle rund 500 Millionen Euro im Jahr einsparen.

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Auch der UPS-Konkurrent FedEx soll schon lange an TNT interessiert gewesen sein, hielt sich zuletzt aber zurück. Nach Informationen der „Financial Times“ war TNT Express unter anderem von dem amerikanischen Hedge-Fonds Jana Partners zu dem UPS-Deal gedrängt worden.

Jana Partners soll auch eine treibende Kraft bei der Entstehung von TNT Express im vergangenen Jahr gewesen sein: Der Postkonzern TNT war in die Paketsparte und den Briefzusteller PostNL aufgespalten worden. PostNL ist nun mit knapp 30 Prozent größter Anteilseigner von TNT Express. Zuletzt kämpfte TNT Express mit Problemen und Verlusten. Der Aktienkurs sank seit der Abspaltung im vergangenen Jahr deutlich. Aus diesem Grund hatte es unter den Investoren zuletzt immer wieder Rufe nach einem größeren Partner gegeben.

Im vergangenen Jahr steigerte TNT Express den Umsatz um rund drei Prozent auf 7,2 Milliarden Euro, rutschte allerdings tief in rote Zahlen mit einem Verlust von 270 Millionen Euro. UPS lieferte dagegen Rekordzahlen ab. Der Umsatz stieg 2011 um rund sieben Prozent auf 53 Milliarden Dollar, der Gewinn legte um 14 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar zu. UPS erwirtschaftet den Großteil seiner Gewinne in den USA - gegen Konkurrenten wie FedEx.

Mit einem Marktanteil von 18 Prozent ist TNT in Europa führend vor DHL, der Tochter der Deutschen Post, die auf 15 Prozent kommt. Der Konzern beschäftigt weltweit 83.000 Menschen, 3000 davon in den Niederlanden. UPS würde mit einer Übernahme seine Position in Europa deutlich ausbauen - und damit auch DHL verstärkt Konkurrenz machen.

Kommentare (8)

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Klare_Kante

19.03.2012, 08:55 Uhr

Eine weitere Konzentration auf dem Markt ist aus Kundensicht nicht wünschenswert und unter Wettbewerbsgesichtspunkten nicht hinnehmbar. Bundeskartellamt bitte verbieten sie !!!

Account gelöscht!

19.03.2012, 10:15 Uhr

Manch einem können Preis und Löhne nicht tief genug
sinken.

Was waren das noch für schöne und übersichtliche Zeiten mit der Bundespost. Alles funktionierte gut, ein bischen höhere Preisee für die enorme Leistung der Briefbeförderung wäre nicht schlimm gewesen und auch diese Sparte wäre nicht im Minus verblieben. Nun ja, hat das Internet vielen Briefen das "ungeborene Leben" gekostet. Ob es mal Bücher von Literaten mit EMailkorrespondenz geben wird???

Wer will das lesen?

Diese Ausbeutung der Postausfahrer ist ätzend, man hat schon keinen Bock mehr Pakte zu verschicken. Die Fluktuation ist riesig. kein Wunder, wer so besch... behandelt wird, sollte lieber Hartz IV bentragen.
Hab ich volles Verständnis.

Klare_Kante

19.03.2012, 10:29 Uhr

@ missionpossible

Sie haben mich falsch verstanden. Eine weitere Konzentration in dem Gewerbe führt letztlich nicht zu niedrigeren Preisen, sondern zu höheren. Oligopolartige Strukturen sind aktuell doch am besten im Tankstellenbereich zu beobachten. Und die Folge davon stinkt uns doch allen tagtäglich an der Zapfsäule.
Wenn Sie aber glauben, daß höhere Transportpreise auch zu einem besseren Einkommen der Fahrer führt, hahaha hihihi, da fließen die zusätzlich gemachten Gewinne höchstens in die USA rüber, um der Muttergesellschaft von UPS eine höhere Bonus/Dividendenzahlung zu ermöglichen, aber bestimmt landet davon nichts in den Taschen der Fahrer.

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