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17.03.2012

08:54 Uhr

Milliarden-Kraftakt

Dachser zieht es nach Übersee

VonChristoph Schlautmann

Bisher lagen die Stärken von Dachser bei Lkw-Verbindungen kreuz und quer durch Europa. Nun will Deutschlands größte familiengeführte Spedition ihr Glück verstärkt in Übersee suchen - und investiert 1,3 Milliarden Euro.

Dachser will weiter ins See- und Luftfrachtgeschäft vordringen. Dachser

Dachser will weiter ins See- und Luftfrachtgeschäft vordringen.

KemptenDer Allgäuer Familienkonzern Dachser, neben Schenker und DHL Marktführer im europäischen Lkw-Transport, baut sein Geschäft in einem Kraftakt um. 1,3 Milliarden Euro, teilte Unternehmenschef Bernhard Simon am Wochenende seinen Spitzenmanagern mit, will der Spediteur in den kommenden fünf Jahren ausgeben, um das Lkw-Geschäft auszubauen und zugleich ins See- und Luftfrachtgeschäft vorzudringen.

Die Entscheidung ist mutig – zumal die Schwaben schon in den vergangenen fünf Jahren eine Milliarde Euro in den Umbau investierten. Kaum eine deutsche Familie dürfte ihrer Firma derzeit einen höheren Betrag spendieren. Zudem hat es der David in der Branche gleich mit drei Goliaths zu tun.

Ohne Wettbewerber zu nennen, sagt der 51-jährige Gründerenkel damit Kühne + Nagel, DHL und DB Schenker den Kampf an. Diese Firmen setzen im internationalen Transport per Schiff und Flugzeug das Mehrfache von Dachser um. Kommen die Schwaben derzeit auf 1,07 Milliarden Euro, was einem Viertel des Konzernumsatz entspricht, setzte Kühne + Nagel im See- und Luftfrachtgeschäft 10,8 Milliarden Euro um, die Bahn-Tochter Schenker kam auf 7,1, DHL auf 10,7 Milliarden Euro.

Bislang lagen die Stärken von Dachser ganz woanders. Mehr als 8 000 Lkw-Linienverbindungen kreuz und quer durch Europa, vor allem in die Länder Frankreich, Polen und Ungarn, sind das Rückgrat des Spediteurs, in das auch weiterhin investiert werden soll. Der Aufstieg zum größten familiengeführten Logistiker Deutschlands gelang in den 70er-Jahren mit einer Erfindung: Dachser entwickelte Wechselbrücken – Lkw-Containeraufbauten mit ausklappbaren Stelzen, die eine Trennung der Ladung vom Fahrzeug erleichterten. So musste die Zugmaschine nicht beim Entladen an der Rampe warten, Aufbauten konnten außerdem leicht auf Frachtzüge verladen werden, was Dachser einen Spitzenplatz beim Straßentransport von Stückgut in Europa sicherte.

Doch der reicht Simon, der seit 2005 den Konzern in dritter Generation leitet, jetzt nicht mehr aus. „Wir wollen zu einem weltumspannenden Anbieter in der See- und Luftfracht werden“, kündigte er gegenüber dem Handelsblatt an.

Thomas Reuter, Geschäftsführer und Chef der Sparte Air & Sea Logistics, gibt das Ziel vor: Der Spartenumsatz soll sich bis zum Jahr 2017 auf 2,2 Milliarden Euro verdoppeln. Deshalb sucht Dachser schon jetzt nach neuem Personal. Arbeiten heute in Dachsers Luft- und Seefracht 2 768 Beschäftigte, sollen es in fünf Jahren 5 000 sein. Statt 28 Länder will Dachser dann 49 bedienen.

Schon bei seinem Amtsantritt hatte Simon den Fokus auf das Überseegeschäft gelegt. Denn Branchenexperten halten das Wachstum beim europäischen Lkw-Transport für nahezu ausgereizt. Hinzu kommt, dass ein hoher Preisdruck herrscht. „Für die meisten Geschäftsmodelle im Lkw-Transport gibt es nur niedrige Markteintritts-Barrieren“, sagt Boston-Consulting-Experte Jens Riedl. Weil sich eigentlich jeder mit einem Lkw-Führerschein selbstständig machen kann, sobald er drei Jahre Fahrpraxis nachweist, wird der Wettbewerb in Deutschland vor allem über den Preis ausgetragen.

Kommentare (1)

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Plonkpirat

17.03.2012, 13:48 Uhr

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