Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.03.2012

21:52 Uhr

Nachtflüge in Frankfurt

Der Urteilstermin steht fest

Am 4. April wird das Urteil zum Nachtflugverbot in Frankfurt fallen, wie das Bundesverwaltungsgericht nun mitteilte. Die Hoffnung bei den Anwohnern im Umkreis des Flughafens wächst indes weiter.

Ein Flugzeug landet auf der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens. dapd

Ein Flugzeug landet auf der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens.

LeipzigDas Bundesverwaltungsgericht Leipzig verkündet am 4. April, ob das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen weiterhin gilt. Das teilte das Gericht am Mittwochabend nach zweitägigen Verhandlungen mit. Das Nachtflugverbot zwischen 23.00 und 05.00 Uhr war vom hessischen Verwaltungsgerichtshof im Oktober kurz vor Eröffnung einer neuen Landebahn verhängt worden.

Hessen ist größter Anteilseigner am Flughafenbetreiber Fraport und will durchschnittlich 17 Nachtflüge oder zumindest eine Landeerlaubnis für verspätete Flugzeuge über 23.00 Uhr hinaus durchsetzen. Der Flughafen ist mit 70.000 Beschäftigten die größte Arbeitsstätte Deutschlands und kam im vergangenen Jahr auf einen Nettogewinn von 270 Millionen Euro.

Das Bundesverwaltungsgericht machte den lärmgeplagten Anwohnern zuvor weiter Hoffnung. Der Vorsitzende Richter Rüdiger Rubel sagte am Mittwoch, dass die Erlaubnis von Nachtflügen an sehr hohe Hürden gebunden sei. Die schiere Bedeutung eines Flughafens allein sei nicht ausreichend. Nur weil ein Flughafen groß sei, müsse nachts nicht unbedingt geflogen werden. „Da gibt es keinen Automatismus.“ Bei der Entscheidung über nächtliche Starts und Landungen könnten keine allgemeinen Kriterien angelegt werden, vielmehr müsse jeder Airport eigenständig betrachtet werden.

Vor allem sei wichtig, wie viele Wohnsiedlungen in der Nähe lägen. Zudem seien die Lärmschutzbelange enorm wichtig. Auf die Nachtruhe der Bevölkerung müsse in besonderem Maße Rücksicht genommen werden, vor allem in der Zeit zwischen Mitternacht und fünf Uhr. So schreibe es das Gesetz vor. Die Airlines wie Lufthansa Cargo und der Flughafenbetreiber Fraport müssten schon sehr gute Gründe haben, um in dieser Zeit doch Flüge durchzuführen. „Allein die Absicht, optimale Entfaltungsmöglichkeiten für den Flughafen zu bieten, reicht nicht“, sagte Rubel.

Die Lufthansa hatte stets betont, dass sie die Nachtflüge braucht, um die wichtigen Cargo-Strecken nach Asien und in die USA bedienen zu können. Das geht nach Ansicht der Kranich-Airline auch nur von ihrer Heimatbasis Frankfurt, da viele der Lufthansa-Passagiermaschinen auch Frachtcontainer an Bord hätten, die dort umgeladen werden. Rubel zufolge zieht das Argument aber nicht. „Fracht- und Passagierverkehr müssen eigenständig betrachtet werden.“ Die Leipziger Richter beraten seit Dienstag über die Frage, ob es an Deutschlands größtem Flughafen Nachtflüge geben soll. Das Land Hessen ist dafür und hatte 17 Flüge genehmigt - Städte in der Einflugschneise wie Offenbach und Rüsselsheim, ein Klinikum und Privatpersonen klagen dagegen. Derzeit herrscht zwischen 23 Uhr und fünf Uhr Ruhe, bis das oberste Bundesgericht entscheidet.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

vandale

14.03.2012, 17:16 Uhr

Es ist ein Urteil gegen die Anwohner und die Gesellschaft

Ingenieure reisen in ferne Länder um Projekte zu besprechen, Anwälte reisen um Verträge auszuhandeln, Arbeitnehmer reisen nach einem anstrendem Jahr in den Urlaub, technische Muster müssen schnellstens in ein Testlabor gebracht werden. Mit einem biologisch erneuerbarem Eselkarren ist dies schwierig.

Der Flugverkehr ist ein wesentlicher Bestandteil einer modernen Industriegesellschaft. Der Flughafen ist ein wesentliches Merkmal des Standorts Frankfurt. Ohne den Flughafen würde ein erheblicher Teil der Arbeitsplätze des Raums Frankfurt verschwinden.

Ich lebte einst in Kelsterbach, 2 Km vom Flughafen FFM entfernt, heute lebe ich im Umfeld eines anderen Flughafen. Ich und meine Angehörigen freuen sich über jedes Flugzeug. Es ist der Sound of Prosperity. Der Sound einer modernen, wohlhabenden Industriegesellschaft.

Ein Verkehrsflugzeug kostet mehrere 100 Mio. $. Der Wiederbeschaffungswert des Flughafens Frankfurt ist ein 2-stelliger Milliardenbetrag. Diesen 6, oder 8 Stunden brach liegen zu lassen ist eine Sünde an der Gesellschaft und den Anwohnern.

Richter und Beamte meinen häufig, dass Ihr Einkommen als eine Art Manna vom Himmel fällt, hegen ökoreligiöse Gedanken und sägen fleissig an dem Ast auf dem sie sitzen. Das auch das Beamtengehalt letztlich über die Steuern, die von den produktiven Teilen der Gesellschaft aufgebracht werden leben, überfordert diese offensichtlich.

Vandale

StefanS

14.03.2012, 18:02 Uhr

Sehr gut! Da haben der Flughafenbetreiber, der Wirtschaftsminister und Lufthansa wohl die Rechnung ohne die deutsche Justiz gemacht.

(Flug)lärm wurde bereits in diversen Studien als Ursache für ernste Herz-Kreislauferkrankungen ermittelt. Die Anwohner haben ein Recht auf Ruhe in der Nacht.

Wer glaubt, er könne das Wohl der Menschen dem Profitgedanken unterordnen und Mensch und Umwelt gnadenlos ausbeuten, der hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Dabei ist es völlig irrelevant, wieviel ein Verkehrsflugzeug kostet. Es war schon vor dem Bau eindeutig, dass es keine Nachflüge geben würde. Darauf hatten sich alle Parteien geeinigt.

Wenn die Lufthansa und der Flughafenbetreiber diese Regeln ändern wollen, dann können sie sich gerne erneut an einen Tisch mit den Anwohnern setzen.

Ich bin sich, mit 100 Millionen Euro kann man zahlreiche Grundstücke aufkaufen.

Stimmt's Vandale, mein ahnungsloser und mit dem Recht auf Kriegsfuß stehender Internetkompane?

Laermgegner

14.03.2012, 18:34 Uhr

@ Vandale: Wirtschaftliche Prosperität gegen Gesundheitsgefährdungen abzuwägen, ist zynisch und menschenverachtend. Wie viele Herz-Kreislauf-Kranke, Tumorpatienten und Depressive darf es im Umfeld des Flughafens zusätzlich geben, damit die Industrie im Umland ungebremst expandieren kann?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×