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16.06.2017

11:30 Uhr

Neue ICE-Trasse Berlin-München

„Die größte Angebotsverbesserung in der Geschichte der Deutschen Bahn“

Im Dezember startet die Bahn ihre neue ICE-Trasse zwischen Berlin und München – pünktlich und im Kostenrahmen. Das bedeutet die größte Fahrplanänderung seit Jahrzehnten. Aber nur im positiven Sinne, betont der Bahnchef.

München-Berlin in vier Stunden

Mammut-Projekt: Neue ICE-Strecke krempelt Bahnverkehr um

München-Berlin in vier Stunden: Mammut-Projekt: Neue ICE-Strecke krempelt Bahnverkehr um

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Erfurt/EbensfeldDas letzte große Verkehrsprojekt im Zuge der Deutschen Einheit steht nach rund 25 Jahren vor dem Abschluss: Mit der neuen ICE-Trasse Berlin-München könne die Bahn Verbindungen für 17 Millionen Menschen beschleunigen und ausweiten, sagte Bahnchef Richard Lutz am Freitag bei der Premierenfahrt über den letzten Bauabschnitt im Thüringer Wald.

Auf die Kunden der Deutschen Bahn kommt damit Ende des Jahres die größte Fahrplan-Umstellung der letzten Jahrzehnte zu. Denn alle Fahrpläne für Anschlusszüge werden an die neue Strecke angepasst.

Die Baustellen der Bahn

Fernverkehr

Im Herbst hat die Bahn den neuen ICE 4 vorgestellt – und sich im Fernverkehr Einiges vorgenommen. Um 25 Prozent soll das Angebot bis 2030 ausgebaut, fünfzig Millionen neue Fahrgäste gewonnen werden. Tatsächlich schafft es die Bahn mit ihrer Preisoffensive, etwa mit den 19-Euro-Tickets, mehr Fahrgäste in die Züge zu locken. Aber die Rendite leidet.

Güterverkehr

Der Güterverkehr der Bahn ist ein Sanierungsfall. Zwar verbesserte sich das Ergebnis von DB Cargo im ersten Halbjahr 2016, aber die Sparte ist defizitär – und das schon seit Jahren. Zwischen 2007 und 2015 stagnierte die Verkehrsleistung, und das in einer boomenden Wirtschaft. Private Anbieter, auch auf der Straße, machen der Bahn zunehmend Konkurrenz.

Pünktlichkeit

174,63 Millionen Minuten haben die Personen- und Güterzüge der Bahn 2015 an Verspätungen eingefahren. Hauptursache ist die wachsende Zahl von Baustellen. Zwar schneidet die Bahn im ersten Halbjahr 2016 besser ab. Aber: Das Bemühen um pünktliche Züge ist laut Bahnchef Grube „mit großen Kraftanstrengungen verbunden“.

Infrastruktur

Die Bahn investiert viel Geld in die Infrastruktur: Gut 5,2 Milliarden Euro flossen 2015 etwa in die Instandhaltung von Schienenwegen und Brücken. Doch es hapert bei der Koordinierung der vielen Baustellen. Und so verursacht die von Konzernchef Grube gefeierte „größte Modernisierungsoffensive in der Bahn-Geschichte“ vor allem eines: Verspätungen.

Privatisierung

Die Bahn braucht Geld, um den Schuldenanstieg zu bremsen. Geplant war deshalb ein Verkauf von maximal 40 Prozent der britischen Tochter Arriva und des Transport- und Logistikkonzerns DB Schenker. Arriva sollte im zweiten Quartal 2017 an der Londoner Börse starten, Schenker danach in Frankfurt. Doch die Pläne sind jetzt vom Tisch.

Stuttgart 21

Bahnchef Grube feierte kürzlich die Grundsteinlegung für den Stuttgarter Tiefbahnhof, aber das Großprojekt bleibt umstritten. Beim Volksentscheid 2011 war noch von 4,5 Milliarden Euro Kosten die Rede. Der Bundesrechnungshof hält nun offenbar zehn Milliarden Euro für möglich, Grube selbst spricht von 6,5 Milliarden Euro.

„Das ist die größte Angebotsverbesserung in der Geschichte der Deutschen Bahn“, erklärte Lutz hierzu. Ab Dezember sollen Züge regelmäßig in knapp vier Stunden die rund 600 Kilometer zwischen Berlin und München pendeln und damit Autofahrer und vor allem Flugreisende in die Züge locken. Das Anfang der 90er Jahre gestartete Projekt hat rund zehn Milliarden Euro gekostet. „Die Strecke wird pünktlich fertig und liegt exakt im Kostenrahmen“, sagte Lutz.

Der letzte Bauabschnitt durch den Thüringer Wald hat auf 107 Kilometern 22 Tunnel und 29 Brücken. Fast die Hälfte der Strecke verläuft hier unter der Erde oder über Täler. Zum Fahrplanwechsel im Dezember sollen zwischen Berlin und München täglich in jede Richtung drei ICE-Sprinter fahren, die die Distanz in 3 Stunden und 55 Minuten bewältigen. Reguläre ICE-Verbindungen mit mehr Halten brauchen etwa 20 Minuten länger. Bahnfahrer sparen so rund zwei Stunden. „Damit sind wir gegenüber dem Pkw unschlagbar und im Vergleich zum Flugzeug von City zu City die bessere Alternative“, sagte Lutz.

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Die Verbindung wird sich laut Bahn aber auch auf zahlreiche andere Strecken auswirken. Vor allem in Ostdeutschland würden die Pläne von Nahverkehrszügen an die Hochgeschwindigkeitstrasse angepasst. Profitieren wird besonders die thüringische Landeshauptstadt Erfurt, die zum Fernverkehrsdrehkreuz in Ostdeutschland ausgebaut wird. Hier trifft dann die Linie von Frankfurt am Main auf die Trasse Berlin-München. Der ICE-Knoten Erfurt werde die „schnelle Mitte Deutschlands“. Die Zahl der Zughalte wird sich auf täglich 90 verdoppeln. Aber auch Dresden Leipzig und Nürnberg werden besser angebunden.

Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE 8) bestand aus drei Abschnitten. Die Strecke Berlin-Halle/Leipzig ging 2006 in Betrieb, die Verbindung von dort nach Erfurt im Jahr 2015. Es blieb das anspruchsvollste Teilstück von Erfurt nach Ebensfeld in Bayern.

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