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10.03.2012

09:05 Uhr

Neuer Airport

Aus Zwei macht Berlin Eins

VonSilke Kersting

Der Probebetrieb am Berliner Hauptstadtflughafen „Willy Brandt“ läuft auf Hochtouren, tausende Freiwillige testen die Abläufe. Doch bei der Umsiedlung der zwei Airports an den neuen Standort kann jede Menge schiefgehen.

Komparsen beim Probebetrieb auf dem zukünftigen Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld. dpa

Komparsen beim Probebetrieb auf dem zukünftigen Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld.

Berlin„Als richtiger Passagier würde ich verzweifelt sein“, sagt Gisela Heller: „Komme ich hier heute überhaupt noch weg? Hier weiß ja die rechte Hand nicht, was die linke tut.“ Die Rentnerin ist eine von 260 Komparsen an diesem Tag auf der Baustelle des Berliner Großflughafens „Willy Brandt“.

Sie trägt eine grüne Warnweste und hat einen grünen Helm auf dem Kopf. Sie spielt Passagier, muss einchecken, Koffer aufgeben, durch die Sicherheitskontrolle gehen. „Die Tester helfen uns dabei, die Prozesse am Flughafen möglichst realistisch zu simulieren“, sagt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis 16. Mai werden es insgesamt 10.000 Neugierige sein, die den Flughafen auf Herz und Nieren prüfen, zweimal pro Woche, tagsüber und nachts.

Am Ende müssen alle Abläufe reibungslos funktionieren, denn frühmorgens am 3. Juni startet die erste Maschine. Die bisherigen Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld sind mit diesem Tag Geschichte, werden gleichzeitig geschlossen.

Seit Monaten bereitet sich der Flughafen auf die „Nacht der Nächte“ zum 3. Juni vor. Verantwortlich ist Roland Böhm. Der 35-Jährige ist seit 2007 dabei. „Damals haben wir uns zusammengesetzt und gefragt, wie macht man das überhaupt?“ erinnert er sich.

Die Herausforderung: Es gibt zwei bestehende Flughäfen mit zwei Strukturen und verschiedenen Nutzern, die an einen neuen Standort ziehen. 2009 holte sich Böhm deshalb Verstärkung: Alexander Larisch, ausgeliehen vom Flughafen München.

Fakten zum neuen Flughafen Berlin-Brandenburg

Tegels Tage sind gezählt

TXL ist bald Geschichte. Die drei Buchstaben sind zwar nur eine Flughafenkennung, doch für Vielflieger gilt der Berliner Flughafen Tegel als ideal – beinahe jedenfalls. Binnen 15 Minuten war fast jeder Termin in der Hauptstadt zu erreichen, auf dem Flughafen garantierten kurze Wege auch kurze Eincheckzeiten. Einziger Nachteil: Der Nachkriegsairport mit dem kaum bekannten offiziellen Namen „Otto Lilienthal“ ist mittlerweile hoffnungslos überlastet. Tegels Tage sind gezählt. Am 2. Juni 2012 zwischen 22 und 23 Uhr wird hier das letzte Flugzeug abheben. Dann wird der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) eröffnet. Hier die wesentlichen Fakten zum Airport.

Start

Am 3. Juni eröffnet der neue Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld, 25 Kilometer von Berlins Mitte entfernt. Gegen sechs Uhr starten nach den Plänen der Flughafengesellschaft zwei Maschinen – je ein Flugzeug von Air Berlin und von Lufthansa.

Kapazität

Der neue Flughafen ist auf dem Gebiet des alten Airports Schönefeld entstanden. Die Grundfläche beträgt rund 1470 Hektar, das entspricht annähernd 2000 Fußballfeldern. Berlin-Brandenburg verfügt über zwei Start- und Landebahnen, die parallel angelegt sind. Zwischen ihnen befindet sich das Terminal. Das Abfertigungsgebäude hat sechs Geschosse, die Kapazität wird zu Beginn des neuen Flughafens bei jährlich 27 Millionen Passagieren liegen. Das Terminal kann aber durch neue Module auf bis zu 45 Millionen Passagiere erweitert werden. Zum Vergleich: Der Frankfurter Flughafen fertigte voriges Jahr 56 Millionen Passagiere ab.

Anbindung

Der neue Airport wird ein Flughafen der kurzen Wege, wirbt die Flughafengesellschaft: Direkt unter dem Terminal liegt der Bahnhof. Die Flugreisenden sollen in fünf Minuten die Check-in-Schalter erreichen und ebenfalls zügig die Gates. Ziel: Jeder zweite Reisende soll mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen kommen.

Der Airport-Express wird viermal stündlich pendeln. Fahrzeit: 30 Minuten bis zum Hauptbahnhof. Auch Direktverbindungen mit dem ICE nach Hamburg, Hannover, Münster und Amsterdam wird es geben.

Der Clou ist noch in Vorbereitung: das verkehrsmittelübergreifende Informations- und Störfallmanagementsystem Airvis. Reisende können damit kostenlos über ihr Smartphone alle Informationen beziehen – welches Verkehrsmittel zu bevorzugen ist, welche Route gewählt werden sollte sowie Infos über Flugverspätungen, Gates und Check-in-Schalter. Typischen Hauptstadtstreit leistet sich das Taxigewerbe. Denn noch ist unklar, welcher Tarif gelten soll, der preiswertere aus Berlin oder der des Landes Brandenburg. Bei rund 40 Euro bis ins Regierungsviertel spielt das schon eine Rolle.

Check-in

Im Flughafen Berlin-Brandenburg soll deutlich werden, dass das Papierticket bald der Vergangenheit angehören wird und elektronische Tickets das Einchecken bestimmen werden. Im Airport gibt es zunächst 104 Check-in-Schalter, zugleich werden aber rund 200 Check-in-Automaten der Airlines aufgestellt.

Die Münchener haben Erfahrung mit der Umsiedlung von Flughäfen, seit sie vor 20 Jahren aus der Stadt hinaus ins Erdinger Moos zogen. Seitdem ist das Münchener Team mit dem sperrigen Namen „Operational Readiness and Airport Transfer (Orat)“ bei fast jedem Flughafenumzug der Welt dabei.

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