Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.03.2012

12:17 Uhr

Öko-Brummi gesucht

Die Zukunft des Lkws hat gerade erst begonnen

VonMarkus Fasse

Steigende Spritzpreise und neue Klimavorschriften stellen die Lkw-Industrie vor gewaltige Herausforderungen. Erste Gigaliner fahren testweise durch Deutschland - es scheint, als stünden noch weitere Revolutionen bevor.

Ein Gigaliner fährt in einem Kreisverkehr. Erste Testversuche für Riesenlastwagen laufen bereits. dpa

Ein Gigaliner fährt in einem Kreisverkehr. Erste Testversuche für Riesenlastwagen laufen bereits.

MünchenDer Lkw der Zukunft wird sehr lang. Maximal 18,75 Meter sind es heute, 25 Meter lang könnten die geplanten Gigaliner werden. Doch in den kühnsten Träumen der Industrie könnten die Lastzüge der Zukunft auch auf dreißig oder vierzig Meter wachsen. Elektronisch gesteuert und aerodynamisch optimiert sollen die künftigen Lastwagenflotten das leisten, was heute noch unmöglich scheint: Deutlich mehr transportieren mit immer weniger Energieeinsatz.

„Wir müssen eigentlich über eine Revolution nachdenken“, sagt Christian Simon Ernst von der RWTH Aachen. Auf dem Euroforum-Kongress „Trends der Nutzfahrzeugindustrie“ in München zeigt er das Szenario für den europäischen Gütertransport auf. Um satte 57 Prozent wird das Transportvolumen und damit der Lkw-Verkehr bis 2030 in Westeuropa steigen, damit rechnet zumindest die EU-Kommission.

Da gleichzeitig der Ölpreis in den kommenden Jahren ebenfalls rasant ansteigen dürfte und in Europa scharfe Klimaschutzvorschriften eingeführt werden sollen, tüftelt die Industrie an Auswegen. Tatsächlich werden es viele Einzelschritte sein, die den Verbrauch der Lkw-Flotten in den kommenden Jahren drücken könnten. Denn die Kosten treffen eine Industrie, die wirtschaftlich seit Jahren am Limit arbeitet: Ein Prozent Marge gilt in der Speditionsbranche als üblich, damit müssen Lastwagen mit Anschaffungspreisen von rund 75.000 Euro refinanziert werden.

Die Industrie trommelt deshalb für den Gigaliner: In mehreren Bundesländern laufen Großversuche für bis zu 25 Meter lange Lastwagen, die für die Speditionen deutliche Kostenvorteile bringen würden. „Damit machen wir aus drei Lastwagen zwei“, sagt Kay Lindemann vom Branchenverband VDA. Der Vorteil: Deutliche Kostenvorteile für die Speditionen. Umweltverbände und Verkehrsclubs laufen seit Monaten Sturm gegen das Vorhaben.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Eva1811

19.03.2012, 16:43 Uhr

Warum gibt es denn eigentlich keine Autogaslaster?? Busse gibt es ja, da dürfte es doch es eigentlich nicht schwer sein für die LKW-Industrie hier das gleiche anzubieten, es würde die Transportkosten für alles was so kreucht und fleucht auf unseren Autobahnen erheblich günstiger machen und auch unsere steigenden Lebenshaltungskosten wieder runterbringen.

Mercurius

20.03.2012, 18:24 Uhr

Originalton des Branchenverbandes VDA zum Thema Lang-Lkw:
"Damit machen wir aus 3 Lastwagen zwei".
VDA ist der Verband der Automobilhersteller.
Was haben die eigentlich davon, statt 3 nur noch 2 Fahrzeuge zu verkaufen ?
Außerdem ist die Aussage dieses "Fachmanns"
selbst für einen Grundschüler erkennbar FALSCH.
Ein Lkw muß ja zwischendurch auch Be- und Entladen werden
und die Zeit für das Be- und Entladen dürfte proportional mit der Lademenge steigen, zumindest bleibt sie gleich.
Die Formel "2 anstatt 3" kann nie stimmen !
Die logisch nächste Forderung für die immer längeren Fahrzeuge wären dann wieder Schienenfahrzeuge,
so dreht sich alles im Kreis wie bei "Mensch-ärgere-Dich-nicht".

Nutzer

29.03.2012, 10:54 Uhr

Aufgrund der 99 %-igen Abhängigkeit von Dieselkraftstoff und Dieselmotor als unzertrennbare Einheit, ist es mehr als zu begrüßen, wenn sich MAN, möglicherweise auch im Rahmen der Allianz von VW, Scania und MAN, Gedanken auf der Entwicklungsebene macht, inwieweit ein Nutzfahrzeug mit Gas, z.B. LNG (Liquid Natural Gas) = Flüssigerdgas oder auch mit Dimethylether (DME) betrieben werden kann.
Auch MAN muss sich der Situation stellen, dass durch politische Instabilitäten der Ölpreis weiter unter Druck stehen wird und die Dieselpreise überdurchschnittlich ansteigen werden. Die Folge daraus ist, dass ansteigende Dieselpreise das Wachstum hemmen und die Verkaufszahlen belasten werden. Die Alternative liegt darin, einen gasbetriebenen Motor für Nutzfahrzeuge zu entwickeln
und gleichzeitig den Dialog zur Gewinnung synthetischer Kraftstoffe fortzuführen. Ein nachhaltiges Wachstum ist machbar, jedoch nur mit einem Kraftstoff, der dem Diesel und mit einem Motor, der dem Dieselmotor folgen wird.
Die Zukunft des LKWs hat jetzt erst gerade begonnen.
Die Erwartung an MAN, welcher alternative Antrieb bei Nutzfahrzeugen auf der Messe, IAA Nutzfahrzeuge in Hannover, im Sept. 2012 vorgestellt wird, ist sehr groß.
Das Vertrauen in die Entwicklung, Qualität und in die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Motorentechnik ist vorhanden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×