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12.03.2012

11:54 Uhr

Optimierungsbedarf

Logistiker übernehmen das Risikomanagement

VonChris Löwer

Das beliebte Just-in-Time-Konzept der Industrie mag Kosten sparen - doch für unvorhergesehene Ereignisse ist es nicht gemacht. Das hat für die Logistikbranche erhebliche Folgen - sie muss sich mit dem Risikomanagement befassen.

Frachtzentrum eines Logistikunternehmens. dapd

Frachtzentrum eines Logistikunternehmens.

BerlinErdbeben, Wirbelstürme, Überschwemmungen sind ein Alptraum – auch für Logistiker. Denn um Lager- und Kapitalkosten zu sparen, setzt die Industrie auf Just-in-time-Lieferung (JIT). Für Unvorhergesehenes ist da kein Platz. Doch das Umdenken hat begonnen.

Ein Auslöser war das Erdbeben in Japan vor einem Jahr. Das traf ausgerechnet Toyota, den Erfinder von JIT, ins Mark. Aber selbst jedes sechste IT-Unternehmen in Deutschland erlebte laut Branchenverband Bitkom Lieferengpässe. „Durch weltweit vernetzte Warenströme hat auch ein Erdbeben in Japan unmittelbar Auswirkungen auf Fertigungsprozesse in Deutschland“, sagt Logistikprofessor Frank Straube von der TU Berlin. Eng getaktete globalisierte Lieferketten sind störanfällig.

„Das Risiko von Produktionsausfällen durch Just-in-time ist erheblich“, meint Ludger Schuh, Leiter Inventory & Supply Chain bei Inform, einem Spezialisten für softwaregestützte Optimierungslogistik. Selbst kurzfristige Lieferausfälle, sei es nur durch Staus oder Streiks, könnten schnell zu Produktionsausfällen führen. Denn die Lücken können nicht durch Reserven gefüllt werden. Vor diesem Hintergrund gewinne die Lagerhaltung durch Lieferanten direkt beim Kunden an Bedeutung.

Schuh geht davon aus, dass sich die Produktkomplexität weiter erhöht, so dass die Industrie künftig auf noch mehr Lieferanten zurückgreifen muss als heute. „Um das damit verbundene Ausfallrisiko abzufedern, werden Unternehmen sicherlich wieder höhere Bestände anlegen“, erwartet Schuh.

Hinzu kommen weitere Gefahren, auf die Andreas Wieland, Leiter des Berliner Kompetenzzentrums Internationale Logistiknetze, hinweist: „Die Beschaffungsmärkte werden immer volatiler.“ Lieferanten, die unerwartet pleitegehen, Terroranschläge oder Naturkatastrophen: Auf solche Ereignisse seien viele Firmen schlecht vorbereitet. „Unternehmen sind zu reaktiv, tun zu wenig für die Robustheit ihrer Logistik“, ist die Erfahrung des Wissenschaftlers. Dazu gehöre zumindest eine eiserne Reserve.

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