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27.11.2014

18:30 Uhr

Seilbahnen aus Südtirol

Über den Dächern der Großstadt

VonJoachim Hofer, Axel Höpner

Längst schweben Seilbahnen nicht mehr nur über alpinen Baumwipfeln. Der Südtiroler Seilbahnbauer Leitner will mit seinen Anlagen die Metropolen erobern. Sein jüngstes Projekt: Eine Seilbahn im türkischen Ankara.

Leitner-Gondeln in Barcelona: Das Geschäft mit den Städten boomt. Leitner

Leitner-Gondeln in Barcelona: Das Geschäft mit den Städten boomt.

SterzingIn Sterzing warten sie wieder einmal auf den Schnee. So wie jedes Jahr. Die Skisaison soll Anfang Dezember starten, doch ob die grünbraunen Südtiroler Wiesen bis dahin weiß sind, das weiß nur der liebe Gott.

Eine Schneegarantie gibt's nicht, erst recht nicht in Zeiten des Klimawandels. Neue Skigebiete werden in den Alpen auch deshalb kaum noch erschlossen. Für die Sterzinger Seilbahnfirma Leitner sind das erst mal keine guten Perspektiven.

Doch die karge Berglandschaft des Alpenhauptkamms hat den Menschen schon immer so einiges abverlangt. Martin Leitner klagt deshalb nicht über warme Winter, sondern produziert seit drei Jahren auch Schneekanonen. „Das ist unser jüngstes Kind“, sagt der Vertriebsvorstand.

Sein Urgroßvater hatte die Firma südlich vom Brennerpass vor 126 Jahren gegründet und den Bauern Maschinen verkauft. 1908 stellte Leitner die erste europäische Personenseilbahn in Bozen mit auf. Seither sorgen die Leitners dafür, dass es in den Alpen aufwärtsgeht: mit Schleppliften, Sesselliften und Gondeln. In den vergangenen Jahren kamen erst Pistenraupen und schließlich die künstliche Beschneiung dazu. „Wir wollen alles aus einer Hand liefern und sehen uns als Komplettanbieter“, betont Leitner.

Viele Anlagen haben die Betreiber inzwischen modernisiert. In Kitzbühel, Laax oder Garmisch gondeln die Gäste heute auf beheizten Sitzen in die Höhe, die teuren Daunenjacken werden auch bei Schnee und Regen im Sessellift nicht mehr nass, farbige Plastikhauben halten die Sportler trocken, die Bügel schließen sich automatisch.

Doch der Skimarkt tritt nach dieser Modernisierungswelle auf der Stelle, daran ändern auch einige neue Gebiete in Russland, Kasachstan, Aserbaidschan oder China nicht viel. Deshalb baut Leitner immer mehr Anlagen in Großstädten. Von den 450 Millionen Euro Umsatz, die Leitner mit Seilbahnen macht, entfällt schon fast ein Drittel auf den Nicht-Ski-Bereich. Zuletzt haben sie eine Seilbahn in der türkischen Hauptstadt Ankara eröffnet, auch in New York oder Mexiko City schweben die Leute in den Metallkästen des Familienbetriebs.

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