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16.06.2017

13:16 Uhr

Zalando

Warum der Modehändler ins Logistikgeschäft einsteigt

VonMiriam Schröder

Die Modeplattform Zalando bietet ihren Partnern künftig auch Logistik-Dienstleistungen an. Das Vorgehen erinnert an Amazon: Zalando will der Marktplatz werden, der Modeschaffenden den Zugang zum Kunden verkauft.

Zalando nimmt sich Amazon als Vorbild: Der Modehändler will künftig auch die Logistik für seine Partner übernehmen. dpa

Zalando

Zalando nimmt sich Amazon als Vorbild: Der Modehändler will künftig auch die Logistik für seine Partner übernehmen.

BerlinZalando wächst und wächst. Sechs Logistikzentren betreibt der Online-Modehändler inzwischen in Europa. In Frankreich wurde erst kürzlich eines eröffnet, in Polen und in Schweden werden gerade Hallen gebaut. „Wir kommen immer näher dran an die Kunden“, sagt Logistikchef Jan Bartels.

Diese Nähe will Zalando jetzt zu Geld machen. Denn ein solches Logistiknetz hat nicht jeder. Schon lange bietet der Modehändler rund 180 Markenpartnern an, ihre Waren über seine Plattform zu vertreiben. Zalando selbst hat nur ein Basisprogramm an Klamotten und Schuhen im Angebot. Darüber hinaus stellen Marken wie Adidas stellen ihr eigenes Sortiment über die Zalando-Kanäle zum Verkauf. Durch die Drittanbieter erweitert Zalando seine Produktpalette – ohne selbst ins Risiko zu gehen.

Zum Wachstum beitragen soll auch eine verstärkte Partnerschaft mit dem weltgrößten Sportartikelhersteller Nike: Zalando will mehr Artikel in sein Angebot aufnehmen. Außerdem soll künftig die H&M-Marke Weekday angeboten werden. Der Umsatz soll sich so bis 2020 verdoppeln. Das sei das erklärte Ziel, sagt Co-Vorstandschef Rubin Ritter am Freitag in Berlin. 2016 hatte das Unternehmen mehr als 3,6 Milliarden Euro eingenommen.

Jetzt will Zalando auch noch die Logistik für die Partner übernehmen. Ein Markenhersteller muss seine Artikel dann künftig nicht mehr selbst zum Kunden bringen, sondern schickt die Waren in eines der Logistikzentren von Zalando. Dort werden die Pakete gepackt und auf den Weg gebracht. Auch die Retouren werden organisiert. Das habe Synergieeffekte für beide Seiten, sagt Bartels. Der Partner könne sich auf das konzentrieren, was er am besten kann: Design, Herstellung und Markenbildung und damit jetzt womöglich mehr Länder und damit Kunden erreichen als vorher. Zalando stelle sicher, dass seine Kunden die gewohnte Service-Qualität bekommen. Und alle profitierten davon, dass der LKW nur einmal fahren muss. 

Der Schritt passt zu einer Strategie, die Zalando seit langem verfolgt. Der ehemalige Schuhhändler will nicht länger nur Händler sein. Zalando soll die Technologie-Plattform für die europäische Modewelt werden. Der Marktplatz quasi, über den jedes Geschäft abgewickelt wird, das mit Mode zu tun hat. Einkaufen kann man längst nicht mehr nur im klassischen Zalando-Shop, sondern auch über diverse Apps. Die Entwicklungsabteilung arbeitet auch am Einkauf via Spracherkennung oder Social Media. Ob Hersteller, Designer, Modeblogger oder Stylisten: Zalando verkauft ihnen den Zugang zum Kunden. Das Vorbild heißt schon längst nicht mehr H&M oder Zara. Das Vorbild heißt Amazon. 

Der Grundgedanke hinter der Plattformstrategie ist Größe. Je mehr Kunden, desto mehr Daten und desto mehr Erfahrung kann Zalando sammeln – und an seine Partner weiterverkaufen. Über die Zalando Media Solutions etwa, eine Tochter-Firma, die datengestützte und zielgenaue Werbekampagnen für Modemarken entwickelt. Je mehr Partner an dem Programm teilnehmen, desto attraktiver wird die Plattform für die modeinteressierte Kundschaft.

Und jetzt die Logistik. Der erste große Kunde, der die Dienstleistung in Anspruch nimmt, ist die dänische Modegruppe Bestseller, zu der Marken wie Vero Moda gehören. Deren Chef, Anders Holch Povlsen, sitzt auch bei Zalando im Aufsichtsrat. Die Markenpartner zum Mitmachen zu bewegen, sei zunächst mal eine Herausforderung, räumt Jan Bartels ein. Manche seien unsicher, ob die Ware, die sie ins Zalando-Lager legen, auch weggeht. Dann müssten sie sie umständlich zurückbeordern, um sie über andere Kanäle verkaufen zu können. 

Solchen Bedenken will Zalando mit weiteren Service-Dienstleistungen entgegen treten. Durch die Daten, die das Unternehmen an allen möglichen Stellen sammele, könne man ziemlich gut vorhersagen, welches Produkt sich in welcher Region wann und wie verkaufen werde, behauptet Logistik-Chef Bartels. Außerdem denkt das Unternehmen schon darüber nach, seinen Partnern die komplette Logistik-Lösung anzubieten, also auch solche Kunden zu beliefern, die nicht über Zalando bestellt haben. Sozusagen: Das ganze Paket. 

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