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15.04.2006

10:00 Uhr

Während andere in der Metropole mit den modernsten Gefährten zur Arbeit kommen, hält sich Boardman an seine alte Ente. Foto: dpa

Während andere in der Metropole mit den modernsten Gefährten zur Arbeit kommen, hält sich Boardman an seine alte Ente. Foto: dpa

LONDON. In der 71. Minute, als Robin van Persin aus spitzem Winkel das 4:0 gegen Aston Villa schießt, springt Nigel Boardman aus dem Sitz, reckt die geballte Faust hoch in die Luft und lacht übers ganze Gesicht. Er erinnert sich noch, wie Arsenal den jungen Niederländer unter Vertrag nahm. Seine erste Arbeit für den Club, „ein ziemlich einfacher Kontrakt“. Heute ist er der Lieblingsanwalt seines Lieblingsclubs und könnte in der Corporate Box sitzen. Doch er zieht den Plastiksitz auf der Nordtribüne des legendären Highbury Stadions vor. Seit Jahren hat er dort Dauerkarten für sechs Plätze. Boardman hat sechs Kinder. Sport und die Familie sind seine wichtigsten Hobbies.

Niemand hätte einen Fußball-Fan vermutet, als der hochgewachsene Mann mit dem schütteren Haar ein paar Tage zuvor kerzengerade durchs lichte High Tech-Foyer der Londoner Edelkanzlei Slaughter and May steuert. Kein Fältchen im dunklen Anzug verrät, dass er an diesem Morgen kurz vor acht – „etwas später als gewöhnlich, ich habe noch meine Tochter abgesetzt“ – mit einer 20 Jahre alten, cremefarbenen Ente zur Arbeit kam. Die anderen fahren im Porsche zur Arbeit. Aber er hat in 20 Jahren nie die Lust oder Notwendigkeit verspürt, ein neues Auto zu kaufen. Exzentrik oder Zeichen einer extrem konservativen Gesinnung?

Mit der Ente geht es ihm wie mit seinem Job. „Neuerungen müssen gerechtfertigt sein“, ist seine Devise. Als 22-Jähriger trat Boardman bei Slaughter and May ein – gleich nach dem Geschichtsstudium, das ihm sein Vater, der Tory-Minister, empfohlen hatte. Damit aus ihm kein trockener Anwalt, sondern eine abgerundete Persönlichkeit werde. Seither verspürt er keine große Lust mehr, etwas anderes zu tun. „Ich sehe nicht, dass noch etwas Besseres kommen kann.“ Lediglich ein zweijähriger Ausflug zu einer Handelsbank ziert seinen Lebenslauf.

Wer einmal bei Slaughter and May Partner ist, bleibt. Im Magic Circle der fünf bedeutendsten Kanzleien der Londoner City sind sie die kleinsten. Aber den Nettogewinn von 1,05 Millionen Pfund für jeden der rund 120 Partner, den hat noch keiner geschlagen. Doch Slaughter and May kommentiert diese Zahlen nicht. „Schauen sie in den Jahrbüchern nach“, heißt es lapidar.

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