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17.10.2011

13:37 Uhr

L'Oreal-Milliardärin

Liliane Bettencourt wird entmündigt

Die L'Oréal-Millardärin bekommt einen Vormund - sie soll unter Alzheimer leiden. Zuvor hatte sie für diesen Fall angekündigt, Frankreich verlassen zu wollen. Im Hintergrund tobt ein erbitterter Familienstreit.

Liliane Bettencourt (88). AFP

Liliane Bettencourt (88).

ParisFrankreichs reichste Frau, Liliane Bettencourt, wird entmündigt. Das teilte ihr Anwalt mit. Ein Vormundschaftsgericht in Courbevoie bei Paris entschied am Montag, dass die L'Oréal-Erbin einen gesetzlichen Betreuer erhalten soll. Die alte Dame werde unter Vormundschaft ihres ältesten Enkels Jean-Victor Meyers gestellt, die Verwaltung ihres Vermögens werde der Tochter und ihren zwei Enkeln übertragen. Der Aktienkurs stieg an der Pariser Börse um 3,4 Prozent.

Die 88-Jährige soll laut einem Bericht der Zeitung „Le Monde“ unter Alzheimer und Sprachstörungen leiden und zeitweise desorientiert sein. Dies gehe aus einem Attest des Neurologen Bruno Daunizeau hervor. Die Richter haben zudem die Enkel von Bettencourt als Zeugen angehört, auch sie sollen die Milliardärin als verwirrt bezeichnet haben.

Liliane Bettencourt

Liliane Bettencourt

Liliane Bettencourt wurde am 21. Oktober 1922 in Paris geboren. Ihr Mädchenname lautet Schueller, nach ihrem Vater Eugène Schueller. Eugène gründete 1909 die Vorgänger-Firma von L'Oréal, die seit 1936 unter diesem Namen weltbekannt wurde.

Heirat

1950 heiratete sie den französischen Politiker André Bettencourt.

Tochter

Am 10. Juli 1953 kam die einzige Tochter des Paares, Françoise, auf dem Familiensitz in Neuilly-sur-Seine Welt. Sie sitzt heute im Aufsichtsrat von L'Oréal.

Tod des Vaters

Am 23. August 1957 starb ihr Vater. Sie erbte 27,5 Prozent des Unternehmens. Sonst befinden sich noch 26,4 Prozent von L'Oréal in der Hand von Nestlé, die restlichen Aktien sind in Streubesitz.

Schenkungen

Zwischen 2001 und 2007 hat Bettencourt Gemälde, Immobilien, Schecks und Lebensversicherungen im Wert von knapp einer Milliarde Euro an den französischen Fotografen François-Marie Barnier verschenkt. Daraufhin entbrannte ein Streit mit der Tochter, die eine Vormundschaft für ihre Mutter beantragte.

Konzerndaten

2010 setzte L'Oréal 19,5 Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen Gewinn von 3,06 Milliarden Euro. Ende des vergangenen Jahres arbeiteten 64.600 Menschen für den Kosmetikkonzern.

Bettencourt hatte am Vortag für den Fall einer Vormundschaft damit gedroht, auszuwandern. Die Tochter hatte sich monatelang einen erbitterten Familienstreit mit ihrer Mutter geliefert, weil sie die alte Dame von Mitarbeitern und Beratern ausgebeutet sah.

So hatte die einzige Tochter der L'Oréal-Milliardärin dem Künstler François-Marie Banier vorgeworfen, ihre Mutter um fast eine Milliarde Euro in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Schecks erleichtert zu haben. Mehrere Versuche von Françoise Bettencourt-Meyers, ihre Mutter entmündigen zu lassen, waren vorher gescheitert. Sie betonte zudem, dass sich durch die Anordnung der Vormundschaft für L'Oréal nichts ändere, da die Familie ihre Rechte über eine Holding ausübe.

Der Familienstreit hatte eine Reihe von Affären ausgelöst, die im vergangenen Jahr auch die konservative Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy erschütterten. Neben Steuerhinterziehung wurde der L'Oréal-Hauptaktionärin vorgeworfen, illegale Parteispenden an die konservative Regierungspartei UMP übergeben zu haben. So untersuchte die Justiz, ob eine illegale Spende in Höhe von 150.000 Euro für den Präsidentschaftswahlkampf von Sarkozy im Jahr 2007 floss. Bettencourt verfügt nach Schätzungen des US-Magazins „Forbes“ über ein Vermögen von etwa 16 Milliarden Euro.

An den Börsen wurde die Nachricht positiv aufgenommen: Der Aktienkurs der L’Oréal gewann am Montag in Paris bis zu 3,4 Prozent.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

17.10.2011, 18:27 Uhr

Tja, da hat die alte Dame in jüngeren Jahren etwas versäumt. Solche Vermögen gehören rechtzeitig in enen Trust verbunkert, dann ist sofort Ruhe in der Familie.

flonati

19.10.2011, 01:00 Uhr

Perverse Gesellschaft: Tochter versucht mit illegalen Mitteln
an das Vermögen der Mutter zu kommen. Ein Gericht läßt die Mutter entmündigen aufgrund eines fragwürdigen und für mich nicht auf legalem Weg erstellten Gutachtens entmündigen. Tochter und Söhne sollen Betreuer ihres Vermögens werden.weshalb wurde die Nachricht an der Börse mit +3,4% "belohnt"

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