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02.07.2012

12:17 Uhr

Lothar Steinebach

„Viele können nicht über den Tellerrand blicken“

VonChristoph Kapalschinski, Dieter Fockenbrock

Mit Lothar Steinebach steht einer der dienstältesten Finanzchefs vor dem Rückzug. Im Interview erklärt der Henkel-Manager, warum Konzerne Finanzprofis brauchen - und warum die intern immer mehr zu sagen haben.

Henkel-Finanzchef Lothar Steinebach betreut einen Mitarbeiterstab von mehreren tausend Personen weltweit. Frank Beer für Handelsblatt

Henkel-Finanzchef Lothar Steinebach betreut einen Mitarbeiterstab von mehreren tausend Personen weltweit.

Handelsblatt: Herr Steinebach, wenn Sie heute Ihre eigene Bewerbung auf den Schreibtisch bekämen: Würden Sie den jungen Berufseinsteiger Lothar Steinebach heute noch einstellen?

Lothar Steinebach: Mein Einstieg war ungewöhnlich für einen Finanzmanager, denn ich habe ja als Jurist bei Henkel begonnen. Zu der Zeit war Henkel dabei, sich stärker zu internationalisieren, hatte in den USA zugekauft und suchte über einen Personalberater einen Deutschen, der auch in den USA studiert hat. Ja, als Jurist würde ich mich auch heute einstellen.

Hatten Sie es einfacher, gerade weil Sie kein Controller waren?

Nicht notwendigerweise. Man braucht den fachlichen Hintergrund, den ich erst erlernen musste. Für Wirtschaftswissenschaftler ist daher der Start einfacher. Viele tun sich dann aber schwer, über den Tellerrand hinauszublicken. Dabei ist das eine wichtige Voraussetzung für Führungsqualität.

Wie haben sich die Aufgaben der Finanz-Leute geändert?

Als ich 1995 in die Finanzabteilung gekommen bin, begann der Wandel. Meine Vorgänger waren hervorragende Finanz-Fachleute. Ich kam dazu, weil ich meine breitere internationale Erfahrung für unsere Akquisitionen nutzen sollte. Zudem hat die Geschwindigkeit und Komplexität zugenommen, in der wir handeln müssen. Im Finanzwesen haben wir daher Prozesse in Shared-Service-Organisationen in Bratislava, Manila und Mexiko zentralisiert und vereinheitlicht.

Sehen Sie die Rolle des CFO unternehmensweit als Sparkommissar, oder decken Sie soziale Aspekte mit ab?

Die Verantwortung besteht darin, das Unternehmen zu führen und am Markt erfolgreich zu sein. Die soziale Verantwortung eines Unternehmens setzt ganz entscheidend wirtschaftlichen Erfolg voraus. Das erfordert, dass die Strukturen optimiert werden. Das wird maßgeblich vom Finanzchef vorangetrieben.

Welche Rolle nimmt der CFO im Vorstand ein?

Die Hauptaufgabe ist, die Liquidität des Unternehmens sicherzustellen. Ein Beispiel: 2009 war das große Krisenjahr im Industriegeschäft, nachdem wir gerade erst für 3,7 Milliarden Euro das Klebstoffgeschäft von National Starch gekauft hatten. Wir mussten wegen der hohen Verschuldung das gesamte Unternehmen darauf einschwören, Finanzmittel freizusetzen. Dabei hat der Finanzchef die Führungsrolle. Wir haben bei einem großen Management-Meeting Ziele vorgegeben und Beiträge aller Teile des Unternehmens eingefordert. Zum Jahresende hatten wir den höchsten Free Cash-Flow der Unternehmensgeschichte.

Übernimmt also in einer Krise der Finanzchef die Führung?

Nein, das kann nur das Team tun, aber die strategische Richtung und wichtige Impulse müssen vom Finanzchef ausgehen.

Kommentare (2)

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sailing

02.07.2012, 13:33 Uhr

wieso man einen Juristen zum CFO macht bleibt wohl das Rätsel von Henkel.

KlausSeilberger

02.07.2012, 18:36 Uhr

Stimmt - ein Finanzfachmann hätte z.B. vor 2008 selbstverständlich in hochmoderne Derivate von Lehman investiert. Der Jurist Steinebach war dazu zu phantasielos.

Womit er Henkel Hunderte von Millionen Verluste ersparte...

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