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22.07.2017

10:53 Uhr

Lünendonk-Studie

Der geteilte Markt der Wirtschaftsprüfer

VonSiegfried Hofmann

In der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung wachsen die großen Firmen schneller als die kleinen. Und diese Spreizung des Marktes wird sich laut einer Studie der Analysefirma Lünendonk in den nächsten Jahren fortsetzen.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft konnte ihren Umsatz im vergangenen Jahr deutlich steigern. dapd

PWC ist der große Gewinner

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft konnte ihren Umsatz im vergangenen Jahr deutlich steigern.

DüsseldorfBig is beautiful – so lautet der Trend, dem sich die großen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften (WP) schon seit Jahren verschrieben haben. Und die Entwicklung der Branche im vergangenen Jahr scheint das mehr denn je zu bestätigen. Dafür jedenfalls spricht die jüngste Studie des Marktforschers Lünendonk zur Performance der führenden deutschen WP-Gesellschaften. Die 25 größten Vertreter der Branche konnten danach ihre Erlöse 2016 im Schnitt um 7,2 Prozent steigern und damit stärker als der Gesamtmarkt, der nach Schätzung von Lünendonk um gut sechs Prozent auf etwa 13 Milliarden Euro expandierte.

Und selbst innerhalb der Führungsgruppe ist das Wachstumsgefälle zugunsten der ganz großen verschoben. Die vier mit Abstand größten WP-Gruppen (PWC, KPMG, EY und Deloitte) konnten im Schnitt immerhin um 11,8 Prozent zulegen. Gleich zwei der „Big Four“ – Deloitte mit Plus 22 Prozent und PWC mit Plus 16 Prozent – zählen zu den wachstumsstärksten Vertretern der Branche.

„Die Schere zwischen den Big Four und den übrigen Marktteilnehmern geht weiter auseinander“, folgert Jörg Hossenfelder, geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk. In diese Richtung deuten zudem auch die Prognosen für die nächsten Jahre. Das Führungs-Quartett rechnet nach einer Umfrage von Lünendonk für die nächsten Jahre im Schnitt mit rund zehn Prozent Wachstum pro Jahr. Die nachfolgenden 21 Firmen aus der Lünendonk-Liste gehen von Zuwachsraten von sechs Prozent aus, und für den Rest der Branche dürften die Steigerungen noch weitaus bescheidener ausfallen.

Führende Wirtschaftsprüfgesellschaften in Deutschland

Platz 10

Warth & Klein Grant Thornton
Umsatz 2015: 85,9 Millionen Euro
Umsatz 2016: 87,8 Millionen Euro
Änderung: +2,2 Prozent

Quelle: Lünendonk & Hossenfelder

Platz 9

Roever Broenner Susat Mazars
Umsatz 2015: 114,0 Millionen Euro
Umsatz 2016: 124,4 Millionen Euro
Änderung: + 9,1 Prozent

Platz 8

Baker Tilly
Umsatz 2015: 137,5 Millionen Euro
Umsatz 2016: 139,8 Millionen Euro
Änderung: + 1,7 Prozent

Platz 7

Ebner Stolz
Umsatz 2015: 167,8 Millionen Euro
Umsatz 2016: 180,7 Millionen Euro
Änderung: + 7,7 Prozent

Platz 6

Rödl & Partner
Umsatz 2015: 183,2 Millionen Euro
Umsatz 2016: 201,9 Millionen Euro
Änderung: + 10,2 Prozent

Platz 5

BDO
Umsatz 2015: 212,1 Millionen Euro
Umsatz 2016: 214,9 Millionen Euro
Änderung: + 1,3 Prozent

Platz 4

Deloitte
Umsatz 2015: 789,6 Millionen Euro
Umsatz 2016: 963,4 Millionen Euro
Änderung: + 22,0 Prozent

Platz 3

Ernst & Young (EY)
Umsatz 2015: 1,53 Milliarden Euro
Umsatz 2016: 1,57 Milliarden Euro
Änderung: + 2,7 Prozent

Platz 2

KPMG
Umsatz 2015: 1,51 Milliarden Euro
Umsatz 2016: 1,60 Milliarden Euro
Änderung: + 6,2 Prozent

Platz 1

PWC
Umsatz 2015: 1,64 Milliarden Euro
Umsatz 2016: 1,90 Milliarden Euro
Änderung: + 16,0 Prozent

Das starke Wachstumsgefälle unter den Prüfern wird getrieben von wachsenden Anforderungen der Kunden im Hinblick auf Internationalisierung und Kompetenzen jenseits der eigentlichen Prüfungsaufgaben. Dazu gehören insbesondere Beratungsleistungen in den Bereichen Steuern, Recht und Transaktionen, aber zunehmend auch die Unterstützung von Unternehmen in der Digitalisierung von Abläufen und Prozessen.

Die größeren WP-Gruppen haben ihr Geschäft in diesen Bereichen in den letzten Jahren deutlich ausgebaut, durch den internen Aufbau von Kompetenzen, steigende Investitionen in IT-Systeme, wie auch durch größere Zukäufe. Die Big Four drängen dabei unter anderem auch in die klassische Strategieberatung, die in der Vergangenheit Beratern wie McKinsey oder Roland Berger vorbehalten war. Beim Branchenführer PWC etwa entfielen zuletzt von 1,9 Milliarden Euro Umsatz nur noch 38 Prozent auf die Abschlussprüfung. Bei Deloitte liegt der Anteil bei weniger als einem Drittel. Ihre breite Aufstellung sehen die Großen als wichtigen Wettbewerbsvorteil. „Wir sehen enormes Wachstumspotenzial in allen Bereichen“, sagt Deloitte-Deutschland-Chef Martin Plendl. „Der multidisziplinare Ansatz wird immer wichtiger.“

Die vom Gesetzgeber seit kurzem vorgeschriebene Rotation der Wirtschaftsprüfer bei kapitalmarktorientierten Unternehmen wird die Spreizung in der Geschäftsentwicklung nach Einschätzung Hossenfelders nicht aufhalten. Denn soweit Unternehmen ihren Prüfer wechseln müssen, erfolgt dieser Wechsel meist innerhalb der Gruppe der Big Four.

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