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01.11.2015

16:34 Uhr

Lufthansa, Air France und Emirates

Airlines fliegen nicht mehr über den Sinai

Nach Lufthansa und Air France will auch Emirates nicht mehr die ägyptische Sinai-Halbinsel überfliegen. Die Änderung der Flugrouten der drei Airlines soll gelten, bis die Ursache des Absturzes geklärt ist.

224 Tote

Russisches Passagierflugzeug in Ägypten abgestürzt

224 Tote: Russisches Passagierflugzeug in Ägypten abgestürzt

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Scharm el-ScheichNach dem Absturz einer russischen Passagiermaschine über der ägyptischen Sinai-Halbinsel wollen mehrere Fluggesellschaften das Gebiet vorerst nicht mehr überfliegen. Die Airline Emirates gab ihre Entscheidung am Sonntag bekannt und folgte damit ähnlichen Ankündigungen von Lufthansa und Air France.

Das Bundesverkehrsministerium weitete unterdessen seine Warnung vor dem Überfliegen der Region aus. „Bisher bestand bereits eine allgemeine Warnung für den Norden des Sinai“, sagte ein Sprecher am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. „Aufgrund der aktuellen Ereignisse hat das BMVI (das Ministerium) zusätzlich und bis auf weiteres eine umfassende Warnung für die Nutzung eines Flugwegs im Südosten des Sinai erlassen.“

Die Änderung der Flugrouten der drei Airlines soll gelten, bis die Ursache des Absturzes geklärt ist. Das Flugzeug war 23 Minuten nach dem Start im Badeort Scharm el-Scheich im Süden der Sinai-Halbinsel vom Radar verschwunden, die Trümmer wurden nahe der Mittelmeerstadt Al-Arisch gefunden. Alle Insassen sind tot.

Die schlimmsten Unglücke der russischen Luftfahrt

22. August 2006

170 Tote beim Absturz einer Tupolew-154M von Pulkovo Airlines nahe Donezk in der Ukraine. Auf dem Flug von Anapa nach St. Petersburg versuchten die Piloten eine Gewitterfront zu überfliegen.

9. Juli 2006

125 Tote bei der Bruchlandung eines Airbus A310 der Gesellschaft Sibir in Irkutsk. Auslöser waren Pilotenfehler. 78 Menschen überleben.

4. Juli 2001

145 Tote beim Absturz einer Tupolew-154M der Fluglinie Wladiwostokawia. Grund: Schlechte Sicht und Pilotenfehler beim Anflug auf Irkutsk.

3. Januar 1994

125 Tote beim Absturz einer Tupolew-154M von Baikal Airlines nach dem Start von Irkutsk. Auslöser war ein brennendes Triebwerk.

Ein Wartungsinspekteur versicherte, der abgestürzte Airbus sei vor dem Start in gutem Zustand gewesen.

„Es war ein gutes Flugzeug“, sagte der ägyptische Inspekteur, der die Maschine vor dem Unglücksflug inspiziert hatte. Seinen Angaben zufolge hatte der Airbus A321-200 vor drei Monaten Probleme. Damals habe der Pilot den Start des Flugs wegen eines Systemfehlers abgebrochen. „Das ist aber fast Routine“, sagte der Inspekteur.

Die Chartermaschine der Fluggesellschaft Metrojet war am Samstag gut 20 Minuten nach dem Start in Scharm el-Scheich auf dem Weg nach St. Petersburg abgestürzt. Alle 224 Menschen an Bord kamen ums Leben. Bei den Opfern handelte es sich fast ausschließlich um Russen. Unter den Insassen waren auch vier Ukrainer und eine Person aus Weißrussland.

Ein Mitglied des ägyptischen Komitees für Zwischenfälle im Luftverkehr hatte am Samstag gesagt, dass der Pilot vor dem Abbruch des Kontakts zu den Fluglotsen technische Probleme gemeldet und gesagt habe, er wolle auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. Ein russischer Fernsehsender zitierte am Samstagabend die Frau des Copiloten des Unglücksflugs mit der Aussage, ihr Mann habe vor dem Start über den technischen Zustand der Maschine geklagt.

Ein örtlicher Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat behauptete, das Flugzeug vom Himmel geholt zu haben. Das russische Verkehrsministerium wies dies jedoch zurück. Im Norden der Sinai-Halbinsel, wo sich der Absturz ereignete, sind islamistische Extremisten aktiv.

Die Änderung der Flugrouten der drei Airlines Lufthansa, Air France und Emirates soll gelten, bis die Ursache des Absturzes geklärt ist. Das Bundesverkehrsministerium warnte deutsche Fluggesellschaften vor einem Überflug des Nordens und Südostens der Sinai-Halbinsel.

Flugzeugunglücke der vergangenen Jahre

Oktober 2015

Auf der Sinai-Halbinsel stürzt ein russischer Urlauber-Airbus mit 224 Menschen an Bord ab. Niemand überlebt. Die Terrormiliz Islamischer Staat bekennt sich zu einem Anschlag. Am 17. November bestätigt der russische Geheimdienst, dass eine Bombe an Bord war.

März 2015

Eine Germanwings-Maschine zerschellt auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen. Alle 150 Menschen an Bord kommen dabei ums Leben. Der Copilot hatte den Ermittlern zufolge den Autopiloten so manipuliert, dass das Flugzeug vom Typ Airbus A320 abstürzte.

Dezember 2014

Ein Airbus A320 der AirAsia stürzt auf dem Weg von Indonesien nach Singapur in die Javasee vor Borneo. Alle 162 Menschen an Bord kommen ums Leben.

Juli 2014

Beim Absturz einer Passagiermaschine der Malaysia Airlines über der Ostukraine kommen alle 298 Insassen ums Leben. Eine niederländische Untersuchungskommission kommt zu dem Schluss, dass die Boeing 777 von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde.

Beim Absturz eines Passagierflugzeugs in Mali sterben alle 116 Menschen an Bord, darunter vier Deutsche. Das Flugzeug vom Typ MD83 war von Ouagadougou (Burkina Faso) nach Algerien unterwegs.

März 2014

Eine Boeing der Fluggesellschaft Malaysia Airlines auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking mit 239 Menschen an Bord verschwindet kurz nach dem Start vom Radar, MH370 wird zu einem der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte. Bisher wurde nur ein Wrackteil gefunden.

Das russische Notfallministerium schickte mehr als 100 Spezialisten auf die Sinai-Halbinsel, um bei der Suche nach Leichen der Opfer zu helfen und Trümmerteile zu untersuchen. Seine Teams würden in der Gegend vom ägyptischen Militär begleitet, teilte das Ministerium mit. An den Ermittlungen zum Absturz sind auch Experten der französischen Untersuchungsbehörde BEA beteiligt. Dem Team anschließen sollen sich laut BEA auch zwei Ermittler der deutschen Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, da die Maschine in Deutschland hergestellt wurde.

Die russische Flugsicherheitsbehörde Rostransnadsor stoppte vorübergehend alle Flüge von Metrojet. Die Gesellschaft müsse die Situation gründlich analysieren und alle Risiken abwägen, bevor am Montag eine Entscheidung darüber getroffen werde, ob die Airline Flüge wieder aufnehmen dürfe, hieß es.

Hunderte Menschen gedachten in St. Petersburg der Opfer des Unglücks. Sie brachten Blumen und Fotos zum Flughafen der russischen Stadt. Präsident Wladimir Putin hatte für Sonntag eine Staatstrauer ausgerufen.

Von

ap

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